Fernweh nach Kenia

Mein Weltwärtsjahr in Kanaam

 
18Mai
2014

April Teil 2 Meine Reise um den Lake Viktoria: Uganda

Julian wurde der Koffer ausgeräumt bei einem Einbruch in das Freiwilligenhaus und dabei büßte er auch seinen Pass ein. Bei der Botschaft erhielt er dann einen neuen und war somit reisetauglich und wollte mich nach Uganda begleiten. Ich find Mitreisende eigentlich immer prima und so fuhren wir am 25ten nach Kabale.

Dort sah ich meinen ersten Ugandan Krane am Lake Bunyoni, wo wir schwimmen waren.

 

Auf der Rückfahrt überredete ich den Pikki fahrer mich fahren zu lassen. Es hatte aber davor so hefig geregnet, dass ich einfach nicht aus dem Straßengraben rauskam und einfach umkippte.

Abends trafen wir den dort ansässigen Freiwilligen und gingen mit ihm zusammen Bananenbier und Schweineohren essen. Seltsame Mischung und ich finde Schweineohren jetzt nicht so ultra delikat. Beim feiern und Ugandische Getränke ausprobieren brachten wir den Ugandern Flankyball bei.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Waschen und feststellen, das Julian eindeutig nicht den Rrest der Reise in einer Boxershort verbringen auf den Markt, wo wir einen mega Spaß hatten und für fiktive Bad Taste Party einzukleiden und durch die Klamotten zu wühlen. Bei einigen Dingen wie „i did justin three times“ konnten wir nicht wiederstehen.

Dazu diese Mützen! Wer kauft so etwas fragten wir einmal einen Verkäufer, der uns die grausigste Omamütze diese Planeten andrehen wollte. Er selber würde sie kaufen und sie steht Julian ausgezeichnet. Natürlich. Er setzte sie dann auf und wir lachten uns schlapp mit ihm über das Foto davon und er gab zu sie in der Öffentlichkeit wahrscheinlich nicht zu tragen.

Wer sieht besser aus?

In Uganda ist das Hauptnahrungsmittel Rolex. Das ist Chapati (Pfannkuchen ohne Milch und Eier) mit einem Omelette drin und Kohl. Das war auch unser Hauptnahrungsmittel während der gesamten Reise quer durch Uganda. Also mindestens 2 mal täglich gab es das, wenn nicht öfters.

Am Sonntag gings nach Fort Portal oder Port Fortal. Dessen bin ich mir nie sicher. Der Tag fing schonmal damit an, dass wir im Bus erstmal Lampingonfrüchte Aßen, gefolgt von Heuschrecken. Diese sind mega lecker! Also eigentlich sind es Heupferde so groß sind sie. Ich finde die Menschheit muss mehr Insekten essen. Ist gesund, schmecken prima und mega gut für die Umwelt.

Dann wurden am Wegesrand noch weitere seltsame Früchte verkauft. Innen haben sie weißes Fruchtfleisch und schwarze Kerne. Das Fruchtfleisch ist süßlich sauer, die Kerne mega würzig, fast schon scharf.

Dann stiegen wir in Mbarahre um, wo wir am Busbahnhof einen Stand von einem kleinen alten Mann entdeckten, der voll beladen war mit allem möglichen Zeug an Wurzeln, Pülverchen, Federn, Blättern, Gräsern, Rinden und in getrocknete Bananenblätter verpackten Sachen. Wir standen dort sicher eine Stunde lang rum und fragten ihn trotz seines schlechten Englischs aus „and what is this? And this? And this?” (oder julian: aand what is sis?)die meisten Dinge waren gegen Malaria.

Die bestschmeckenste Wurzel nahmen wir mal mit und knusperten daran während wir im Matatu nach Fort Portal saßen. Die Leute um uns herum schauten uns sehr seltsam an und beobachteten vor allem Julian genauer, der das recht witzig fand. Seine voluminöse alte Nebensitzerin erklärte ihm dann auch warum. Die Wurzeln seien für Manpower. Das sagte uns am Anfang recht wenig aber weil alle dabei so kicherten und immer mehr Andeutungen machten wurde uns klar was das heißen soll. Aha Potenz to go also. Hatte aber echt wenig Wirkung. Trotzdem war die Fahrt extrem amüsant und führte auch direkt durch den Queen Viktoria National Park.

Keine 20m reigefahren sahen wir am Wegesrand schon die erste Elefantenherde grasen. Danach überfuhren wir fast ein paar Waterbuck Gazellen. Paviane en Mass und beim rausfahren nochmals ein paar Elefanten. In Fort Portal angekommen genehmigten wir uns nach all dem Blödsinn auf dem Magen erstmal ne Rolex.

Wir kamen dann mit einem Typ ins Gespräch, der uns lebendige Heuschrecken andrehen wollte. Er warte uns vor der Ecke in der wir saßen, dass hier viele Zwielichtige Typen ihr Unwesen trieben und erzählte uns viel über die ethnischen Gruppen in Uganda. Zu unserer Sicherheit begleitete er uns auch zu der Bar wo die anderen Freiwilligen saßen. Mit Pascal gingen wir dann auch feiern wo die Wette aufkam, dass ich drei Tütchen (Schnaps in Plastiktüten) zum Preis von zwei bekomme. Ich kam mit 4 zurück. Daraufhin musste Julian eine lebendige Heuschrecke essen. Dann trafen wir noch einen Sansibari, der uns spontan ein Lied vorsang. Warum weiß ich nicht mehr. Der Abend war der epischte den ich je hatte. Wir tanzten uns die Nacht um die Ohren und nach einer Katerrolex und Mittagsschlaf ging es mit einem ausgeliehenen Motorrad zum Lake Nkuruba.

Dort fanden wir ein Bambusboot im Wasser und viele Locals die uns beobachteten.

Sie hatten diese Kühe dabei mit den riesigen Hörnern, die es überall um den Lake Viktoria gibt, nur nicht in Kenia. Vom Boot aus fing ich dann an Köpfer und Saltos zu versuchen.

Auf dem Rückweg fuhr ich und es wurde irgendwann so saukalt, weil es dunkel wurde und ich nur im t shirt war, mächtig aufs Gas drückte und der Fahrwind alles Taub machte und mir die Tränen in die Augen trieb. Irgendwann kam es deshalb von hinten „Du ich glaube es fängt an zu regnen!“

Mit einem anderen Motorrad fuhren wir dann am nächsten Tag in den Kongo.

Die Strecke ist wunderschön, führt teilweise durch den Urwald und hat auch viele von diesen Humps wo wir uns irgendwann ein Spaß daraus machten, mit ein bisschen mehr als angeschrieben drüberzusausen und ein bisschen zu fliegen. Natürlich in Superman Pose. Als wir dann an die Kongolesische Grenze kamen war dort ein Zelt mit Militär drin und ein paar Lehmhüttchen. Die Brücke trennt an dieser Stelle Uganda vom Kongo und der Übergang ist durch einen Autoreifen gekennzeichnet. An dem fuhren wir vorbei und fragten uns ob wir jetzt angehalten werden. Wurden wir aber nicht. Wir fuhren also in den Kongo rein und so nach 20m blieben wir dann doch stehen für ein Foto vom Schild und etwas Wasser.

Dann kam ein Typ auf uns zu und meinte wir bräuchten doch ein Visa. Hm ja warum nicht? Wir hätten einfach weiterfahren können… der Grenzbeamte wollte dann 50 Dollar pro Nase für ein und Austritt in den Kongo. Da wir uns aber nur mal umgucken wollten und mehr nicht und keine Lust oder überhaupt 200 grad am Start hatten setzten wir unseren Roadtrip einfach wieder in Uganda fort und fuhren wieder zurück. Weil wir so gut drauf waren sangen wir dann so die erstbesten Lieder, die uns einfiehlen… auf der Mauer, auf der Lauer…Die Serpentinen, die ich fuhr waren teilweise echt schwierig, weil Sand gestreut war.

Am Viewpoint noch ein bisschen Fotoshooten und auf dem Rückweg taten wir dann so als wären wir Pikki fahrer und nervten die Leute mit „ksssssss wewe i got a motorbike here!“ oder „eeeeeeh! Ksssss, kssss taxi?“ so wie wir halt ständig von den Pikki fahrern angelabert werden. Julian hatte sich von diesem Tag einen ziemlich Heftigen Sonnenbrand geholt.

Mittwoch gings nach Kampala, der Hauptstadt Ugandas mit einem Bus, der eine Federung hatte, was alles jiggelte. Ich bin fast sofort weggepennt. Im Kampalamussten wir uns durch das Chaos erstmal zum richtigen Matatu zu Patrick, einem weiteren Solivol Kollegen finden. Mit dem veranstalteten wir erstmal die lang ersehnte Bad Taste Party.

Julian musste nach einer weiteren verlorenen Wette dann auf der Straße am nächsten Tag Leute anmachen. Er hatte sich mit mir angelegt, wer die meisten Nummern bekommt. So stellte er einige Heiratsanträge an Typen und fragte alte Hutzelweiblein „Baby, I lost my number, can I have youres?“ während ich mich kringelte. In Kampala Downtown holten wir uns jeder ein Karton und eine Auswahl Sodas und Wasser. Damit gingen wir dann an den Busbahnhof und machten es den unzähligen Verkäufern nach und schrien „Soooooooda, soda, soda, soda, awazi! Soooooooda eeeeeeeh! Can you buy soda? Soda, soda, soda, soda, awazi!“ die Leute guckten uns extreme komisch an, was den Wazungus so ein Job machten. Oft wurden wir gefragt ob das Werbung für ne Company ist oder warum wir das machen. Ja aus Spaß halt. weil wir aber nicht das Lager für die Soda oder Wasser (awazi) Produkte fanden und das bei einem einfachen Laden gekauft hatten verkauften wir es zum gleichen Preis weiter, weil wir sie sonst nicht loswurden.

 

Freitag war der Plan nach Jinja weiterzufahren. Julian musste aber noch ein türkisch Airlines Office finden. Wir haben uns ziemlich in der Stadt verlaufen aber so kann man auch schöne Ecken in Kampala finden. Es war Markttag, deswegen war Kampala Chaos hoch 10!

Wir fanden auch einen Nakumatt mit Nokia Werbungsstand vornedran. Dabei eine grüne Box mit grünem Typ drin. Da will ich auch rein! (erster Gedanke) Drinnen wurde pseudo Geld rumgeblasen. Den Aufzug des Typen tauften wir den Vergewaltigungssuit.

Ich machte mich auf die Suche nach dem Zug nach Jinja, in der Hoffnung, dass er genau so episch sein würde, wie der nach Mombasa. Am Bahnhof wurde mir dann aber erzählt, er existiere schon seit 2 Jahren nichtmehr und nur noch Güterzüge gingen nach Jinja. In ganz Ostarfrika bin ich jetzt schon so häufig Bahnstrecken aus den Kolonialzeiten, in nicht in Stand gehalten wurden und völlig überwuchert sind und teilweise unterirdisch gehen. Ich kenne eigentlich nur zwei Bahnstrecken mit Personenzügen. Die nach Mombasa und eine in Tansania.

Als wir in einem kleinen Balkoncafe auf den Bus nach Jinja warteten und das Chaos unter uns beobachteten wurde es plötzlich noch chaotischer und eine Menschentraube kam in unsere Richtung, in der ein paar Männer sich Schlugen, auf Leute einprügelten und von Unmengen Schaulustiger begleitet wurden. Steine flogen durch die Luft und Soldaten versuchten die Opfer der Eskalation in Sicherheit zu bringen. Ein paar Männer mit Baseballschlägern und Eisenstangen schienen der Kern der Gewalt zu sein. Plötzlich kamen genau diese die Treppe hinauf, schubsten ein paar ziemlich demolierte Männer in Begleitung von Soldaten vor sich her und kamen dann ins Cafe und stellten sich direkt neben mich, diskutierten wild und zeigten in die Menschenmenge unter uns. Ich hatte eine Scheißangst. Ich wollte nicht wirklich Zeuge von öffentlichen Lünchungen werden. Das hier gerade Diebe geschnappt wurden war mir klar. Ich erfuhr vom Cafebesitzer, dass diese für die Polizei arbeiteten und gerade Diebe geschnappt hatten. Diese wurden gerade in das Polizeipräsidium gebracht. Die Männer zogen wieder los um noch mehr Diebe zu fangen, zu verprügeln und sie in Gewahrsam zu nehmen. Mit diesem Erlebten konnte ich mir den Bürgerkrieg in Kenia 2007 nur noch Bildlicher vorstellen.

Mit dem Bus ging es dann nach Jinja, wo wir uns im Pub Ronz mit den anderen trafen. Dort gab es wieder Eimersaufen mit diesem Zeug, was nach Dreck aussieht, nach Dreck riecht und ich wette es ist auch Dreck. Bzw. wahrscheinlich Ronz. Ich mochte es absolut nicht aber die Ugander standen voll drauf und saugten es aus langen Plastikröhrchen aus diesem Eimer, der immer wieder neu heiß aufgegossen wurde. Dazu wurde Ugandische Musik gespielt, und die Männer stahlen sich ein Tuch oder hatten ein Schaal mitgebracht, den sich um die Hüften banden und dann anfingen ihn zum wackeln zu bringen. Und die hattens schon mega drauf in diesem unglaublich schnellen Takt in den verschiedensten Bewegungen den Unterkörper fast kreisen zu lassen. Julian wurde dann auch in deren Kreise reingezogen und versuchte es denen nachzumachen…kriegte es aber nicht so wirklich so hin. Das Ronz wurde schon um 10 dicht gemacht also zogen wir zum nächsten Club weiter. Bzw fuhren. Julian bekam einen Pikki fahrer dazu überredet, ihn fahren zu lassen. Der Pikki Fahrer saß dann hinter mir und spielte panischen Navi. Dort fing dann der Himmel an einen auf Monsum Regen zu machen, was uns aber nicht weiter störte sondern Flunkyball noch epischer machte. Ich in einem Team mit einem halb Ugander, halb Kenianer, Barfuss und nass bis auf die Knochen. Verloren haben wir aber trotzdem. Auf dem Heimweg bin ich noch in den Kaktus gelaufen, der vor der Tür der FW steht. Warum der unpraktischer Weise genau da stehen musste…

Nach Frühstücksrolex, Wäsche waschen (Julian ließ sich wieder von der Sonne so braten, dass man ihm den Rest der Reise beim häuten zusehen konnte… alte Natter) und den Rest Wurzelvorrat vertilgen fuhren wir dann zum Nile River Camp, wo es dieses fantastische Schwingseil gibt, mit dem wir wieder in den Nil hüpften.

Danach gingen wir indisch essen. Die Tage in Jinja waren sehr gechillt mit extrem guter Stimmung. Montag fuhren wir nach Mbale weiter, wo wir am Rolex stand einem alten Herrn begegneten, der sehr gut Englisch konnte uns erzählte, wie er im Sudan als Soldat gedient hat und viel über Uganda erzählte.

Bei den Mbale FW guckten wir Abends noch Ratatouille geschaut und uns dann am nächsten Morgen zu den Sipi Falls aufgemacht, wo wir dann zu einer kleinen Lehmhütte mit Wellblechdach gelotst wurden an dessen Wände auf Schmierzetteln handgeschrieben die Eintrittspreise standen. Sich an den Weg stellen, ein Hüttchen hinbauen und Preise verlangen kann ja jeder.. und verarschen können wir uns selbst. Also haben wir uns einfach ins Gras gesetzt und die Aussicht mit Wasserfall angeschaut.

Da kam dann einer von diesen Guides und wollte das übertrieben teure Eintrittsgeld, was wir nicht einsahen. Er motzte etwas rum und ging dann demonstrativ los, um die Polizei zu holen. Jaja mach doch, wir ließen uns nicht stören und saßen einfach weiter rum. Ein Kind kam an und bot sich uns als Guide an zu den Wasserfällen, für einen winzigen Bruchteil des Preises. Der Typ war ja weg, also gingen wir los. Bei dem Trampelpfad gab es ab und zu auch so Bretter Ansammlungen, die oft kaputt waren und man eigentlich eher um sie herum klettern musste. Für die Benutzung dieser Treppen wollten unten ein paar Leute auch Geld. Also gingen wir um jegliche Holzkonstruktionen einfach drum rum. Irgendwann standen wir vor einem Zaun, wo nochmal Eintrittspreise verlangt wurden. Da nahmen wir dann halt einen anderen Weg, wo wir am Berghang entlangliefen und eine Geniale Aussicht hatten über gefühlt halb Uganda.

Wir hatten die Idee hintenrum um den Berg wieder an dem Hostel anzukommen, wo wir unsere Sachen verstaut hatten um nicht dem Typ mit der Polizei in die Hände zu laufen. Kurz als wir da waren fing es in Strömen an zu regnen und wir flohen in eine kleine Hütte. Und siehe da, wer sucht da noch Schutz? Der Typ! Die Polizei war nicht dabei und von irgendwelchen Eintrittspreisen sagte er kein Piep… dann war das doch nicht so offiziell wie sie versucht haben zu wirken. Sie mal einer an. Als der Regen weg war liefen wir zum Hostel und genehmigten uns dort erstmal ein Bier und machten uns Popcorn in der Küche zusammen mit den Köchen, von unserem Mais vom Abend vorher. Seltsame Hühnchen liefen rum, die auch etwas abbekamen.

Als wir so futterten kam eine Schulklasse grade an. Eine Amerikanische. In Uganda wohlgemerkt. Weiße, amerikanische Kinder mitsamt ihren halben Kleiderschränken und I Phones kamen da in einer mega Horde (oder Rudel? Herde? Schwarm?) lärmend an mit drei ziemlich fertigen jung Lehrerinnen die so den „wir müssen den Kindern die dritte Welt in einem Schulausflug näher bringen!“ Eindruck machten. Wir mussten noch die zweite Sintflut abwarten und fuhren dann wieder nach Mbale zurück, vertilgten noch ne Rolex und fuhren am nächsten Tag nach Busia wo ich dann endlich wieder kenianischen Boden unter den Füßen hatte. Ich hab mich so gefreut wieder im Bus ein paar Dholuo Wörter rauszuhauen und damit den ganzen Bus zu entertainen, sich zwischen die voluminösen Mamas zu quetschen und fröhlich mit ihnen auf Kiswahili zu labern. Ich schaute kurz in Ugunja im Office vorbei und wir fuhren dann weiter nach Kisumu. Dort am Stage (Busbahnhof) fragte uns ein Pikki Fahrer „ U want Pikki?“ ich: „No.“ Er: „Whuuuuuuuuut?“ Erstmal ein Tusker trinken und dann bei Gidi vorbei, meine Leute besuchen, nach Kanaam fahren, mir Harry Potter 1-6 reinziehen und wieder anfangen zu arbeiten…Julian ist nach Turkana gefahren und ich habe wieder ein bisschen Thyphus bekommen. Die hälfte der Schule hat Thyphus gerade um genau zu sein. Mir gings aber nur ein Tag ein bisschen mies. Die Zeit konnte ich dann wunderbar zum Blog fertigzubekommen nutzen… hat ja auch schon 3 Tage gebraucht… 19 satte Seiten in Word. nun seid ihr offiziell Up to Date. Dazu bin ich auch gerade kräftig am malen fürs Fundraising. Einige Impressionen:

Heute malte ich zum Beispiel Zebras:

 

   

Und noch mehr Zebras!

 

Und jetzt sehe ich nur noch Streifen...überall!

 

 

 

Dazu hatte ich eine Diskussion mit dem Biolehrer der Schule über die Entstehung des Menschen. Er meint nämlich, die Welt wurde in 7 Tagen erschaffen und die Frau sei aus der Ruppe des Mannes entstanden und deshalb auch weniger Wert. Und der Mensch besteht nicht aus Atomen und Chemie, sondern Gott hat den Menschen erschaffen. Den hab ich so ziemlich in Grund und Boden diskutiert, sodass er am Schluss als einziges Argument aufbringen konnte, dass ich es doch einfach akzeptieren soll, dass Männer supierior seien. Klar. Mach ich. 

17Mai
2014

April Teil 1 meine Reise um den Lake Viktoria: Tansania und Rwanda

Erster April erstmal. Hehe. Den kennt man hier in Kenia auch als Fools Day. Insgesamt verteilte ich 5 von diesen du-hast-da-was-Nasenstubser, ein „dein Hosenstall ist offen“ (nachdem ich Hosenstall im Englisch Wörterbuch gefunden hatte) und jede Menge andere April Aprils dieser Art. Mein Lieblingslehrer lernt von mir ein bisschen Deutsch und wir waren bei den Verben. Mir war vor Kenia nie wirklich klar wie schlimm deutsch von der Aussprache her ist für nicht Deutsche. „Hören!“ „Hoagen!“ „Hören!“ „Hoagen!“ Nein, Hören!“ „Hoagen!“ „Höööööööören!“ „Hoaaaaagen!“ „Hören!“ Abends lag ich in meinem Bett und hörte meinen Mitbewohnerinnen beim lernen auf das nächste Exam zu. Da kam mir der Schalk des ersten Aprils wieder hoch. Das boshafte Grinsen verkneifend wappnete ich mich für das Pokerface und dann ein entsetz/schokierten/ängstlichen Gesichtsausdruck und sprang auf, zeigte unter das Bett wo meine Mitbewohnerinnen drauf saßen und schrie „NYOKA! NYOKA! NYOKA! NYOKA!“ (nyoka bedeutet Schlange inSwahili) alles kreischte auf, floh in die andere Zimmerecke und kletterten auf die Betten rauf, währed ich meinem Lachanfall erlag.

Einmal wurde ich während meines Life Skill Unterrichts über HIV gefragt, ob ich mich jemals getestet habe. Zu meiner Schande musste ich verneinen und nahm mir vor dies zu ändern. Im Krankenhaus wurde ich ins Hinterzimmer vom Arzt geführt, damit die anderen Patienten das ja nicht mitbekamen (Tabu Thema merkt man leider zu oft) und dann stach man mir kurz in den Finger, saugte ein bisschen Blut in ein Röhrchen auf, nicht anders als bei einem Malaria Test und dann hieß es warten. Der Arzt stellte mir ein paar unangenehme Fragen und informierte mich noch weiter über das Virus und dessen Ausbreitung in Kenia. Das Resultat war ein Balken, also negativ. Ein bisschen Muffensausen hatte ich schon, man weiß ja nie. In Deutschland gibt es das Virus ja auch. Deswegen kann ich auch jedem Deutschen dazu raten solch einen Test einmal zu machen.

An der Schule gibt es ja weder Strom, noch fließend Wasser. Deshalb trägt man das Seewasser in Kanistern auf dem Kopf zur Schule, was zumindest mir extrem in die Nackenmuskulatur geht. Alle vorbeikommenden Kenianer freuen sich aber wie Schnitzel als sie mich sahen, auch wenn das mit den balancieren noch nicht so gut klappt. Die Wege in Kanaam haben aber noch nie Teer gesehen und sind von der Bodenerosion völlig zerfressen. Das versuche ich mir auch noch zur Aufgabe zu machen. Es gibt hier nämlich auch verschiedenste Gruppen, die Bamschulen Hochziehen und versuchen die Homahills aufzuforsten. Als anderes Projekt versuche ich einen Tageslichtprojektor zu bauen mithilfe der Physiklehrer. Der ist auch fast Fertig.

Die Ferien kamen uns dazwischen. Zu Essen gibt es an der Schule normale kenianische Kost, also hauptsächlich Ugali und Sukuma. Die Lehrer bekommen dazu noch Fleisch oder meistens Fisch, die Schüler nicht. Das Lehrer- Schüler-Miteinander-Verhältniss ist komplett anders als in Deutschland. Der Respekt der Schüler gegenüber den Lehrern besteht aus Angst und andersherum gibt es kaum Respekt. Einmal kam ein Schüler in das Lehrerzimmer und brachte kaum ein Wort heraus. Die Lehrer machten sich über ihn lustig. Er stammelte irgendwann, er habe schlimmes Zahnweh. Ein Junglehrer bot ihm daraufhin ein Stuhl an und ging die Entschuldingungspapiere holen. Als die anderen Lehrer sahen, das dieser Schüler auf einem gepolsterten Lehrerstuhl saß wurde er sofort angeschnauzt.

An der Schule gibt es auch einen Mandazi Stand, mit dessen Verkäuferin ich mich recht gut verstehe. Einmal nahm sie mich Abends zu sich mit Nachhause, weil ich ihr tragen Half. Auf dem Weg zurück hörte ich Trommeln und ein monotones Ping Ping Ping Ping Ping. Neugierig suchte ich den Ursprung der Musik. An einem Hauseingang angekommen schob mich die Mandazi Frau direkt in den Hauseingang rein. Im Haus waren ein Paar Leute in langen Weißen Gewändern um einen Tisch mit einer Pflanze und einer Bibel drauf versammelt und sangen zu der Trommel und einem eisernen Ring, auf den einer schlug und dieses Ping Geräusch erzeugte. Nach dem Gesang fingen sie an zu Beten. Es war eher eine Art Meditation, vor sich hinmurmelnd aber in einer Lautstärke und mit solchem Nachdruck, dass es mich eher an Verwünschungen erinnerte. Dies ging endlos lange, alles auf Dholuo und jeder für sich. Dann Gottesdienst, wo aus der Bibel vorgelesen und gepredigt wurde. Erst da erkannte ich den Headboy (Schulsprecher, Aufpasser und Schüleroberhaupt) der Schule, der die Rolle des Priesters übernahm. Dann fingen sie wieder an zu beten. Ich bekam mit, dass sie für den ältesten Sohn beteten, der eine Reise unternahm und eine andere Frau, die neu in den Glauben aufgenommen wurde und vorher Muslima war. Beide Knieten sich vor den Ältesten hin und wurden gesegnet und bepredigt. Danach nahm der Sohn das Ping-Ding und öffnete die Tür. Er schlug es während er auf Dholuo irgendwelche Dinge in die Nacht hinaus schrie. Dann schlug er es plötzlich schneller, stampfte mit den Füßen und schrie so etwas wie“ POH! POH! POH!“. Das wiederholte sich ein paar mal, dann ging der Gottesdienst weiter. Eine Frau die in der Ecke saß schloss danach die Augen und sagte etwas wie in Trance. Dann Predigte der Headboy weiter und sie sangen zum Abschluss. Erst zum Schluss schienen sie mich zu bemerken und hießen mich willkommen. Sie erklärten mir ihre Religion, die eine afrikanische Abspaltung des Christentums ist. Den Namen habe ich leider Vergessen. Das an der Tür war eine Dämonenvertreibung und die Frau in der Ecke hatte die Gabe voraus zu sehen. Also sie war Seherin. Es gab noch etwas Abendessen und ich verabschiedete mich danach völlig fasziniert.

Als ich zur Schule zurückkam war das Tor aber war schon abgeschlossen und der Wärter unauffindbar. Ich durfte dann bei der Mandazifrau übernachten. Der letzte Schultag war Educationday, wofür sich die ganze Schule rausgeputzt hat. Die Eltern trudelten so nach und nach ein und wir verkauften die am Tag vorher gebastelten Ribbons. Am Anfang war zuerst natürlich Gottesdienst, wovor ich mich aber drücken konnte weil ich am Tor eingeteilt war zur Begrüßung der neuen Gäste. Es gab verdammt viele Reden und Programm mit einem localem Sänger und einem Schülerchor, soviel ein comedy scetch von zwei Schülern. Dann wurden Preise verliehen. Geschenke für alles Mögliche. Bester pro Klasse, ehemalige Schüler die es auf die Uni geschafft haben, Lehrer die die beste performance bei Schülern hervorgebracht haben, Geld für jede 1 im KCSE (sowas wie Abitur), Bester in jedem Fach, Elternvorsitzende, Rektor sein und natürlich für die zwei Weißen. Einfach weil sie da sind. Essen gab es nach der Veranstaltung. Die sollte eigentlich um 3 zu Ende sein. War dann aber um halb 6 zu Ende. Solange hatte niemand etwas gegessen und still auf dem Stuhl gesessen und zugehört. In Deutschland wären die Eltern schon lange auf die Barrikaden gegangen. Und die Schüler erst.

Am Tag danach startete ich meine Tour um den See. Erstmal guckte ich bei alten Freunden in Ugunja vorbei und machte mit Leah ein kleines Fotoshooting.

Dann fuhr ich mit einem anderen Solivol Freiwilligen Nach Migori, wo ich mein Handy im Matatu liegen ließ. Jaja, wenn mein Kopf nicht angewachsen wäre… Naja dort in Migori besuchte ich einen Freund, der ein Kuria ist. Das ist eine weitere der 42 ethnischen Gruppen in Kenia. Er wohne in einem kleinen Dorf mitten in den Feldern.

Nach dem Abendessen packte er Pfeil und Bogen aus. Oft versuchen Politiker oder Chiefs verschiedenen Gruppen gegeneinander aufzuhetzten. Meistens sind es Masai und Kuria die sich bekriegen. Die Masai Kenias benutzen auch Pfeil und Bogen. Die Masai Tansanias z.B. aber benutzen AK 47 und andere Schusswaffen. Und diese beiden Gruppen haben andauernd Krieg. Die einen gehen bei Nacht über die Grenze und stehlen bei einem Raubüberfall Kühe und andere Wertsachen, die anderen üben bei Tag Rache aus. Nachts gewinnen die Kenianischen Masai, da man die Pfeile nicht hört und den Angreifer nicht orten kann, tagsüber die Tansanischen Masai mit ihren Maschienengewehren. Um die Pfeilspitzen ist eine schwarze angetrocknete Pampe, die hochgiftig ist. Giftschlangen werden gefangen, die Köpfe dann eingekocht und dies ist dann das schwarze an den Pfeilspitzen. Diese waren mal Nägel. Plattgehauen und eingeschnitten ergeben sie eine gefährliche Waffe. Damit werden auch Leoparden gejagt. Manchmal fällt nämlich einer in den Hühnerstall ein oder tötet Ziegen. Ich habe mit einem ungiftigen Pfeil auch ein bisschen schießen geübt.

Nach Migori bin ich auf nach Mwanza. Eigentlich ist das die erste Stadt gewesen, wo ich vorher noch nie war, keiner auf mich wartete und ich allein hinfuhr. Aber ein günstiges Hotel und Bekanntschaften zu finden war nicht schwer. Ein Internetcafe fand ich auch und saß dort bis Stromausfall war. Tags darauf wollte ich nach Bukoba weiterfahren, verpasste aber den Bus und musste mit einem Boda Boda (so nennt man ein Motorrad in Tansania) dem Bus nachjagen. An der nächsten Haltestelle war pures Chaos und ich wurde von allen möglichen Leuten zugelabert ihren Bus zu nehmen. Einer drückte mir dann seine Fahrkarten in die Hand um sich mit einem anderen Konduktor zu prügeln. Im Bus hatte ich noch das Problem nicht genügend Geld gewechselt zu haben und musste dann die Hälfte in Kenia Schillings bezahlen. Allgemein habe ich ja keine Kreditkarte mehr und meine Eltern haben mir Geld gesendet. Jedoch nach Kenia, was ich dann in Tansania nicht abheben konnte. Einmalhielt der Bus an für eine Pinkelpause. Als ich gerade rauskam hörte ich den Motor des Busses aufheulen. Ich rannte raus und der Bus war gerade dabei in voller Fahrt den Parkplatz zu verlassen. „EEEEEH!!!! ULINISAHAU!!!! HEEEEY!!“ Scheiße mein komplettes Gepäck war im Bus und pleite war ich sowieso. Ich rannte dem Bus hinterher während alles um mich herum lachte. Muss ja auch komisch ausgesehen haben. Der Bus, der den Muzungu auf dem Klo vergisst, welcher darauf, wild mit den Armen wedelnd und schreiend hinter diesem her rennt. Der Busfahrer bemerkte mich zum Glück und machte eine Vollbremsung. Sonst wär ich leicht am Arsch gewesen.

Auf der Fahrt hielt er nochmals an und alle Leute fingen an auszusteigen, obwohl Bukoba noch lange nicht erreicht war. Als ich fragte was los sei meinten alle nur „ferry, boat!“ also stieg ich auch aus. Ok dann muss der Bus halt mal kurz ein kleinen Teil des Lake Viktoria überqueren. Beim warten unterhielt ich mich mit einem Canadier, der in der Nähe eine Goldmiene besaß und mir seine Lebensgeschichte erzählte. Ich bin im alter seiner Enkel und er ist einer der sympatischen Nasen, die in Ländern wie Tansania sich von der Regierung erkaufen die ganzen Bodenschätze auszugraben und nach Kanada zu verschiffen. Er fands super, was ich so in Kenia mache und als ich gerade dabei war zur Fähre zu laufen (die 25 Cent kostete) pfiff er mich zurück und drückte mir umgerechnet um die 30 Euro in die Hand und meinte ich solle so weitermachen. Damit hatten sich meine finanziellen Probleme in Luft aufgelöst obwohl ich nicht mal drum gebeten hatte.

In Bukoba angekommen erstmal ein Chipsy Mayai auf den leeren Magen gefuttert (Omlette mit Pommes drin) und dann bei den Bukoba Freiwilligen rumgefragt wer grad Zeit hat. Ich erreichte nur den Tansania Coordinator, einen ehemaligen Freiwilligen Solivols, der in Bukoba sesshaft geworden ist. Morgens wurde ich geweckt von einem klopfen am Fenster das einfach nicht aufhörte. Ein kleiner Webervogel gefiehl sein Spiegelbild um 7 Uhr morgens nicht und musste es deswegen anhacken.

Vormittags fuhr ich nach Karagwe etwas weiter westlich von Bukoba aus, wo gleich ein paar Solivols auf einem Haufen hockten. Genaueres wusste ich aber nicht. Im Dalla (Matatu) kannte man aber David, bei dem und dessen Mitbewohner von Ingeneure ohne Grenzen, welche echt pracktisch sind, da sie Lehmöfen bauen können, mit denen man Brot und Pizza machen kann ich dann vorbeiguckte. Eine mega geile Hängematte hatten sie dort auch. Abends trafen wir uns mit den anderen Solivols und gingen ins J One, was ein winziger Club, der aber Kult ist. Es waren kaum Leute da aber dafür einer der die leere Tanzfläche für Flickflacks und Breakdance nutze. Er versuchte mir davon auch etwas beizubringen, was nicht so wirklich funktionierte. Ansonsten gibt es dort in der Nähe noch den „Spot“ wo man eine geniale Aussicht über das Tal hat, in der ein Zufluss des Lake Kivu läuft.

Am Ostersonntag sind David, Nicole und ich nach Kigali gefahren. Auf dem Weg, noch in Tansania hielt das kleine Dalla plötzlich irgendwo in der Pampa weil am Wegesrand ein paar Männer mit Maschinengewehr standen. Sie liefen um das Dalla rum, deren Insassen ein bisschen Panik bekamen und alle „wabaye, wabaye!“ (schlimm schlimm) murmelten. Der Konduktor redete auf die Männer ein und ich versteckte den I Pod und Kamera schon mal in meinen Klamotten. Dann gaben alle Insassen ihre Wasserflaschen her, was mich sehr wunderte. Eine Frau streckte auch ihr Brot aus dem Fenster. Das wollten sie jedoch nicht. Danach fuhren wir weiter. Nicole hat alles verschlafen.

In Kigali angekommen fiehl mir erstmal die Kinnlade runter. Richtige Highways mit Straßenlaternen und Landebahnlichtern an den Seiten. Amplen, Wolkenkratzer, Verkehrsregeln und kaum Stau. Motorradfahrer mit zwei (einen für sich, einen für den Mitfahrer) Helmen und Buslinien durch die Stadt. In Kigali war ich vom Gefühl her zuerst wieder in Europa, nur halt, dass die Rwandesen natürlich auch Dunkelhäutig sind. Vor allem im Vergleich zu Tansania ist Rwanda halt extrem westlich.

Aber sobald man ein wenig aus Kigali draußen ist wird es immer ähnlicher. In der Innenstadt aßen wir aber erstmal was. Nicole und ich waren völlig fasziniert von den erstaunlich gutriechenden Rwandischen Männern. Viele Rwander können auch Kiswahili, was sehr praktisch ist, da ich versuchte mein Französisch wieder auszugraben, aber dabei kaum etwas zu Tage brachte. Französisch war bis vor einiger Zeit die Landessprache neben Kinyarwanda. Der Präsident Kagame kann aber kein Französisch und hat deshalb Englisch eingeführt.

Erstmal Wurst, Salat und richtiges Körnerbrot einkaufen! Hab leider nur quer reingepasst..in meiner Erinnerung waren die Dinger viel geräumiger!

 

In der Stadt fielen und auch die vielen Plakate von Kikumbuke 20- remember, unite, renew auf. Denn vor exakt 20 Jahren waren die 100 Tage des Genozids. Dazu aber später mehr. Rwanda ist ein wunderschönes Land und wird auch Land der tausen Hügel genannt und das zurecht!

Rwanda hat auch viele seltsame Regeln, wie, dass man auf der Straße nicht essen darf, unter der Moto Helm ein Haarnetz tragen muss und eine gewisse Kleiderordnung befolgen muss, weswegen wir Tags darauf wegen alles-was-nicht-Schlabberhose-ist-Armut auf den Markt gingen. Da wühlten Nicole und ich im Shoppingfieber und durch die second Hand Haufen und zogen alles Mögliche an Dingen raus, worüber man sich Kaputtlachen konnte. Vieles war J One tauglich!

Abends besuchten wir Louisa, die zurzeit bei der Zeitung arbeitet und viel über den Genozid, mit heutigen Auswirkungen und dem Kongo Konflikt erzählte. Vor 20 Jahren eskalierte der Hass zwischen Hutu und Tutsi (die Namen darf man nicht in der Öffentlichkeit aussprechen, deswegen nennt man sie Holländer und Türken) weil die Holländer, die die Mehrheit bilden seit Rwanda von Belgien kolonialisiert wurde unterdrückt wurden. Die Belgier führen auch ein, dass jeder im Pass seine ethnische Zugehörigkeit preisgeben muss. Dann vor 20 Jahren wurde der Genozid von der FDLR (Forderation Demokratic pour la Liberalision Rwanda) systematisch vorbereitet, indem sie Radios verteilten, womit sie ihre Hassreden verbreiten konnten, Listen von Türken in den jeweiligen Stadtvierteln anfertigten, Straßensperren errichteten und Schlägertrupps organisierten. Mit dem Abschuss des Flugzeugs des Präsidenten war der Startschuss gelegt und in 100 Tagen kamen bis zu einer Millionen Türken um. Zuerst die Männer, dann die Frauen und Kinder. Die UN wollte es nicht als Völkermord sehen und zog sogar ihre Soldaten ab. Ein Befreiungstrupp einer Türkischen Rebellengruppe aus dem Kongo endete dann den Genozid, woraufhin tausende Holländer nach Uganda und vor allem Kongo flohen und manche dort weiter mordeten. Das ist der heutige Kongokonflikt, dass diese Mörder im Kongo unter den Warlords stehen, oft unfreiwillig, und ganze Dörfer auslöschen um an Bodenschätze zu kommen. Heute in Rwanda ist der Hass derselbe und das Land wird eigentlich nur von Kagame unter Kontrolle gehalten. Überall in ganz Rwanda sieht man Militär und bewaffnete Polizei überall. Im Februar war eine einwöchige Gedenkveranstaltung , bei der wie jedes Jahr alle traumatisierten Rwander daran erinnert werden. Sie erzählte, dass reihenweise die Leute umfiehlen oder dachten sie wären wieder im Genozid und anfingen zu schreien. Zudem sind die Gedenkveranstaltungen für Holländer nicht freiwillig, die alle unter Kollektivschuld stehen und immer als Täter gesehen werden, obwohl sie auch große Opferzahlen zu beklagen hatten. Das hilft es nicht gerade den Hass entgegenzuwirken. Der Präsident ist Türke, fast das ganze Militär sind Türken und bis an die Zähne bewaffnet. Unter der Oberfläche brodelt dieses Land. Jeder einzelne Einwohner kann hat eine Geschichte zu erzählen. Nach dem Genozid jedoch hatte dieses kleine Land der tausend Hügel einen solch wirtschaftlichen Aufschwung wie kein anderes Ostafrikanisches Land.Ich hatte Filme über den Genozid gesehen, wo Ausschnitte aus Kigali waren und ich hab keinen einzigen wiedererkannt. In ganz Rwanda gibt es unglaublich viele Gedenkstätte, den kein Teil des Landes ist verschont geblieben.

David, Nicole und ich fuhren nach Kibuye, das im Westen am Ufer des Lake Kivu liegt, wo wir auch schwimmen waren. Ziemlich mulmig war mir schon bei dem Gedanken, wie viele Knochen am Grund liegen. Aber eine schöne Zeit hatten wir dort auf jeden Fall.

In Kigali zurück traf ich mich mit zwei anderen Freiwilligen, mit denen wir abends ausgingen. In Kigali gibt es das Bauhaus, ein alten deutschen Club, wo Bühnen aufgebaut sind, wo Rwander Playback Lieder oder Tänze aufführen. Ein extrem genialer Abend.

Morgens wanderten Julian, einen Ex Freiwilliger und ich auf den Mount Kigali, wo man eine fantastische Aussicht über Kigali hat und wo immer wieder Löcher im Boden waren. Diese hatten Sargform und waren mal als Friedhof nach dem Genozid gedacht. Danach verabschiedete ich mich und ging in das Kigali Memorial. Dort gibt es 3 Haupträume über den Völkermord. Einen, wie es dazu kam, einen der die Geschichte des Genozids erzählt und einen über die Nachwirkungen. Für den zweiten Raum brauchte ich drei Anläufe bis ich durch war, weil mir jedes mal wenn ich die Macheten, Bilder und Videos von der Abschlachtung, Leichen und Verwundeten so schwindelig und übel wurde, dass ich raus musste und mich erstmal wieder fassen. Dann gab es noch ein Raum, der voller Schädel und Knochen war und einen indem die Klamotten der Toten aufgehangen waren. Man konnte die Blutflecken noch deutlich sehen. Ein Raum mit Fotos der Opfer, die von überlebten Verwandten gebracht waren, dann im zweiten Stock ein Raum mit riesigen Bildern von Kleinkindern. Darunter eine Beschreibung mit Name, Alter, so Dinge wie Lieblingsbeschäftigung und etwas über das Kind. Und dann darunter: bei lebendigen Leibe verbrannt. Oder: von Macheten zerhackt und solche Dinge. Die Kinder waren teilweise nur ein Halbes Jahr als oder gerade Neugeborene. Daneben gab es noch eine Austellung über Genozide weltweit allgemein. Da erfuhr ich viel, wo ich aus meinem Geschichtsunterricht nie auch nur ein Wörtchen erfahren habe. Deutschland hatte z.B. eine Kolonie in Namibia, wo die Deutschen einen Genozid an den Herero verübten. Dann Viel über den Jugoslawienkrieg , ein Genozid in Kambodscha an den Vietnamesen. Dazu natürlich viel auch über den dritten Weltkrieg. Was mir aber fehlte waren die Genozide an den verschiedenen Indianergruppen in den USA. Aus dem Museum draußen waren die Grabstätten, viele mit Blumenkränzen darauf. Ein Grab war einsehbar. Unten lagen die Särge zusammen mit Fotos. Nach diesem Besuch war ich so fertig wie selten zuvor in meinem Leben. Ich lief ziemlich bleich die Straße entlang und es fiel mir schwer nicht in die Gesichter der über 20 Jährigen zu schauen und mich zu fragen, was sie erlebt haben. Am Busbahnhof bettelte mich dann auch eine sehr alte Frau an und ich kam echt nicht mehr darauf klar. Sie hatte nur noch eine Hand.

17Mai
2014

März: Mombasa und Umzug in die neue Einsatzstelle

Mit denen bin ich mehr oder weniger freiwillig auch in die Kirche gegangen, wo eine Mischung zwischen Tanzwettbewerb und Gottesdienst stattfand. Wir verabschiedeten uns früher, weil der Gottesdienst Teil den ganzen Tag weiterging. Erstmal an den Stand Mombasa Beach schwimmen und Henna malen.

 

Dann am nächsten Tag durch Mombasa wandern mit all den schönen Ecken.

 

Der Markt,

Kein Plan wie diese Früchte hießen, aber Geschmack war der Hammer! Und Fort Jesus, das von den Portugiesen gebaut wurde.

Mombasa wurde nämlich zuerst von den Arabern eingenommen, dann von den Portugiesen bis die Engländer dann übernahmen. Desegen ist die ganze Küste vom Essen her sehr viel würziger und muslimischer Geprägt und das Stadtbild leicht Mediterran aussehend.

Man sieht sehr viele Frauen in Bui Buis rumlaufen, was auf Swahili Spinne heißt.

Swahili hat sowieso extrem viele arabische Wörter in der Sprache an sich. Die Stuttgarter leben in einer Gastfamilie, die lustigerweise Luo ist, obwohl diese ethnische Gruppe am anderen Ende Kenias eigentlich lebt. Soweiso habe ich in Mombasa extrem viele Luos getroffen. Abends lief im Fernsehn Dirty Dancing. Zu dieser Zeit war aber Fasnet, was mich ein wenig ins Heimweh gestürtzt hat. Meine Familie kommt großteils aus Schramberg, einem kleinen Örtchen im Schwarzwald, wo die Tradition noch lebt und sich nicht in reines Saufen wie in Mitteldeutschland ausgeartet hat. Am nächsten Tag hab ich mich allein zum Strand aufgemacht weil die anderen in der Schule waren. Promt habe ich mich verlaufen. Als ich einen Typen nach dem Weg fragte meinte der er brauche meine Handynummer um mich dann wiederzutreffen. Neee, wir treffen uns bestimmt irgendwie anders mal. Hab keine Handynummer. Als ich dann am Strand war, ratet mal wer mich dann aber doch wiedertraf? Der Typ hieß übrigens David. Er zeigte mir dann Stellen, wo man trotz Ebbe schwimmen konnte und wir wanderten lange den Strand entlang, wo immer mehr Krabben waren.

Und die Flut schnitt uns den Weg ab, sodass wir einen anderen suchen mussten. Solange bekam ich richtig heftigen Sonnenbrand. David war ganz nett, vor allem nachdem ich die warum-ich-ihn-jetzt-nicht-liebe -Frage geklärt hatte. Er arbeitet ganz in der nähe von der Gastfamilie und zeigte mir auch seinen Arbeitsplatz. Dort gab es jede Menge Kokosnüsse. Kokosnüsse sind der Hammer! Und sie vom Baum zu holen sehr schwer. Ich habs auch probiert.

David nahm mich auch die Tage in seine Gegend mit, die wohl manche Leute auch als Slum bezeichnen würden. Am Strand informierte ich mich auch übers Tauchen, da ich seit ich 14 bin Scubadiving mache. Aber für ein Tauchgang reichte weder das Geld noch die Zeit. Ich wollte nach noch an die Schule. Das war eine Primary und ich malte Plakate zum Englisch lernen. In der Spielpause brachte ich dann den Kindern das Fliegerlied bei.

("give me your nicest smile!") 

Als ich es dann auf Swahili übersetzte sind die Kinder so abgegangen! Nina mkubwa, mkubwa, mkubwa, kama twiga! Ansonsten tauschten wir untereinander noch die ganzen Klassenkameradenskandalgeschichten aus, da wir ja echt fast alle Leute auf den Schulen Högy und Feg in Stuttgart kannten.

Am letzten Tag schnorchelte ich dann statt einem Tauchgang. Dort sah ich insgesamt 5 verschiedene Arten von Seeigeln, unteranderem eine Art die teilweise Basketballgroß war, sich richtig flink über den Meeresboden bewegte und wunderschön war. Mit blau-weißen leuchtflecken und Farbüberläufen von blau-rot-schwarz.

Zudem noch eine schwarz weiß gefleckte Muräne in voller Größe und zwei riesige rote Hummer, die einen Löwenfisch verdrückten. Dazu jede Menge Fische und viel zu viele Seeigel. Da Ebbe war wurde es immer knapper über sie drüber zu schwimmen. Wegen dieser Ebbe musste ich auch extrem weit raus schwimmen. Und holte mir einen mistigen Sonnenbrand an Bobatz und Oberschenkelunterseite. Zudem Blasen von den Flossen.

Am Strand traf ich noch einen Australier, der von einem Masai Krieger ungefragt und ungewollt Privatgottesdienst bekommen hat, weil er zugab, kein Christ zu sein. Schwerer Fehler, der muss sofort bekehrt werden!

Am Abend dann, der letzte, wollten wir ausgehen und ich holte dafür local brew mit David. Wir gingen nach Mtwapa wo es gute Musik gab und viele feierwütige Jugendliche. Aus Gründen, die ich nicht nennen möchte schief ich aber so um 2 im Auto ein. Um 4 wurde ich geweckt und beim Busbahnhof abgestzt, weil mein Bus um 6 ging. Zwei Stunden musste ich also dort warten. David wartete netterweise mit mir, doch schon bald wünschte ich mir er hätte das nicht getan. Der war nämlich strunz dicht und hatte unser warum-ich-ihn-jetzt-nicht-liebe-Gespräch vergessen und wir führten dieses dann wieder und zwar zwei Stunden, weil er alle paar Minuten anscheinend komplett vergessen hatte was ich gesagt habe. Ich wurde jedes mal genervter. Der Bus kam auch nicht. Irgendwann packte mich dann der Konduktor in einen anderen Bus. Als ich dort dann das Ticket erhielt stand da aber 1000 weniger drauf als ich bezahlt hatte. Ich ließ mein Zeug kurz bei David und ging mich beschweren. Der andere Konduktor ließ aber nicht mit sich reden, woraufhin ich mich beim neuen Konduktor auch beschwerte. Der gab mir immerhin 500 zurück. Im Bus wollte ich das dann verstauen aber mein Ipod und Geldbeutel waren weg. Klar wen ich da zuerst in Verdacht hatte. Der stritt jedoch wehement alles ab, sogar nachdem ich meinen Ipod aus seiner Hosentasche zog. Ich zog ihn aus dem Bus und machte heftig Drama, sodass sich eine Menschentraube um uns bildete und ein paar Männern ihn an allen entlegensten Körperstellen durchsuchten. Der Geldbeutel war jedoch unauffindbar und er beteuerte er liebe mich doch und könne niemals von mir stehlen. Ich musste wohl oder übel ohne Geldbeutel abfahren. Meine Eltern ließen meine Kreditkarte sperren aber trotzdem. Keine Kreditkarte mehr. Und David ruft seitdem immer noch bis Heute immer wieder an und wiederholt 20 mal das er nichts geklaut hat. Wir lieben uns doch! Ahja. Das wär mir neu. Ich weiß nicht was ich glauben soll.

Diese Busfahrt war die Hölle. 12h fuhr ich direkt nach Kisumu, einmal quer durchs Land. Die 500 gingen für Telefonkosten nach Deutschland drauf. Kein Essen, dazu Sonnenbrand am Arsch und meine Socken wuchsen in die Blasen rein. Nach Kisumu kamen wir auch nicht. Sondern nur bis Kericho. Scheiß Nachtfahrverbot. Als ob der Tag nicht schon miserabel genug war musste ich also noch die Nacht im Bus verbringen. Da lernte ich aber einen netten halb indischen, halb arabischen FW kennen, der mich zum Abendessen einlud. Er wuchs in Dubai auf und erzählte mir viel davon. Um 6 Uhr morgens ging es dann weiter nach Kisumu und um kurz vor 9 Km ich dann in Ugunja an.

Völlig erledigt komme ich also zum Haus. Jason nicht da aber stattdessen vor der Tür eine tote Ratte. Geil. Die Nachbarn meinten Pussy wollte sie unbedingt in meinem Haus verspeisen, aber da sie nicht reinkonnte wegen abgeschlossener Tür sah sie kein Sinn mehr darin sie zu essen und ließ sie da. Ich kickte sie die Veranda runter. Als ich die Tür aufmachte kam mir ein Geruch entgegen, dessen Ursprung die Küche und sonstige Essensreste waren. Ich war einen ganzen Monat weg und Jason hatte anscheinend da Haus vor einiger Zeit ohne jegliches aufräumen oder spülen verlassen. Das Waschbecken schaute mich aus tausend Augen an. Jason war nicht mal erreichbar.

Pussy schnappte sich die tote Ratte und sauste damit in Richtung Wohnung der Nachbarn. Der stand in der Tür und versuchte sie davon abzuhalten hineinzukommen, doch sie witschte einfach zwischen seinen Beinen hindurch am laut zeternden Nachbar vorbei, während ich mir den Arsch ablachte. Kaum hatte sie die Ratte in die Küche gebracht floh sie auch wieder hinaus. Mein Nachbar fegte schipfend die Ratte wieder hinaus und das ganze ging dann so ein paar mal. Ich nahm mein Zeug wieder mit und floh zu Leah, meiner besten Freundin. Jason kam am Tag später wieder. Er war auf den Mount Elgon gestiegen und das so spontan, dass er das Haus so hinterlassen musste. Nachdem das Haus wieder auf Vordermann war und ich nichtmehr sauer gings ans Haus ausräumen und Packen. Irene, eine ganz liebe Freundin von uns half.

Dazu gabs von Tembea eine Farewell Party. Mit Ziege, Fisch Ugali, Omlette und Sukuma verdammt geil. Da liegt man dann vom essen völlig erledigt da und kann sich nichtmehr bewegen.

Am 13ten März habe ich mich dann nach Kanaam aufgemacht. Kanaam liegt 25km von Kindubay entfernt direkt zwischen den Homahills und dem Ufer des Lake Viktoria. Beides in Laufweite. Mit Koffern und Pikki kam ich dann also bei der Jonyo Secondary School an, wo ich mein restliches Freiwilligen Dasein verbringen sollte. Dort wartete auch schon meine neue Mitbewohnerin, viele neugierige Lehrer und noch viel neugierigere Schüler, fast alle in meinem Alter. Meine neue Partnerorganisation ist KAFE, KAFE ist von Msc.Ing. Moses Ochieng Akuno, studierter Maschinenbauer, der nach seinem Master Studium in Deutschland an der TU Dresden in Bereich Entwicklungszusammenarbeit tätig ist und zurzeit als Projektkoordinator bei Akifra e.V. arbeitet.Er will für seinem Heimatdorf Kanam am Viktoria See-Kenia die Lebenssituation der Anwohnern verbessern und er ist ständig unterwegs um Verbindungen zwischen Deutschland und seinem Heimatdorf zu schaffen.Er betreuet deutsche Studierenden aus verschiedene Unis in Deutschland die Praktikumsstellen suchen und sucht Vernetzung mit deutsche Freiwilligenentsendenorganizationen wie solivol um seine Organisation voran zu treiben. Gerade fanden die Wettbewerbe in Netball (ähnlich wie Basketball, nur, dass der Ball nicht den Boden berühren darf), Fußball und Volleyball statt. Danach ging es zum Haus hoch. Und dieses Haus ist eigentlich eine Villa. Zur Vordertür raus hat man einen gigantischen Blick auf den See, zur Hintertür auf die Homahills.

Das Haus ist riesig mit piekfeinen Möbeln, Kühlschrank, Herd und sowieso fließend Wasser und Strom. Aber mein Zimmer ist das Gästezimmer und beinhaltet 3 Betten mit denen es völlig zugestellt ist. Und meine Mitbewohnerin ist in der Generation von meiner Mutter und hat vorher noch nie ein Fuß in Kenia gesetzt. Einen Hausangestellten gibt es auch, der kaum Englisch spricht. Deswegen spreche ich mit ihm eigentlich nur Swahili, was sie aber total störte. Wegen einiger Dinge kamen wir überhaupt nicht miteinander aus, weswegen ich beschloss in den Girls Dormetory auszuziehen. Sie war zwar nur für ein Monat da aber in einem Haus zu wohnen, wo man ein schlechtes Gewissen haben soll, wenn man nicht sofort den Abwasch erledigt und ja nicht die Füße aufs Sofa tun darf fällt es mir schwer mich wohlzufühlen. An der Schule gefällt es mir richtig gut. Ein nettes Kollegium, von den Schülern bekomme ich immerhin das Gefühl übermittelt ernstgenommen zu werden und auch sehr viel mehr zu tun als in Tembea. Vor allem, weil Exams waren und deshalb die Lehrer mit korrigieren zu tun hatten und die Schüler viel Zeit für Workshops hatten.

 

Und viele Fragen, wie z.B. ob Krebs sexuell übertragbar ist. Ich musste sowieso erstmal viel Aufklärungsunterricht machen. Dann viel über Themen wie HIV, Family planning, Umwelt, dann viel über Entwicklungshilfe, dass der Westen nicht das Paradies auf Erden und alle Weißen stinkreich usw. sind und das es in Deutschland auch Kriminalität, teenager Schwangerschaften, Gefängnisse, HIV und Obdachlose gibt. Dann habe ich noch angefangen Listen auszuhängen für Projekte wie Debating Club, Kunstunterricht, Deutschunterricht, Musikgruppen und Sport. Für die Interessierten halt. Am Anfang waren die Schüler noch sehr scheu und zurückhalten und es artete in Vorträge aus aber nach und nach stellten sie immer mehr Fragen. Auch bin ich weniger Lehrer als eher Ansprechperson oder Tutor oder so. Trotzdem werde ich mit „Madam“ angesprochen.

Dann ist es noch so, dass die Prügelstrafe in Kenia gang und gebe ist. Und das nicht deshalb, weil es in der afrikanischen Kultur halt so ist, sondern weil die Kolonialisten das eingeführt haben und die Kenianer so behandelt haben. Und es als Fortschritt und Entwicklung bezeichneten. Ich verstand mich mit Claudia immer besser seit ich ausgezogen bin und wir nichtmehr aufeinander saßen. Und so nahmen wir uns gemeinsam so die Lehrer einzeln vor und redeten mit ihnen darüber. Viele waren sehr interessiert an Alternativen und erstaunt, dass es in fast allen westlichen Ländern abgeschafft wurde und als altmodisch und verpöhnt gilt und sogar per Gesetz geahndet wird. In Kenia ist es per Gesetz eigentlich auch verboten aber Lehrer die nicht Schlagen werden nicht ernstgenommen. Weder von Schülern noch Eltern oder gar anderen Lehrern. Aber es sei schon auf dem Weg der Besserung.

Ansonsten habe ich des Öfteren die Homahills bestiegen. Die sind aber leider völlig bewachen von den von mir getauften Bastard-Büschen. Mannshohe, dorninge, alles zuwucherde, blöde Büsche. Bei meinem ersten Versuch auf die Berge hochzukommen endete damit, das ich irgendwo in dieser Buschlandschaft aufgab und fluchend teilweise auf allen Vieren mir versuchte einen Weg zurückzubahnen. Ich habe aber ein paar Freunde gefunden, die sich dort so gut auskennen, wie in ihrer Westentasche und es gibt Wege zum Gipfel.

An der Schule schloss ich mich immer wenn ich Zeit habe dem Volleyball, Fußball oder Netball Team der Schule an.

Einmal ging es sogar Lehrer gegen Schüler beim Fußball. Aber natürlich suchten sich die Lehrer als Gegner die jüngsten Mädels aus und gewannen 1:0. Ich wohne mit 3 anderen Mädels in einem Seitenraum des Girls Dormetory und Abends zelebrieren wir oft unsere geheimen Dance Partys. Geheim deshalb, weil wir eigentlich keine Musik spielen dürfen und deshalb in ganz geringer Lautstärke und nur wenn die Luft rein ist abschaken. Oft kommen dann immer mehr Mädels dazu, der kleine Raum wird immer voller und wärmer…

Zudem Male ich sehr viel und verkaufe die Bilder über Jason in den USA. Der ist Ende März auch zurückgeflogen. Ansonsten nehme ich auch manchmal in den Kiswahili Stunden teil und versuche fließend zu werden, was auch immer besser klappt. Hier ist volle Regenzeit die irgendwie kaum mehr aufhören mag. Einmal verlor ich auf dem weg zum Lädchen Abends mein Taschenrechner alias Handy. Im Strömenden Regen suchten zwei nette Schüler, ein Lehrer, der hier mein bester Freund ist und ich danach. Auf halber Strecke zum See klingelte es bzw. blubberte es aus einer Pfütze. Dieser Taschenrechner ist unglaublich.

16Mai
2014

Rest Januar und Februar: Sansibar Festival, Tansania und Mombasa

Ohje nach einem viertel Jahr komme ich nun endlich wieder zum schreiben…hat viele Gründe. Also erstens mir geht’s prima, ich hatte nur sau viel um die Ohren. Erstens bin ich wieder nach Tansania gereist zum Zwischenseminar, wo ich dann endlich die Organisation wechseln durfte. Wie ihr vielleicht gemerkt habt hatte ich dort nichts zu tun, nachdem das Education for Childrens in Needs Projekt nicht geklappt hat. Dann gab es noch einige andere Probleme mit Tembea, über die ich aber nicht öffentlich schreiben will. Jedenfalls wurde mir in aussicht gestellt an eine Schule gehen zu können, was aber wegen Visa und Abklärungsgeschichten ein bisschen dauern würde.

Die Zeit verbrachte ich in Mombasa. Dann der Umzug nach Obongo Kanaam, was in der nähe von Homabay liegt, zwei Wochen arbeiten mit den Schülern und dann hat die Schule auch schonwieder dicht gemacht wegen Ferien. Also habe ich eine Rundreise um den Lake Viktoria gemacht bis nach Rwanda rein.

Jetzt bin ich wieder da und trete mich so gewaltig in den Hintern wie ich nur kann um euch auf den neusten stand zu bringen. An der Schule gibt es übrigens kein Strom, weswegen ich dann immer zu den Haus hochgehen muss, in das ich eigentlich einquartiert wurde. Dazu aber später mehr. So das war die Kurzzusammenfassung. Die ganzen Geschichten kommen in den nächsten paar Blogeinträgen. Ich gehe dabei monateweise vor um den riesigen Erzählstau zu bewältigen.

Rest Januar:

Da war ich im Office und habe nach Arbeit gesucht. Also hab ich mal bei der Treenursery mitgeholfen und ansonsten meine Reise zum Zwischenseminar geplant, da ich davor noch ein Abstecher nach Sansibar machen wollte. Dazu noch Fundraising für Solivol und Dinge wie Belegwesen und Flug umbuchen. Ich bin am 15 August wieder da. Nach der Arbeit machten wir so Dinge wie Pizza backen, wovon ich noch am Tag später Magenprobleme hatte. Ich hab ja keinen Ofen, sondern mir dieses Ding aus Sand und zwei Töpfen gebastelt.

Wir hatten für die Pizza extra so etwas wie Würstchen aus Kisumu mitgenommen. Betonung liegt auf „so etwas“ wie Würstchen. Am Tag später waren die noch übrig und wurden nicht besser. Da kommt dann das tolle Zitat von Jason:“ Pussy! (Name der Nachbarskatze) I got a wiener for you!“ Er hats erst gerafft als ich in schallendes Gelächter ausbrach.

Wochenends nahmen wir uns vor endlich mal die Berge in der Gegend zu erklimmen, wofür wir dann auch Nachmittags aufbrachen weil ein gewisser Herr die schlaue Idee hatte sich nach zuviel Bier Instantnudels Nachts zu machen und es ihm dann garnichtmehr gutging. Aber mit etwas Sonnenbrand haben wir es dann auf einen der Bergchen raufgeschafft und tauften ihn Burpsnartmountain. Das kommt aus einem Film, wo der Protagonist seltsame Geräusche von sich gibt und dann meint, er hätte gleichzeitig naja.. halt gerülpst, gepupst und genießt. Wir fandens urkomisch.

Bis zu meiner Abreise am 6ten Februar haben wir eigentlich nur allerhand Blödsinn gemacht.

mein Lieblingsbild von mir!

Dann mein Versuch nach Nairobi zu kommen und noch viel schlimmer mein Versuch nach Dar es Salaam zu kommen: Nach Nairobi hab ich den langsamsten Bus in ganz Kenia erwischt und hab vergessen vorher Geld abzuheben. Deswegen saß ich dann hungernd im Bus mitsamt Kindergeschrei, flatternden, stinkenden Hühnern und zu wenig Platz. Immerhin hab ich es am selben Tag nach Nairobi geschafft. Ich bin extra ein paar Tage früher los, als notwendig, weil ich versichert bekommen habe, das mein Workpermit fertig ist und nurnoch unterschrieben und abgeholt werden müsse. Natürlich Pustekuchen. Er wäre noch im letzten Meeting, wo kein Plan wer noch unterschreiben müsse. Montag dann. Montag war er in dem Letzten Meeting doch nicht drangekommen, weil er zu weit unten im Stapel lag. Morgen dann. Klar. Und das erfährt man wie üblich nach 2h warten. Das Problem daran war, dass ich den brauchte weil ich für das Sansibar Sauti za Busara Festival mir nicht ganz so teure african Resident Tickets geholt hab. Und ohne Worpermit bin ich kein african Resident.

Dienstag buchte ich dann mein Ticket nach Dar es Salaam und traf mich mit einem italienischen Freiwilligen im italienischen Restaurant Nairobis auf einen Kaffee. Er arbeitet mit den Straßenkindern Nairobis. Er erzählte mir er versucht die Kinder in die Don Bosco Einrichtung zu bringen, wo sie eine Schulbildung erhalten und Verwandte aufgesucht und überzeugt werden, die Kinder zu unterstützen. Leider klappt das nicht oft, da die Straßenkindern meistens von einem Netzwerk drin sind, wo eine Shushu (Kikuyu für Oma…also eine Frau die so eine Rolle übernimmt) sie ausbeutet, indem sie die Betteleinnahmen einbehält und ihnen dafür Essen gibt. Und Klebstoff, nachdem sie süchtig sind. Der Klebstoff zerstört die Nervenzellen des Gehirns, weswegen sie selbst wenn sie in der Schule sind, ganz schlecht lernen können. Ich hab ihn auch gefragt was mit den Straßenkindern passiert, wenn sie Erwachsen werden, da ich nur welche gesehen habe bis ungefähr 18 Jahre alt. Er meinte entweder Bettler, Wanderarbeiter oder sie sterben. Wir sind dann auch in eine Gegend gelaufen, ein paar Minuten außerhalb Downtowns, wo gleich 20 Straßenkinder uns gleich nach Geld anbettelten. Der Italiener machte mit ihnen den Deal alle Kleberflaschen einzubehalten und ihnen dafür dann ein Mittagessen zu kaufen. Sie stellten sich in eine Reihe auf und wurden von ihm von Oben bis Unten durchsucht. Dann holten wir ihnen Pommes mit Kebab. Ein Kind hatte aber noch eine Zweite Flasche versteckt und hielt sie uns triumpfierend unter die Nase und rannte dann mit Kleber und Essen weg. Der Italiener hinterher und kriegte ihn. Das Kind kam daraufhin ziemlich sauer wieder an und forderte den Kleber im Austausch gegen das Essen wieder zurück. Do weit reichte die Sucht dann aber doch nicht. Ich war aber nach dieser Begegnung mit den Kindern etwas schockiert. Teilweise waren sie von diesem Klebstoff so high und betrunken, das sie sich kaum artikulieren konnten und sich benahmen wie Leute, die gerade aus einer Narkose aufgewacht sind. Und das mit 7 Jahren. Allgemein in Kenia sind Straßenkinder nur auszumachen an dem Kleber und diesem Benehmen. Kinder in Kenia laufen nämlich allgemein oft dreckig und zerlumpt rum. Oft betteln sie einen auch so an, weil das mehr Geld einbringt als in die Schule zu gehen. Auf dem Rückweg zum Bus nach Ngong lag ein Straßenkind wie Tot mitten in Downtown auf dem Tob Mboya Platz wo immer sehr viele Leute sitzen. Der Italiener ging zu dem Kind hin und fühlte seien Puls. Sofort bildete sich eine Menschentraube um uns herum. Er wurde richtig sauer, dass alle nur zum gucken kamen wenn der Muzungu sich um das Kind kümmert und alle anderen es bisher ignoriert hatten. Das Kind schlief aber nur. Später kam ein Kenianer auf uns zu und meinte was wir doch für tolle Christen sein, dass wir uns um das Kind kümmern. Da ist dem Italiener dann endgültig der Kragen geplatzt. Ich hab nirgends so viele so extrem gläubige Menschen erlebt wie in Kenia und trotzdem ist man oft nur Christ wenn es um beten und in die Kirche gehen geht. Aktiv helfen geht leider nicht so oft über die eigene Verwandtschaft hinaus. Und das man Christ seien muss um hilfsbereit zu sein verstehe ich auch nicht.

Mein Workpermit hatte ich aufgegeben, da er erst wieder in einer Woche bearbeitet werden wüde, und damit wär das Festival rum. Am nächsten Morgen stand ich um halb 5 auf um den Bus nach Dar es Salaam zu nehmen. Junior, Yusufs Sohn begleitete mich. Auf dem Weg in die Stadt zum Busbahnhof standen wir aber im Stau. Als es endlich weiterging sah ich auch warum. Ein Kind lag überfahren auf der Straße. Das war die erste Leiche, die ich in meinem Leben gesehen habe. Und zwar ziemlich im Detail leider da ich am Fenster saß. Auf der Straße um es herum waren nur ein paar Äste gelegt, damit die Autos drumrum fuhren und man wartete allgemein auf die Polizei. Deswegen kam ich 5 min zu spät zum Bus, der ganz untypisch für kenianische Verhältnisse pünktlich losgefahren ist. Mir wurde gesagt, ich könnte ihn noch kriegen, indem ich zur Tankstelle fuhr, wo er hält. Leider tat er das an diesem Tag nicht. Zurück im Busoffice wurde mir dann gesagt, dass sie keine Verantwortung übernehmen wenn man den Bus verpasst hat und das Ticket auch nicht auf den nächsten Tag ausstellen, geschweige denn das Geld zurückzahlen. Das waren aber umgerechnet 30 Euro. Ich gab echt alles, sie zu überreden, mich einfach doch am nächsten Tag mitfahren zu lassen. Ich musste echt volles Drama auffahren und hab sogar auf die Tränendrüse gedrückt. Ich tat sogar Junior leid. Der Konduktor wurde alles so unangenehm, dass er den Fahrer per Telefon überredete, meinen Sitz weiterzuverkaufen, was dieser auch tat. Mit ein bisschen Aufpreis konnte ich dann am Tag später mitfahren. An dem Tag verlor ich noch meinen Schaal und war absolut fertig von soviel Pech.

Nächster Versuch klappte dann aber und ich saß meine 16h im Bus nach Dar ab. Dort traf ich mich mit einem Rotes Kreuz FW, bei dem ich auch pennen durfte und der auch am nächsten Tag auf das Festival fuhr. Morgens stellte ich fest, dass die Hunde meine Schuhe halber aufgefressen hatten. In der Stadt versuchte ich noch eine tansanische Sim karte für mein Handy zu bekommen, was aber wegen eines seltsamen Netz Codes nicht funktionierte. Wegen soviel Pech traute ich mich nicht auf das Angebot eines Fährenkonduktors einzugehen, der mir ein Tansanisches Workpermit fälschen wollte, zu dem ich dann für den tansanischen Residentprice nach Sansibar kommen würde. Völlig überteuert fuhr ich dann halt normal mit. Auf der Fähre lernte ich noch die anderen FW kennen. Übrigens war an dem Tag Valentinstag. Sagen wir mal ich wurde vom Indischen Ozean geküsst. Egal. Valentinstage sind sowieso scheiße.

Mit den anderen FW quartierten wir uns ins günstigste Hotel ein. Dann hatte ich natürlich noch das Ticket Problem. Ich lieh mir von einer FW den Pass und Workpermit aus. Da sie auch Braune Haare hatte ging das ohne Probleme und ich musste keine 100 Dollar Muzungu Preis blechen. Das Festival fand im alten Fort open Air statt und war extrem cool mit Bands aus ganz Afrika aber viel zuvielen Wazungus im Puplikum.

So viele hab ich nichtmehr seit meiner Abreise aus Deutschland gesehen. Draußen waren riesige Buffets aufegbaut mit Fisch, Hummer, Oktopus und allem möglichen anderen Zeug. Natürlich alles überteuert aber verdammt lecker.

Die Abende verbrachten wir dann im Fort bei guter Musik die mal mehr Reggae, mal fast Indisch, mal eher Arabisch und manchmal sehr Traditionell war.

Tagsüber erkundeten wir Stonetown, das aus so vielen wunderschönen verwinkelten Gässchen besteht, mit Großen Holztüren, die mit Spießen verziert sind. Ein Einheimischer erklärte das sei Traditionell für Abwehr von wilden Tieren.

In den indischen Ozean musste ich natürlich auch zuerst hüpfen. Der ist unglaublich salzig, sodass man sich eigentlich einfach aufs Wasser legen kann.

Auf dem Markt gab es mega viele tolle Schlabberhosen, für die ich eine kleine Sucht entwickelt habe. Ein Henna Tatoo hab ich mir auch machen lassen und gleich ein Fläschen Hennapulver gekauft zum selbermalen. Man baechte hier den ziemlich geringen Hautfarbenunterschied!

 

An einem Nachmittag habe ich mich mal auf die suche nach günstigen Essen gegeben und mich dabei komplett in Stonetown verlaufen.

Ein netter Junge half mir rauszufinden und dabei habe ich eine Mamaküche gefunden, wo es eine Art sehr wrzige Suppe mit Fischklößen und allem möglichen anderen Zeug drin gab. Am Hafen, wo wir aßen sah ich dann mein Traumhaus.

Was mich an Sansibar etwas gestört hat, war das ständige Muzungu hunting und andauernd mit Jambo angesprochen zu werden. Zudem die ganzen Pseudorastafaris.

Einmal unterhielt ich mich mit einem Kerl länger, der mich als anmache dann bat ihm Englisch Unterricht zu geben. Klar. Nur 50 Dollar die Stunde. Am letzten Tag rafften wir uns zum Sonnenaufgangsbaden auf um dann um 9 die Fähre zurückzunehmen. In Dar nahm ich dann den Bus nach Arusha im Norden Tansanias, wo in der Nähe das Zwischenseminar stattfand. Dort traf ich auch meine Chefs. Ich musste aber erstmal ins Krankenhaus wegen einer Auginfektion, die nicht schön aussah und mich zwang selbst im dunkeln beim Abendessen auf dem Seminar Sonnenbrille zu tragen.

Dann beim Einzelgespräch konnte ich mich zwischen der Einsatzstelle Mageta bei einer anderen Umweltorga entscheiden oder für die Jonyo Secondary School. Ich wollte etwas ganz neues ausprobieren und von den anderen FW Lehrern hab ich viel positives über Schuleinsatzstellen gehört. Trotzdem hatte ich einige Zweifel, da eine Secondary Schüler von 13 bis 20 Jahren hat und ich vorher noch nie unterrichtet habe.

Impressionen vom Zwischenseminar.

Nach der Woche Seminar schaute ich noch in Moshi vorbei, bei anderen Rot Kreuz FW. Da sah ich dann zum ersten mal den Kilimanjaro bis zum Gipfel.

Und ich schaute bei meinen Künstlern vorbei, bei denen ich damals gemalt hatte. Mit einem fuhr ich am nächsten Tag zu den Hotsprings. Als ich morgens vom FW Haus losging lief mir aber der Hund nach. Da die FW erzählten wie er das schon öfters gemacht hätte und immer wieder nachhause finde, dachte ich mir nichts dabei, als wir mit dem Motorrad dann einfach wegfuhren. Die Hotsprings sind ein kleines Paradies. Also wirklich so, wie ich mir das Paradies immer vorgestellt hab. Mit Schwingseil. Aber es gab so Putzerfische, die einen anknabberten. Oder in den Arsch bissen.

Als wir Abends wieder ankamen, war der Hund immer noch nicht zurück. Das ganze artete zu einer richtigen Schnitzeljagd aus, da man den Hund immer irgendwo hin laufen gesehen hat durch die ganze Stadt. Vor allem bei den Nyama Choma Ständen. Fleischspieße und so. Die ganze Zeit dachte man, man ist ihn gleich auf den Fersen und im ganzen leifen wir 2h durch die Stadt bis wir aufgaben. Beim Bier am Spätabend war er dann plötzlich wieder da. Obwohl wir von genervten Verkäufern teilweise versichert bekommen haben, er wurde überfahren.

Dann fuhr ich nach Nairobi zurück. Im Bus saß ein Typ aus Griechenland, der ungefähr so gut Englisch konnte wie ich Spanisch. Swahili gar nicht. Er war mit einem Tansanier unterwegs, der so gut Griechisch konnte wie ich Französisch (ich kann kaum noch was). Ich frage mich ernsthaft wie der überlebt… aber nett waren sie und warteten mit mir in Nairobi auf Jason. Der hatte ein Hotel organisiert das irgendwie von einer katholischen Kirche geleitet wurde, sodass man das Bier verstecken musste. Ich machte mich Morgens dann früh auf um einen Bus nach Mombasa zu finden. Mit Chefchen wollte ich mich auch noch treffen wegen Visa Geschichten und mit einer kenianischen Freundin auch. Ein Bus hab ich nicht bekommen aber eine sehr viel coolere Alternative. Den seit Kolonialzeiten existierende und nicht mehr restaurierte Zug. Also exakt derselbe seit über 100 Jahren. Voll Retro und so! aber zuerst mal Visa: mein Workpermit war wirklich fertig. Aber der war für Tembea Youth Center und nicht für Jonyo Secondary School. Und da es in der Vergangenheit schon so viel knatsch wegen Visa zwischen Weltwärts und dem kenianischen Immigration gab, das sogar die FW Entsendung nach Kenia jetzt eingestellt wurde kann man keine nicht ganz koscheren Dinge mehr machen. Also neuer Workpermit und alles von vorn. Aber es gibt ein Schlupfloch! Und zwar ist der volle Name der Schule St. Innocent Jonyo Secondary School. Also kirchlich! Damit kann ich ein Missionary Visa beantragen, was unmengen weniger kostet und sehr viel schneller zu kriegen ist. Angeblich. Jeder der meine religiöse Einstellung kennt wird sich wahrscheinlich kaputtlachen, das ausgerechnet ich jetzt offiziell Missionarin bin. Egal weiter zum Zug. Der ist genial! Allein auf dem Ticketstellenschild steht groß und fett FAHRKARTEN.

Auf dem Weg zum Zug kaufte ich noch bei Nakumatt ein und sah darin zwei sehr seltsame junge Wazungus. Zuerst dachte ich sogar sie wären Albinos, so weiß waren sie. Der Eindruck wurde noch verstärkt dadurch, das sie fast keine Haare auf dem Kopf hatten. Am Bahnhof sah ich sie dann wieder und stellte fest, dass sie Deutsche waren. Krebs oder Bundeswehr?

Sie erzählten mir daraufhin, dass sie sich gedacht haben, joar in Kenia da ises warm, deswegen mal ein Kurzhaarschnitt. Der Vater packte den Rasierer raus, der aber ein wenig zu kurz eingestellt war und einmal Wrrrrrruuuuuum quer über den Kopf. Tya jetzt siehts so aber arg bescheuert aus, jetzt muss alles ab. Und weil ich so bescheuert aussehe musst dus auch machen! Deswegen standen sie mit Glatze vor mit. Und so weiß waren sie, weil sie gerade an diesem Tag gelandet waren und in Deutschland Winter ist. Hätte ich fast vergessen. Sie wussten noch nicht mal was Muzungu heißt. Sie waren von einer Vermittlungsorga ohne jegliche Vorbereitung aber mit horrenten Vermittlungsgebühren und keiner Kostenübernahme für 3 Wochen nach Tansania an eine Schule entsendet worden. 3 Wochen. Ich entsinne mich an meine ersten 3 Wochen und sehen absolut kein Sinn in dieser Art Entwicklungshilfe. BITTE! Wenn ihr wenig Zeit habt, aber trotzdem ins Ausland entsendet werden wollt, macht auf gar keinen Fall so ein Müll und fallt auf diese „wir retten Afrika in 3 Wochen Entwicklungsdienste“ rein! 3 Wochen ist eig nur Urlaub. Vor allem in Tansania an einer Schule zu arbeitet ohne Swahilikentnisse ist kompletter Schwachsinn! Dann fragt lieber mich und ich vermittel euch ohne Gebühren an was, wo 3 Wochen mehr Sinn machen. Ich gab mein bestes also im Zug für sie ein Überlebensvokabular zusammen zu stellen und ihnen das nötigste auf den Weg zu geben. In Nairobi hätten sie fast eine Slum safari gemacht. Für 70 Dollar. Etwas bescheuertes gibt es in meinen Augen nicht. Die Slumbewohner wie im Zoo zu beobachten und schön viele Fotos mit dem Ipad zu machen. Als wären es Tiere. „Slum“ ist sowieso ein Begriff bei dem ich abkotzen könnte. In Kibera zb sieht es nicht so arg anders aus wie in jedem kenianischen Vorstädchen. Wellblechhütten, Lehmhäuschen, keine geteerten Straßen, arme Leute. Trotzdem wird es als Slum betitelt. Es ist ein bisschen größer und enger als ein normales Städtchen aber trotzdem. Ich kenne viele ganz normale Leute die da wohnen, sogar Wazungus. Das machen sie einfach nur, weil die Miete günstig ist. Da gibt’s teilweise sogar Strom ja? Ich war in Kibera einfach umsonst. Da gibt’s keine Parkeintrittspforten. Was aber stimmt, ist, dass es dort halt viele Gangs gibt und keine Security. Aber solange man kein Dieb ist, ist man sicherer als im reichenviertel, weil es viel Selbstjustiz gibt, wo die Räuber und Diebe gelüncht werden. Egal, ich bin eigentlich beim Zug. Mit dem fuhr man auch ein Stück durch Kibera. Da sollte man dann nicht mit der XXL Canon am Fenster stehen. Der fährt so langsam, das da ohne Probleme Leute am Zug hochklettern können und sich die Dinge schnappen. Wir fuhren über Nacht und abends wurden die Betten runtergeklappt und Baumwollschlafsäcke gebracht mit Laken und Kissen und allem Drum und Dran. Dabei war ich in der zweiten Klasse.

Ich teilte mir ein Zimmer mit zwei Japanern und einer Neuseeländerin, die Acroyoga macht und als Clown in Krankenhäuser auf der Kinderstation arbeitet. Acroyoga ist Akrobatisches Yoga. Sieht cool aus, sie hat mir Bilder gezeigt. Und in vielen Krankenhäusern sind viele Kinder, die großflächige schwere Verbrennungen haben wegen den Herdfeuern, und die teilweise komplett bandagiert sind, sich nicht bewegen können und keinen Besuch bekommen. Und das mit grade mal einem Jahr oder so. mit den beiden Japanern habe ich mich auch viel unterhalten. Der Mann arbeitet in Kenia und beide versuchen dadurch ihr Englisch aufzubessern. Sie erzählten mir viel über Japan und wie sie es nicht leiden können als Chinesen bezeichnet zu werden. Durch meinen Kunstunterricht mit Tadao Ando hatte ich schon einiges an Vorwissen über Japan und das wird auch bald ein Reiseziel.

 

Im Nebenzimmer war noch ein Typ aus Quebec. Mein Französisch war aber so tief vergraben, dass echt sowas wie „nili oubier beaucop.“ Rauskam..also halb Swahili, wenig Franzöisch. Dann noch eine Gruppe Belgier usw. Ich musste echt nach Kenianern suchen. Beim Frühstücken traf ich dann auch welche. Sie meinten, weil der Zug so lange Braucht und etwas teurer als der Bus ist, machen das nur noch wenig Kenianer. Der Zug ist aber wunderschön und fährt direkt durch den Ambosleli Nationalpark. So sah ich vom Fenster aus eine Gruppe Vogelstäuße und eine Herde Elefanten. Von denen hab ich leider keine Fotos, da die Kamera da grad nicht am Start war.

Statt um 10 Uhr morgens kamen wir aber um 3 Uhr Nachmittags an.

Ich ging mit den deutschen und dem Canadier dann an den Strand wo sie das erste mal Ugali aßen. Kurz reingehüpft, dann wurde es auch schon dunkel. Wir verabschiedeten uns und ich traf mich mit Klara, eine alte Klassenkameradin. Irgendwie wird es einem hier immer wieder bewusst, dass man so viele Leute trifft, wo man genau weiß, sie kommen von so weit her und man wird sich trotzdem nie wieder im Leben sehen. Aber manche trifft man in den entlegensten Ecken wieder, obwohl man im selben Örtchen aufgewachsen ist. Klara war da mit Marie und Emil, die auf eine Partnerschule gingen und mit denen ich zusammen Reli und Astronomie hatte. Die waren für 3 Monate auf mehr oder weniger eigene Faust in Mombasa und arbeiteten an einer Schule, die deutsche Familienfreunde mit aufgebaut haben.

29Januar
2014

Die dicksten Stripperinnen Nairobis, Schaumige Wasserfälle, Ox Balls, Golf Spielen, Hells Gate,Kühe reiten, die Nacht mit Hyänen, Malaria und ich am Drama machen!

Nachdem ich mit dem letzten Blogeintrag fertig wurde, wollte ich eigentlich nach Kisumu fahren. Als ich dann aber am Stage (Stelle wo die Matatus etc halten) ankam war alles leer. Völlig unnormal! Da fiehl mir das neue Nachtfahrverbot ein. Wegen vermehrten Unfällen in Kenia hat die Regierung beschlossen, anstatt die Polizei mal enkorruptionieren, damit die nicht die ganzen Schrottmühlen abkassieren anstatt sie aus dem Verkehr zu ziehen oder die Straßen aufzubessern, einfach alle Fahrzeuge, die nach 9 Uhr in eine Kontrolle geraten richtig abzukassieren. Deshalb fuhr nix mehr.

Ich bin dann mit einem Nachbar und Arbeitskollegen Viktor in die Kneipe, wo man immer mehr oder weniger nette Leute kennenlernt. So auch ein etwas älteren Typ der mich zulaberte und irgendwann mir seine Liebe gestand. Das war dann der Zeitpunkt für mich zu gehen. Heiratsanträge von Typen, die Kinder in meinem Alter haben… ich sollte aufhören mich immer zu fragen was die sich eigentlich denken.

Wegen dem Nachtfahrverbot wurden die Busse auch dementschprechend voller und Sitzplätze kann man vielleicht 3 Wochen vorher noch bekommen. Trotzdem versuchte ich mein Glück morgens nach Kisumu zu kommen und siehe da, da steht ein Bus nach Nairobi mit freien Sitzplätzen. Cool, nehm ich!

In Nairobi erstmal nach Ngong und dort Yusuf und seine Familie getroffen. Ich hatte schon seit längerem geplant mit Riziki, einer Freundin aus Nairobi mal auszugehen und so gingen wir mit Junior, Yusufs jüngstem Sohn, den ich seit 14 Jahren kenne nach Downtown rein. Und da ich noch nie in meinem Leben in einem Stripclub war musste ich das natürlich mal ausprobieren. Es war kaum was los und die Stripperinnen tanzten nur ein bisschen schlechten Pole und waren komplett übergewichtig. Ich hatte manchmal Sorgen um die Stange. Und die einzige Weiße war ich auch. Weiße haben ja Geld in Überfluss und ich glaub sie dachten ich sei Lesbisch, weswegen ich etwas fokussiert wurde. Antörnen konnten sie mich beim besten Willen nicht aber ich hab mich köstlich amüsiert und Junior saß da mit dem breitesten Grinsen ever. Natürlich verbrachten wir aber den größten Teil des Abends eher in normalen Clubs. Riziki giggelte die ganze Zeit etwas von wir sind soooo nüchtern, als wir an der Polizei vorbeitorkelten. Junior kaufte ein Bündel Miraa, das sind Stengel einer Pflanze, die aber so fürchterlich schmeckten, dass wir es eigentlich nur mit uns rumschleppten. Damit durfte man aber nicht in Clubs rein, weswegen wir echt grübelten, wo man es am besten verstecken konnte. Juniors Kapuze klappte wunderbar. Bei Juniors Bruder im Haus pennte ich dann auf dem Boden.

Am nächsten Morgen mussten wir in die Kirche. Und bei der Lautstärke in der der Pfarrer einem das Wort Gottes um die Ohren schmettert brauchte man eigentlich kein Kater um davon Kopfweh zu bekommen. Aber da wir eh ne Stunde zu spät kamen gings zum Glück nicht so lange. Ich wollte ja noch nach Thika, einem Ort nördlich von Nairobi, um den FW Andreas zu besuchen. Da ich dank Kirche nicht gerade in bester Laune war ignorierte ich alle Pikki und Boda (Motorrad und Fahhradtaxis) Fahrer die einen die ganze Zeit mit „Hi, how are you?“ nerven. Einer von denen hörte aber echt nicht auf im 2 sec. Takt immer „Hi!“ zu rufen. 10 Minuten lang. Wie ein Wecker. Nicht mal der Todesblick hat funktioniert.

Andreas holte mich ab und wir fuhren dann zu seinem Dorf, wo er in einer Mission mit Waisen und Krankenhaus arbeitet. Erstmal Schlaf nachholen und am nächsten Tag dann früh los mit einem von den etwas älteren Kiddies, Ken, mit dem wir zum Nationalpark stiefelten. Unterwegs fanden wir ein Chamäleon. Ein echt großen. Natürlich haben wirs mitgenommen. Aber es war kein vergleich zu Frank. Völlig unhöflich und aggressiv. Fing sofort an zu fauchen wenn man es anfasste und konnte nicht still auf der Schulter sitzenbleiben. Damit tigerten wir zu dem Nationalpark, wo theoretisch jede Menge Büffel drin sein sollten. Dort angekommen wollten die aber 30 Dollar Eintritt. Selbst im besten Kiswahili wollten die uns nicht abkaufen, dass wir Residentes sind und natürlich nur die Resident Card vergessen haben (die wir nicht haben). Nach endlosem rumdiskutieren wurden wir zum Boss geschickt, der uns das ganze mit keine Resident Card- kein Resident Price nochmals erklären wollte. Als wir in den Raum reinkamen flohen schon mal die ersten Ranger vor unserem Chamäleon, welchen anfing über den Tisch zu krabbeln und den Vorhang hochkletterte. Wir diskutierten draußen dann auf Deutsch was wir machen können, als der Boss das Chamäleon auf seinem Stock raustransportierte. Er erschreckte damit wieder die Ranger die sich grad beruhigt haben. Der Typ schrie auf wie ein kleines Mädchen und rannte erstmal 20m weit um ihn dann auf Swahili zu beschimpfen. Die Sekretärin tat dasselbe und wir lachten uns den Arsch ab.

Chamäleon wieder mitgenommen gingen wir also wieder zurück. 30 Dollar für ein paar poplige Büffel. Nö. Unterwegs suchten wir noch nach einem Namen für das Mistviech. Wir einigten uns auf Kevin Oviraptor. Der wurde aber so hyperaktiv, dass wir ihn in den Rucksack packen mussten. Wir waren genauer gesagt auf dem Weg zu den 14 Falls, der auch Nationalpark ist aber Schleichwege hat, wo man sich den Eintritt sparen kann. Dafür würde ich auch keinen Cent ausgeben, weil diese Wasserfälle einfach so unglaublich verschmutzt sind. Grau-grün-schwarze Brühe, die sich Wasser nennt und fürchterlich stinkt. Die Wasserfälle wären schon ganz hübsch, wären sie nicht so schaumig. Ja schaumig. Da wirbelten die Schaumflocken durch die Luft und dort wo der Wasserfall tost schwimmen meterhohe Schaumberge, weil das Wasser so voller Industrieabfälle ist.

Aber Nilpferde gabs. Keine Ahnung was die in dem Wasser wollen.

Leute wuschen darin ihre Klamotten und Kinder badeten sogar dort. Ich glaub die waren vorher sauberer. Das coole an dem Wasserfall war, das man von Stein zu Stein hüpfend den Fluss direkt vor den Wasserfällen überqueren kann. Zwei Typen hatten sich aber an unsere Fersen gehängt und wollten unbedingt unsere Guides sein und natürlich dafür bezahlt werden. Wir wurden sie erst los nach mehreren nachdrücklichem „wir geben euch nix“.  Das mit dem von Stein zu Stein hüpfen war aber nicht so einfach, vor allem weil manche Steine ein bisschen weiter auseinander sind als andere und man echt nicht ins Wasser fallen will, das völlig zugewachsen war mit Algen. Wir mussten ständig nach neuen Wegen suchen und manchmal Riesensprünge vollbringen, wobei es mich einmal ein wenig hinsetzte. Einmal kamen wir zu einer verdammt kniffligen Stelle und ich warf den Rucksack mit Schwung zu Andreas rüber um besser hüpfen zu können. Kaum war ich drüben fiel mir Kevin ein. Der ist mitgeflogen. Oh shit. Ihm gings aber zwischen den ganzen Jacken gut. Irgendwo in der Mitte kamen wir echt nicht weiter und die Guides wollten uns schon wieder nerven mit ihren Führungsqualitäten, weswegen wir dann doch zurückhüpften und das letzte Stück durchs Wasser waten.

Wieder bei der Mission angekommen wusch ich erstmal das Zeug, wo echt schwarze Brühe rauskam. Kevin wurde ins Terrarium gebracht und nach dem Mittagessen machte ich mich auf den Weg zurück nach Ngong.

Am nächsten Tag stand ein weiterer Work Permit versuch auf der Liste. Im Matatu nach Nairobi rein saß ich zufälligerweise neben dem ehemaligen Chefchef von fast allen offiziellen Ämtern. Er ging mit mir zum Immigration direkt zu den richtigen Leuten und versprach sich darum zu kümmern. Er hat mich nämlich direkt als Tochter adoptiert und war verzückt von meinen Dholuo Kenntnissen, ist in Rente und meinte er mache das gerne.

Danach traf ich mich mit den Amerikanern. Die waren auf dem Massai Markt unterwegs und kauften so das typische Touri Zeug. Dann wurden alle 45 plus ich zu einem Nobel Restaurant gekarrt, wo die Ober mit Keulen von Straußen und Krokodilfleisch rumliefen. Und Ox Balls. Ja das sind Stierhoden. Denkt euch euren Teil. (gell Mama, probiert muss sein, was?) zu uns gesellte sich auch der Chef der Travel Agency, der kurzerhand unser Hotelproblem löste. Die anderen Amis verabschiedeten wir ja beim Flughafen und dann waren Jason und ich auf uns allein gestellt. Der Chef der Travel Agency bestand darauf uns einfach mal ein Zimmer im Stanlys, das zweitnobelste Hotel in Nairobi nach dem Hilton zu buchen. Ich konnte es kaum glauben wie nobel das ist. Lalala and a bathroom I can play baseball in ohoooo I wanna be a rockstar! Erstmal die größte Kissenschlacht veranstaltet die das Hotel wahrscheinlich je gehabt hatte bis Jason aufgab.

Und am Morgen gab es das riesigste Frühstücksbuffet das ich je gesehn hab. Allein die Müsli Ecke hatte eine riesige Vielfalt an Nüssen, Erdbeeren und Müslis. Dann die Salatecke mit Käse und italienischen eingelegten Gemüse… und die Eierecke, die kenianische Ecke und natürlich die Gebäck Ecke mit Croissants, Windbeutel etc. etc. wir futterten dass wir kein Mittagessen mehr brauchten und stapelten die Teller, um zu sehen wie hoch der Berg wird. Die Ober waren aber immer drauf und dran den abzutragen. Man musste scharf auf den Tellerberg aufpassen und kaum schaute man ne halbe Sekunde weg, war der Tellerberg weg. Those sneaky bastards! Stealing our stuff and shit! (Jasons Englisch ist sehr Baseball geprägt und enthält jede Menge Brown Words)

Als wir echt nicht mehr Papp sagen konnten trafen wir uns mit dem Chef der Travel Agency auf ein Kaffee, der uns half die Rückreise zu planen, da wir unterwegs ein paar Leute besuchen wollten. Dann gings nach Naivasha, wo wir uns mit Peter trafen und spontan Golf spielen gingen, da Peter professioneller Golfspieler ist.

Als es zu dunkel wurde schauten wir noch bei ihm Zuhause vorbei, wo der Bruder grade eine Kuh melkte, und mich dazu auffordete auch mal zu melken. Öhm. Okeeh. Das ist so typisch Kenia: man läuft einfach planlos rum, trifft ein par Leute, spielt dann spontan Golf und melkt dann eine Kuh. Crazy!

Das ist übrigens eine der seltsamen Früchte, die man hier in Kenia so bekommt:

Am nächsten Tag gingen wir (Jason, Peter und ich) zum Hells Gate Nationalpark, wo wir zähneknirschend die blöden 30 Dollar bezahlten und dann mit den Fahrrädern reinfuhren.

30 Dollar sind zwar viel zu viel aber keine 20m drin trafen wir auf die ersten Zebra Herden, Antilopen und jede Menge Warzenschweine! Ganze Warzenschweinfamilien! Und so nah und nichts zwischen uns und diesen Tieren. Wir versuchten auch in die Wiesen reinzulaufen und mal eins anzufassen aber sie waren zu scheu. Giraffen und Büffel sahen wir auch unterwegs, sowie noch ein paar unterschiedliche Antilopenarten. Einmal lag ein Zebra einfach so in der Wiese.Es sah fast aus wie tot. Wir liefen also zu ihm hin und grad als wir 2m entfernt war, wachte es auf und bekam den Schreck seines Lebnes. Ich war immer noch ziemlich angefressen wegen den 30 Dollar und meinte nur: "Beim nächsten mal schaffen wirs! Noch 2m und dann haben wir unser Mittagessen."

Irgendwann kamen wir am Rangerpoint an, wo der Eingang zum eigentlichen Hells Gate ist. Dort wurde Tomb Raider gedreht. Der Teil, wo Angelina Jolie in die Höhle reingeht um die Büchse der Pandora zu finden. Und diese Höhlenartigen Gebilde waren unglaublich! Das kann man nur mit Fotos beschreiben!

Das war eine riesige Heuchrecke, die sich zuvor unauffällig auf meine Schulter gesetzt hatte und mich zu Tode erschreckte (Jason: "it scared the shit out of you hahahaha!")

Ein Guide hatte sich natürlich auch an unsere Fersen gehängt. Der war Massai und den konnte Peter dann den Resident Price bezahlen. Nach den Höhlen kamen wir ins Tal, wo die heißen Quellen waren und die Wasserfälle.

Barfus lief ich durch die Wasserläufe, was mir bald alle nahmachten und wir ein bisschen Jucks und Dollerei Räder schlugen, Handstände etc.

Dann kletterten wir zum View Point hoch, wo der Guide uns verließ und wir einfach nur chillten mit Musik und Mango.

Nachdem wir wieder zurückgefahren sind trafen wir uns Abends nochmal um ein wenig auszugehen. In den Clubs Naivashas hatte Jason dann den Erstkontakt mit Kenianischen Frauen und ihrem Tanzstil. Hehe. Sehr amüsant anzusehen. Auf dem Weg zurück zum Hotel liefen wir an einem Lastwagen vorbei, wo einfach so auf den Rädern eine Staude Kochbananen rumlag. Ja die kann doch jeder klauen? Warum liegt die denn noch da? Peter meinte fasst die bloß nicht an, der Lastwagen kommt aus Tansania, die Bananen sind 100 pro verflucht! Wenn ihr davon eine nehmt fängt die an mit euch zu sprechen! Ich: booooaaaaaaaaaah! Ich wollte schon immer mal ne sprechende Banane! Los nehmen wir eine mit! Peter: neeeeeiiiiin! Bloß nicht! Ihr werdet verflucht wenn ihr die auch nur anrührt! Alles klar *zwinker* wir nehmen sie nicht. (jetzt) Kaum hatten wir uns von Peter verabschiedet schnappte sich Jason eine. Im Hotelzimmer beäugten wir sie dann erwartungsvoll. Natürlich war es einfach nur eine blöde Banane. Aber als Trophäe nahmen wir sie mit.

Da der Freund, den wir am nächsten Tag besuchten im Massai Mara lebt, wo keine Matatus fahren, holte uns ein Fahrer von der Travel Agency ab und fuhr uns dort hin. Das Massai Mara ist genial. Kaum, dass man drin ist sieht man Herden von Büffel, Zebras und Gnus. Dort hab ich das erste mal Gnus gesehen.

Christoph, ein Freund Jasons wartete schon an der Hütte. Wir halfen ihm Kühe hüten und ich hatte mir vorgenommen mal auf einer zu reiten, was ich auch bewerkstelligte. Das war aber gar nicht so einfach.. die Fotostory dazu:

"Sitz!"

"bleib stehn, blödes Vieh!"

"so ein Scheiß!"

"wohooo, ich schaffs!"

(vom eigentlichen auf-der-Kuh-draufhocken gibts kein Bild, weil die Speicherkarte voll war, und Jason kein Plan hatte, was die Kamera von ihm will)

Die Kälber mussten extra eingefangen werden und in einer anderen Hütte eingeschlossen werden wegen den Hyänen, die Nachts kamen. Genauso wie die Ziegen. Wir bekamen Abends eine Hütte und mussten uns auch einschließen.

Nicht viel später, so gegen 10 hörte dann man die Hyänen kommen. Die Hunde hatten dann allerhand zu tun die Hyänen in Schach zu halten, was man genau mitverfolgen konnte. Und die Tiere von Christoph wurden immer nervös, wenn die Hyänen um den Compound schlichen. Kurz  gesagt man konnte nicht gut schlafen. Und ich musste fürchterlich aufs Klo, wegen dem ganzen Tee. Und ein Klo gibt es nicht. Man macht in die Büsche. Keine 10 Pferde hätten mich aber rausbekommen zu den Hyänen. Am nächsten Morgen tat meine Blase fürchterlich weh. Und Nachts hat es reingeregnet. Wir mussten das Dach mit den Regenjacken abdichten.

Zum Glück konnte man wunderbar im Auto nach Kisumu pennen. Dort angekommen war ich aber trotzdem Hundemüde und legte mich bei Alastair, einem Freund, bei dem sich alle trafen für einen Gesellschaftsabend (Trinkspielabend) stattfand.

Dann fing ich an Fieber zu bekommen, welches immer höher stieg. Also versuchte ich einfach nur zu schlafen während die anderen ohne mich feiern. Das ging aber schlecht, da irgendjemand immer reinkam um nach mir zu sehen, was mich fürchterlich nervte. Die Eltern kamen irgendwann von ihrer Feier heim und die Mutter drückte mir Malaria Tabletten rein. Das fand ich überhaupt nicht toll und wehrte mich so gut es ging aber keiner nahm mich sonderlich ernst. Immerhin ließen sie mich nach mehrfacher, immer unhöflicher werdenden Beschwerde in Ruhe.

Am nächsten Morgen ging es mir wieder erstaunlich gut und ich frühstückte sogar. Und hatte auch kaum Probleme bei der Rückfahrt nach Ugunja. Dort war Stromausfall und ich legte mich gleich schlafen. Das Fieber kehrte zurück und wurde immer heftiger, sodass ich mit Halluzinieren anfing und das Bett auf einmal winzig wurde und in Quadrate eingeteilt war, die ich nicht betreten durfte, weil die Krieg miteinander führten. Ich war durch das ganze glühen und Schwitzen völlig dehydriert am nächsten Morgen und packte mich ins Krankenhaus, wo ich erstmal auf Malaria und Typhus getestet wurde. Wegen den Tabletten, die ich genommen hatte war der Malaria Test aber nicht aussagekräftig aber der Typhus Test schon. Zudem wurde ich an den Tropf gehängt, bis sage und schreibe über ein Liter Flüssigkeit in mir drin war. Dann gings mir etwas besser. Weil ich aber schon 2 mal Typhus hatte, meinte die Ärztin, ich solle nach Kisumu, um spezifischere Tabletten zu bekommen, da ihre Antibiotika den Typhus ja nicht völlig gekillt haben. Am Abend stieg das Fieber wieder und ich bekam Panik, weil ich nicht nochmal so eine Nacht durchmachen wollte. Schlafen konnte ich auch nicht und die deutsche Botschaft, bei der ich anrief konnte dank Nachtfahrvebot auch nix tun. Mit Wadenwickel, Tee und Suppe gings mir dann irgendwann besser und ich fühlte mich sogar Fieberfrei. Als ich aufwachte war mein Schlafanzug, Decke und da wo ich gelegen hatte so Nass vor Schweiß als ob ich damit geduscht hätte. Und ich fühlte mich sehr Fit.

Trotzdem gingen wir am nächsten Morgen nach Kisumu ins Krankenhaus wegen den Tabletten. Dort fand man aber heraus, dass diese Ärztin die Antikörper von dem letzten Typhus festgestellt hatte und ich in Wirklichkeit doch Malaria hatte. Das war für mich eine ziemliche Erleichterung und wir gingen erstmal Essen. Eigentlich wollten wir in das indische Restaurant, wo ich mit den anderen FW gegessen hatte. In einem anderen indischen Restaurant wo wir gelandet sind (laughing Buddah) gab es aber nur Pizza und Pasta! Auch gut.

Am Stage (Busbahnhof) fanden wir ein Matatu nach Ugunja. Es war zwar ziemlich leer, aber zu der Zeit das letzte, das fuhr. Kaum das wir eingestiegen waren, fing gute Musik an zu spielen und Jason sofort an zu tanzen. Mit diesem völlig fokussierten, konzentrierten Gesichtsausdruck. Ein Verkäufer kam vorbei und wollte uns etwas andrehen, nahm aber in Windeseile Reißaus, als Jason ihn anfing zu fokussieren mit dem ernsten Gesichtsausdruck, während er tanzte. Ich kringelte mich auf dem Nebensitz. Damit war die neue Taktik gefunden! Anstatt sich von den Typen nerven zu lassen und versuchen ihnen zu erklären, warum man echt nix kaufen will, oder das Fester zuzumachen und festzuhalten (weil manche echt so dreist sind, es dann wieder aufzumachen, um ihr Zeug einem in die Hand zu drücken)tut man sie einfach so gruseln, dass sie von alleine abhauen. („we are creeping the shit out of them!“) ich hatte echt Bauchweh vor lachen! Und Jason seinen Spaß. Beim nächsten Verkäufer versuchte er den aufreizensden, schwulsten Gesichtsausdruck hinzubekommen, der ging. Das Gesicht des Verkäufers war unbezahlbar! Und dann fing er auch noch an zu singen. Und irgendwann, als das Matatu proppevoll war, aber immer noch nicht losfuhr fing er an ungeduldig zu werden und auf und ab zu hüpfen und laut „CHAPA, CHAPA“ zu brüllen, was das ganze Matatu zum wackeln brachte. Davon malte ich ein paar Tage später eine Karikatur.

Daraufhin fuhr das Matatu dann ziemlich schnell los, um den aufgebrachten, großen, wütenden Muzungu zu beruhigen. Während der Fahrt kassierte der Konduktor ab und wollte mir mein Rausgeld erst nicht wiedergeben, weil er mehr wollte als normal. Ich meinte daraufhin: „gib mir meine 100 Bob zurück oder, hehe, er fängt an zu singen!“ (das ganze Matatu bekam Panik) und Jason „lettaaaaaaaaaa mia modjaaaaaaaaaaaalalalalalallalaaaaaaa“ (swahili für bring die 100) doch der Konduktor blieb eisern. Sobald es dunkel wird, wird der Fahrtpreis erhöht. So sang und sang Jason bis ihm langweilig wurde und er lieber bei der Musik mitsang, wo er den Text nicht konnte. Jedesmal, wenn das Matatu halt machte und die Verkäufer kamen, sang und tanzte er sie so creepy wie möglich an und steigerte sich da richtig rein. Ihr müsst euch einfach einen echt großen, ziemlich breiten, unrasierten Amerikaner vorstellen, der Verkäufer anmacht. Singend. Das ist so herrlich! Während der Fahrt fing er dann an eigene Texte zu erfinden und sang daraufhin: „ooooooh my left ass cheek is falling asleeeeeeeeeeeeeeeep!yeaaaah!“ Wir planen jetzt eine eigene  Matatu Playlist zu erstellen, wo wir Lady Gaga usw. covern.

In Ugunja angekommen stellte ich dann Büchsen auf. Seine andauernden Flüche färben nämlich auf mich ab, und wir wollen doch stilvolles Englisch sprechen, das nicht alle 2 min Brown Words enthält. (der Begriff Brown Words kommt aus meiner Zeit in Kansas. Brown Words sind z.B. Shit, Fuck, Damn…) dazu kommen noch sein andauerndes „Like“ und „Awesome“. Also für jedes dieser Wörter zahlen wir die kleinste Münze ein, die gerade im Geldbeutel ist. Die Brown-Can ist inzwischen am vollsten.

Da mein komplettes Bett einen ziemlich Eigengeruch von den 4 Tagen Malaria hatte, der so schlimm war, dass ich mich echt nicht traute es selber zu waschen, stopften wir alles in einen großen Sack, den wir auf dem Hausflur deponieren mussten, weil der die Wohnung zumüffelte. Ich mein, mein Malaria Zeug, Jasons alte Socken, plus die Wäsche vom Massai Mara (Kuhduft, Staub, etc) ist eine echt tödliche Mischung. Wir hatten fast Angst das bei der Wäscherei abzugeben. Erstaunlicherweise, war nach dem Office alles schon gewaschen und fast getrocknet. Mir gings Gesundheitlich übrigens prima. Leah kam Abends vorbei, um sich Klamotten für ein Fotoshooting am Samstag auzuleihen und blieb dann spontan über Nacht weil es anfing zu regnen. Am nächsten morgen packte sie dann meine Isomatte aus und machte Yoga. Und ich natürlich mit, während Jason seine Frühstückseier mümmelte und mit hochgezogenen Augenbrauen uns beim rumalbern zuguckte.

Strom war am Donnerstagabend dann endlich wieder da (5 Tage kein Strom ist heftig) und wir konnten Filme gucken. Das waren unsere Kerzen nach den 5 Tagen:

Freitag gings mit Leah nach Kisumu rein zum feiern. Auf der suche nach Cola trafen wir ein paar Miraa kauende Typen, zu denen wir uns dazuhockten und etwas tranken. Mit Leah feierte ich 5 Stunden durch, Jason saß derweil an der Bar, wo eine todesbesoffene Kenianerin über ihn herfiehl. Leah und ich machten uns dann einen Spaß draus Drama zu machen. Am ende mussten wir unsern Witz aber erklären, da die Tuss mich auf Knien um Vergebung bat. Kaum war ich aber dann auf der Tanzfläche kam sie aber mit einem ziemlich herausforderndem Blick auf mich zu und fing an mich anzutanzen. Sie war aber so besoffen, dass sie beim Twerken einfach nach hinten umkippte. Dann fing sie an einen Typ anzutanzen was immer mehr in „sucht euch gefälligst ein Zimmer Herrgott!“ ausartete. Ich ging zurück zu Jason, der von der Freundin der Tuss einen Lapdance bekam, aber irgendwie nicht sonderlich glücklich darüber wirkte. Er war in dieser Stimmung, wo es höchste Zeit ist ihm ein Bett und was zu essen zu finden. Sowas von höchste Zeit, da er auf der Straße dann so Ideen bekam, wie Z.B. das er stärker als ein Tuktuk sei und es in letzter Minute noch ausweichen konnte. Leah hatte einen Typ noch im Schlepptau, der uns half ein günstiges Hotel zu finden, wo ich mir mit Leah ein Bett teilte. Am nächsten Tag hatte Leah ein Fotoshooting, zu dem ich eigentlich mit wollte, jedoch bei ihren Freunden einpennte. Abends wachte ich auf und alle waren weg. Ich fand zuerst Leah am Ufer des Sees wieder mit den Typ vom vorigen Abend, der in der selben Stimmung war wie Jason davor. Betrunkene Männer sind einfach wie kleine Kinder. Und Jason war bei Alastair. Zusammen mit de anderen Kisumu FW gingen wir Essen und danach in eine Bar, wo ich mich aber recht früh verabschiedete und bei Leahs Freunden pennte. Ansonsten ist die Woche nicht viel spannendes passiert. Office halt. Jason hat es aber geschafft sein Ellenbogen abzulecken. Er hat noch keine richtige Arbeit gefunden. Ich halte ihn mit Deutsch und Kiswahili lernen beschäftigt.

10Januar
2014

Meine Familie in Kenia: Weihnachten, der Silvesterfluch, Malaria und Regenwald

Ich muss schon sagen, ich war verdammt happy sie wieder um mich zu haben.

Vom Airport nach Kisumu rein, und erstmal Frühstücken. Nach ein bisschen Eindruck vom Markt bekommen fuhren wir nach Ugunja, wo meine Mom sich erstmal daran machte zu dekorieren. Neben meiner Weihnachtspalme hängte sie noch ein Weihnachtsbaumplakat auf, das wir mit Ohrringen schmückten.

   

Über die ganze Adventszeit hat mir meine Mutter jeden Tag eine Mail geschickt mit Familienfotos von allen Zeiten. Trotzdem brachte sie mir auch ein Sockenadventskalender mit!

Plus zwei Riesenbüchsen Gutsles mitgebracht, von denen wir mit den Nachbarn zusammen ein paar mit Tee naschten.

Abends waren wir bei Mama Grace und Lucy eingeladen (Arbeitskollegin die in der Treenursery arbeitet und ihre Tochter, gute Freundin und auch Arbeitskollegin) wo wir zusammen kenianisch kochten und viel zu erzählen  hatten. Morgens versuchte ich dann Uji (Porrige) zu kochen, das wir aus Kalabassen tranken.

Ich gab halt mein bestes, ihnen möglichst viele kenianische Seiten zu zeigen. Ich zeigte ihnen auch die TreeNursery und wir gingen nachmittags auf Pikkis zu Joshua.

   

Für meine Familie war es das erste Mal auf Pikkis und ich musste ein riesen Terz veranstalten um ihnen Helme zu beschaffen. Hier trägt sowas allerhöchstens der Fahrer selbst. Bei Joshua aßen sie dann das erste Mal Ugali. Also Moni zumindest.

Am 24. gingen wir erstmal auf den Markt, trafen Leah und Moni ließ sich die Haare flechten.3 Stunden lang.

Heiligabend verbrachten wir ruhig in der Familie mit Spätzle, Gulasch, Früchtetee und Wein. Am nächsten Tag gings nach Niacatch, wo und Junior hinfuhr.

Dort angekommen, kurz die Sachen abgelegt gings gleich in die Kirche. Die zum glück schon halber rum war. Wir bekamen quasi nur das versteigern mit, und ich steigerte eifrig mit und erwarb ein riesigen weißen Gockel. Tyaaaaa so kann Kirche auch mal sein.

Vorstellen mussten wir uns natürlich auch vor der gesamten Gemeinde. Zum Mittagessen gabs dann den armen Gockel und dann gings auch gleich weiter zu unserem Patenkind, wo nochmal Mittagessen wartete. Super.an dem Tag kommunizierten alle auf insgesamt 5 Sprachen: Deutsch unter uns, Englisch, Kiswahili, Dholuo und Gestensprache.

Ich fand es mega schwer in Weihnachtsstimmung zu kommen…was etwas half, war, dass Abends im Fernsehen ein Weihnachtsfilm aus den USA kam, wo eine Nonne mit den Kindern Krippenspiel aufführt und als Überraschungsgäste dann ehemalige Krippenspielkinder kommen, die dann so die Wahrheit über die Nonne, die eigentlich alle terrorisiert ans Licht bringen. Aber nur unter Androhung mit einer Knarre, die die Nonne dann aber in ihre Gewalt bring und dann alle erschießt. Herrlich, wie die die Jesuskind puppe mit Nägeln an das Kreuz genagelt haben auf der Bühne (von Josef, der dazu sein Hirtenstab kurz umfunktioniert hat) und die Nonne meinte, sie habe alle erlöst, weil sie ja gebeichtet haben und dann erschossen wurden. Dann kommen sie ja in den Himmel… eher ein Weihnachtsfilm nach meinem Geschmack.

Der 26 war der Hochzeitstag, Geburtstag, Jubiläum, etc. Tag von Yusuf. Der wurde buchstäblich verlabert, so viele Reden wurden gehalten. Wir mussten auch mal. Zum glück haben sich die meisten schon verabschiedet gehabt, weil natürlich das ganze hoffnungslos überzogen wurde. Dagegen war meine alte Deutschlehrern harmlos.

Es gab dann auch eine Nachtmesse, wo wir um jeden Ohrenproppen froh waren. Ich hätte nie gedacht das meine Mutter (katholische Religionslehrerin) mal auf „Halleluja!“ „Halt die Gosch!“ antwortet! Amen darauf!

Am 27 waren wir grad dabei uns zu verabschieden und Familienfotos zu machen, da kotz Moni plötzlich. In Homabay stellt sich raus, dass sie Malaria hat. Das brachte die Reiseplanung mit Mageta, Kakamega etc. ziemlich durcheinander und wir blieben deshalb stattdessen in Homabay. Ich ging einmal mit Mama auf Safari, wo wir eine riesige Giraffenherde sahen uns Zebras.

Papa ging dann mit Mama auf eine Bootstour wo ich dann auf Moni aufpasste. Dabei bekam er etwas nasse Füße… und der See ist ja berüchtigt für Bilharziose unter den Touristen. Die einheimischen baden seit Jahrhunderten darin. Er war daraufhin ziemlich panisch, als er auch ein Punkt auf seinem Fuß entdeckte. Könnte auch ein Mückenstich gewesen sein. Jedenfalls aß er daraufhin 4 mal täglich Antibiotika. Moni gings nach 3 Tagen wieder gut und wir gingen zurück nach Kisumu, wo wir eh vorhatten Silvester zu feiern.Das ganze Gepäck war aber noch in Ugunja, weshalb meine Mutter und ich es dort abholen mussten.

So. Silvester. Ich hasse Silvester. Ich bin nämlich verflucht. Seit ich es nichtmehr mit meinen Eltern verbringe wird es jedes Jahr schlimmer. Von Kühlschrank aus dem Fenster schmeißen, bis Silvester im Bus verbringen (Zitat von dem Abend von Jean Pierre: „Jah, hicks, in Afrika da ises warm…da musste n T-Shirt mitnehmen, hicks!“) bis hin zu im letzten Kaff völlig erkältet froh zu sein endlich ins Bett zu dürfen. So dieses Jahr fing schon mal gut an, indem meine Mutter und ich das Gepäck zum Stage hochbeförderten, wo ich auf Bus suche ging. Als ich wiederkam kämpfte meine Mom mit ein paar Kondukteuren, die sich einfach unser Gepäck geschnappt haben und es in ihren Bus gestopft haben. Sie erzählte, sie musste es sich vorher schon grad als ich weg war von anderen wiedererstreiten, die es auch schon gemopst haben. Dann fing es an Katzen und Hunde zu regnen. Keine Wahl, ab in den Bus. In den es dann reinregnete. Der fuhr dann Ewigkeiten nicht los und wir suchten auf der Rückbank Schutz vor dem Regen, wo es uns dann aber kräftig durchschüttelte. Statt einer Dreiviertelstunde bauchten wir 3 Stunden. Ziemlich entnervt in Kisumu angekommen und erstmal ausgeruht, wollten wir Kajak fahren gehen. Doch der See war viel zu stürmisch, weswegen eine Motorbootfahrt draus wurde, wo ich ganz vorne saß und den Wellengang genoss.

Klar wurde ich auch nass und habe Mückenstiche…aber Antibiotika nehm ich deshalb keine.

Auf dem Rückweg wollten wir dann die Wäsche aus der Wäscherei abholen. Die hatte aber schon zu. Deswegen musste ich für meinen Vater Hemd und Hose auf dem Markt ersteigern. Er drückte mit grad 1 K (8,50 Euro) in die Hand, da fing der Regen an. Nochmal Katzen und Hunde. Ich stellte mich unter, während er zu den anderen zurückrannte. Ich wollte nämlich noch Schuhe kaufen. Dort wo ich mich untergestellt hatte warteten noch ein paar andere, mit denen ich mich unterhielt und die mich dann auch zu einer kleinen Hütte mitnahmen, wo sie 2 große Säcke second Hand Omaschuhe rauskramten. Der Geldschein war aber weg. Davongespült vom Regen, da ich ihn beim rennen wohl verloren haben muss. Super. Alles abgesucht, nix gefunden, zum Hotel mit leeren Händen zurückgelaufen. Immerhin haben mich zwei nette Kenianer begleitet. Im Hotel war ich schon spät dran, leihte mir Schuhe von meiner 6 Jahre jüngeren Schwester aus, die dieselbe Schuhgröße hat und wir gingen essen. Im Hotel waren nur Amerikaner zu Gast. Amerikaner laufen aber immer in Turnschuhen und Schlabberpulli rum, auch an Silvester beim New Years Eve Buffet, weswegen wir völlig overdressed waren. Immerhin waren wir dann noch in einem anderen Hotel eingeladen, wo schon Freunde warteten. Dort war alles eher voller Briten, die mehr Stil haben. Die waren aber dann mit Essen beschäftigt, weswegen wir zurück in unser Hotel gingen, wo ich mich nur noch kurz umziehen wollte und dann mit meinen Freunden feiern gehen wollte. AAAAAAAAAAAAABER…Neujahrsfluch hatte was dagegen…ich bin stadtessen einfach eingepennt.

Und 12:30 aufgewacht. Wow. Ich hab’s wirklich geschafft das Jahr davor zu überbieten. Ich gehe also völlig deprimiert die Treppe runter, da sehe ich meine Eltern barfuß zu Diskomusik tanzen. Als einzige. Ich gehe so in den Raum rein, da starrt mich einer von den Amis an… ich gehe so zu ihm rüber um mal Hi zu sagen, da meint er (schon ziemlich besoffen) „are these your parents?“ Oh nein. „they are soooo awesome!“ Oh Gott was ist passiert während ich gepennt hab? Papa kommt mit einem dicken grinsen zu uns rüber und stellt mich vor. Naja, immerhin konnte man ganz gut mit ihm labern und was trinken. Er meinte nur irgendwann, er müsse sich mal umziehen gehen, weil er vorher mit allem in den Pool gehüpft sei. Kam jedoch nie wieder. Da er aber zum Barkeeper meinte, ich könne mir bestellen was ich will auf seine Kosten nehm ich mal nicht an, dass das Absicht war. Er ist wahrscheinlich einfach irgendwo eingepennt. Kann ich nachvollziehen. Nach einer Weile setzte ich mich zu ein paar Indern, mit denen man sich prima unterhalten konnte. Ich lernte etwas indisch, viel über indische Kultur, Religion und Kastensysteme und wir fuhren dann in die Stadt, wo meine Freunde auf mich warteten. Mit denen fuhr ich dann zu dem sogenannten Nyanza Club (Nyanza ist das Bundesland hier) der war aber komplett voll von Indern, die Bollywood Karaoke sangen. Da es mir aus diffusen Gründen nichtmehr so gut ging und ich meine Schuhe geschrottet hatte, bin ich am Pool liegend eingepennt. Die Inder von vorher waren dann irgendwie da und fuhren mich zurück zum Hotel, wo ich eigentlich nur Schuhe wechseln wollte. Der eine von denen, der mich hochbegleitete wurde dann aber so aufdringlich, dass ich mich ins Zimmer einschloss, das Handy ausschaltete und einfach schlafen ging.

Am 1sten fuhren wir dann per Matatu nach Kakamega in den Regenwald. In Kakamega war aber eine riesen mega Veranstaltung, weswegen alles komplett zugestaut war. Der Taxifahrer war irgendwie auch ziemlich zurückgeblieben und kannst sich absolut gar nicht in der Gegend aus und verfuhr sich in jeder Kreuzung. Wir haben bei dem Regenwald Resort wahrscheinlich um die 10 mal anrufen müssen um nochmal für ihn ne Wegbeschreibung zu finden. Dazu regnete es Kühe. Dabei sollte eigentlich Trockenzeit sein.

So brauchten wir für ne halbe Stunde, 3 Stunden. Irgendwann (wir glaubten es schon kaum mehr) angekommen machten wir noch einen kurzen Waldspaziergang bis es dunkel wurde und verbrachten den Abend mit Canasta.

Um 4 Uhr dann aufgestanden für den Sunrisewalk. Wandern 4h so früh morgens hätte ich meiner Familie fast nicht zugetraut aber mit etwas Jammern ging das schon und wir wurden ja dafür mit der Aussicht belohnt.

Im der alten Goldmiene aus Kolonialzeiten fotografierte Moni die armen Popos mit Blitz. Ein Japaner, der auch mitlief wurde von einer angekackt.

Mit dem Taxi zurück nach Kakamega und dann nach Kisumu kamen wir wieder völlig erschöpft im Hotel an. Und siehe da, da ist der Ami von Silvester. Jason heißt er übrigens. Er macht zusammen mit 20 anderen Kaliforniern eine Medical Mission, wo sie kostenlos Kenianer und Ugander behandeln und Medikamente verteilen. Seinen Opa hab ich da auch kennengelernt. Das ist einer von der Sorte, der einen mit dem Blick ansieht „ihr macht mir ja auch schön viele Urenkelchen, ja?“  Ich erzählte viel von Tembea und meinen Plänen und was ich so mache und da meint Jason, er macht mit. Nun hab ich einen neuen Mitbewohner bekommen, der ab Ende Januar bei Tembea anfängt. Find ich prima! Beim Frühstückstisch meinte er das sogar immer noch! Und zwar ernst.

Papa lag wegen den Antibiotika (vermute ich mal) flach und der Rest von uns ging Kajak fahren. Und diesmal sahen wir sogar Hippos! Kiboko auf Swahili. Wir paddelten erstmal so den See am Ufer entlang und dann verschwindet plötzlich etwas, was ich für einen Stein hielt im Wasser. Wir paddelten ungefähr 5m an sie heran und wir beguckten uns gegenseitig. Wir mit dem „boooooaaaaah-geiiiiil-ein-Hippo-Blick“ und sie mit dem „was-zur-Hölle-wollt-ihr-von-uns-Blick.“ Ich hab noch nie so nah in freier Wildbahn ein Hippo gesehen. Naja Hauptsächlich Ohren, Augen und Nasenlöcher…zwischendurch ist auch ein kleineres paar Nasenlöcher aufgetaucht.

Wir saßen dort eine Weile und beobachteten das immer wiederkehrende *schauuuuuuf*, *ohrenschlacker* und paddelten dann zurück und ein Stück in die Mangroven rein. Moni fand das echt genial, so dieses Spiel inwieweit man durch die Baumlücken durchkommt ohne Steckenzubleiben.

Samstag war Abfulgtag. Den Vormittag gingen wir dann aber noch ins Kisumu Museum, von dem ich von anderen FW gehört habe, dass es dort Schildkrötenporno gibt. Zumindest haben die Schildkröten beim f*cken  das erste Mal gesehen und waren eine Mischung aus höchst belustigt und traumatisiert. Grund genug um ins Museum zu gehen. Dort waren wir mit die einzigen. Aber es gab auf DinA 4 großen Gehegen Riesenschlangen, ein einsames Krokodil, jede Menge Schildkröten und dazu eine Ausstellung über Nyanza mit Lou Hütten. Aber im Aqarium gab es einen sehr witzigen Fish, der den starken Eindruck vermittelte, etwas Liebes Entzug zu haben. Ok wenn ich mein ganzen Leben lang in einem kleinen Aqarium alleine wär würde ich auch etwas seltsam werden.

Der Tag war so warm, das wir uns danach nur noch in den Pool verzogen, bis es Zeit war zu gehen.

Der Abschied war schwer, aber ich bin froh, dass sie mich dagelassen haben. In Deutschland wärs mir selbst bei 14 Grad viel zu kalt. By the way: 14 Grad? Man es ist Januar! Was da los? Habt gefälligst wieder Winter, damit ich mich über euch lustig machen kann!

Die restliche Woche hab ich normal gearbeitet und mich mit Freunden getroffen, sowie ausgiebig endlich skypen können mit deutschen Freunden. Und so ein riesiger Blogartikel braucht auch ne Woche zum schreiben. Morgen geht’s nach Nairobi um dort dann Jason abzuholen. Er hat sich tatsächlich beworben.

10Januar
2014

Dezember...Dreckengel, Scheißzwerge, der Nickolaus, Nairobi, Slum und Fashionweek

Ohje…ich hab’s nun viel zu lange aufgeschoben… damit ihr nicht den halben Tag mit lesen verbringt beschränke ich mich diesmal auf die erstaunlichen, lustigen und skurrilen Dinge die passiert sind, so die What the Fuck Ereignisse.

Für einen kurzen Überblick zum mitkommen:

Nachdem ich den Typhus komplett überstanden habe und in Nairobi war, traf ich mich dort mit Frank, dem Chefchef von artefact, meiner deutschen NGO und Gideon, Frischfleisch. Zusammen fuhren wir nach Kisumu um dort Gideon in seiner Organisation abzuliefern und bei Irina, der Kisumu Freiwilligen vorbeizuschauen. Frank machte nämlich so ein zwischencheck wie es allen geht und reiste deswegen von Freiwilligen zu Freiwilligen. Und auch zu mir. Nach ein paar Meetings ging es zu meiner Wohnung, die ich nun allein beziehe. Tya man macht da so die Tür auf und steht erstmal vor einem kleinen Shock. Ich war nämlich bis dahin auch nicht mehr Zuhause.  Ein kleiner liebenswürdiger ehemaliger Mitbewohner namens Sascha hat nämlich alles so verlassen, wie es war. Im kompletten Saustall. Jaaaaa eeehm Frank, so wohne ich nun…macht ein guten Eindruck wat? Frank reiste wieder ab und ich machte mich ans putzen.

Gideon hatte nichts zu tun und kam deshalb vorbei. Ein sehr netter Kerl, der findet, das Kenia wie Südostasien ist. Wir machten eine Fahrradtour zum Nzoia River, trafen dort auf ein paar Bauern, die uns Mangos schenkten und ich kletterte auch mal auf den Mango Baum. Der war voller Ameisen, die sich durch mich gestört fühlten. Und mich deshalb attackierten. Als ich wieder unten war hüpfte ich erstmal lustig durch die Gegend und haute alles tot was in meine Hosenbeine gekrabbelt war. Abends schaffte ich dann das unmögliche: ich kochte für 11 Personen! Spagetti mit Tomatensoße. Ein Festmal, wenn man sich nur von Ugali ernährt! Ok das mit dem geschafft haben ist etwas übertrieben. Viel zu wenig Tomatensoße und viel zu viel Spagetti. Am nächsten Tag gingen wir dann im Nzoia River schwimmen. Das ist quasi Laufbandschwimmen. Die Strömung ist halt so stark, das man bequem auf einer Stelle schwimmen kann am Rande des Flusses.  Dort habe ich dann auch einen Veran gesehen.

Am 1ten Advent (an dem ich völlig verpeilt habe, dass erster Advent war) traf ich mit mit Leah. Plötzlich kam ihr kleiner Sohn Tyler aus der Küche über und über voll mit Mehl. Den kann man keine 2 min aus den Augen lassen.

Wir liefen nach Ambira hoch und ich trug Tyler nach afrikanischer Art auf dem Rücken. Bei Ambira lief grad ein Fußballspiel zwischen zwei Schulen. Eigentlich hätte ich mitspielen sollen. Aber dann hätten wir verloren. So haben wir nur zugeschaut und geguckt das Tyler nix anstellt, was Aufgabe genug ist. Der dackelte fröhlich durch die Gegend spielte im Dreck und legte sich dann mittenrein in den Staub um einen Dreckengel zu machen. Wie in Deutschland Schneeengel.  Abends guckten wie Lone Ranger, den man hier für umgerechnet 45 Cent illegal kaufen kann. 

Am Montag danach fehlte der Chef und ich hatte absolut nix zu tun. Also machte ich spontan früher Schluss und ging wieder schwimmen. Am Fluss kamen irgendwann ein paar Kiddies. Und wollten nicht mehr gehen. Die saßen da einfach nur und beobachteten mich. Toll. Die Konversation lief dann ungefähr so:

„Mnataka nini?“ (was wollt ihr?) „Enda!“ (geht!)

„We want watch u!“

„I don’t want that! Go away!“

“Please let us stay!”

“No, toka!” (haut ab!)”sipendi mkiniangalie!” (ich mag es nicht, wenn ihr mich beobachtet!)

„We want stay!“

„Nataka onga PEKE YANGU!“ (ich will ALLEINE baden!)“ Toka!“ (haut ab)

„Can we bring u bread?“

“No I’m not hungry! Just go away!”

“U look hungry!”

“NO! GO AWAY!”

“Can we bring u cat?”

“What the fuck? NO!”

“Can we bring u dog?”

“No, bring me a dinosaur!”

“Ok. What is a dinosaur?”

*seuftz* “bring me a crocodile.”

“Ok.” (sind immer noch nicht angehauen)

„What are you waiting for? Go!”

“What about a lion?”

*kurz vor dem ausrasten* “Fine. Just go!“

„What about elephant? “

*aus dem Wasser kletter und böse auf sie zustapfen* „F**ckt euch ihr blöden Biester! Go or nitakuchapa!“ (ich werde euch schlagen)

„How r u?“

*ausrast*

Und so weiter…sie sind erst endlich gegangen als ich angefangen hab so zu tun, als ob ich mit Steinen nach ihnen schmeiße. Das spiel Muzungu nerven mag ich gar nicht. Da will man in ruhe ein wenig schwimmen und sich sonnen und dann wird man die ganze Zeit genervt.

Auf dem Weg zurück fing es dann an zu regnen. Ich laufe also im Regen die Straße hoch, immer noch genervt, da holt ein Typ zu mir auf und fängt auch noch an mit how are you. Er ist ein Fahhradtaxifahrer und fragt ob er mich…natürlich gegen Geld… mitnehmen kann. Aus Witz frag ich warum ich ihn denn nicht mitnehmen kann. Ok muss nur noch schnell den Reifen aufpumpen. So fuhr ich also einen Fahhradtaxifahrer auf seinem eigenen Fahrrad zurück nach Ugunja. Komplett durchnässt komme ich im Office an, sag kurz Hi und gehe wieder. Abends bei Nachbarn, die während der Zeit wo ich weg war den Monat Zuwachs bekommen haben. 3 weitere Kinder von Verwanden wohnten jetzt auch noch da. Also nahm ich Fleur und Pauline, die sowieso schon die meiste Zeit bei mir sind komplett zu mir, da ich ja jetzt ein freies Bett hatte.

Mittwoch guckte ich kurz im Post Office vorbei und - siehe da- ein Paket für mich ist eingetroffen! Quietschend und mit einem dicken grinsen im Gesicht hopste ich zum Office um mich drauf zu stürzen. Meine beste Freundin Ina und ihre Familie haben mir ein Paket geschickt. Darin ein Stoffhase, Ü Eier!,  eine Haribo Packung, Briefe, ein Weihnachtsbaum (der noch nicht gewachsen ist), ein Buch und das wichtigste: ein Ehering! Ich sags gleich, die Ü Eier und die Haribos haben nicht lange gelebt. Über Facebook habe ich Freiwillige kennengelernt, die im Nachbarort wohnen und an dem Tag in Ugunja vorbeischauten. Wir hatten viel zu labern und aßen gemeinsam Mittag.

Irgendwann stapelt es sich so schlimm, dass man nichtmehr drum rum kommt. Müll verbrennen. Und das als Freiwillige in einer Umwelt NGO. Aber es gibt keine Alternative.

Am nächsten Tag wurde mir klar, dass schon der 5te Dezember ist. Abend vor Nickolaus. In meiner Familie sind wir sehr Traditionell und man wird nie zu alt für Adventskalender oder Nickolaus. Aber dieses Jahr würde er mich wohl vergessen. Ein bisschen Heimweh bekam ich dadurch schon…ich bastelte mir deshalb –etwas spät ich weiß- einen Adventskranz aus dem nächsten Nadelgewächs das ich finden konnte, kaufte rote Kerzen und etwas Christbaumschmuck und Lametta im Supermarkt. Als ich so am basteln war kam großes Geschrei von den Nachbarn. Ich kam rüber um zu sehen was los ist. “Popo! Popoooooo“ (das heißt Fledermaus auf Swahili) tatsächlich. Eine verdammt große Fledermaus hat sich in die Wohnung verflogen. Die Gäste der Nachbarn duckten sich auf dem Sofa, ein Mädchen heulte, die Nachbarskiddies versuchten sie mit einem Stock zu töten und der Rest hatte sich in ein Nebenzimmer geflüchtet. Ein hübsches Bild des Chaos. Ich schnappte mir eine Decke und versuchte sie über den Popo zu schmeißen. Herrliches Wort für Fledermaus. Es war verdammt schwer sie zu erwischen aber schließlich traf ich sie mit der Decke, sie ging zu Boden und –Zack- gewonnen! Decke mitsamt Fledermaus trug ich dann in den Hof und befreite sie dann. Kaum war ich zurück: Panik. „Anarudi! Anarudiiiiiiiiiiiii!“ (sie ist zurückgekehrt!) Das Fenster, durch das die erste reinkam war nämlich immer noch offen, durch das Licht wurden Motten angelockt, hinter denen die Fledermäuse her waren. Also erstmal Fenster zu und dann das Spiel nochmals von vorn. Als der ganze Trubel sich gelegt hat, alle Kinder getröstet waren etc. aßen wir zusammen zu Abend und ich packte den Adventskranz aus, erzählte davon und die Geschichte vom Nickolaus.

Natürlich glaubten sie mir nicht, dass es den wirklich gibt. Deswegen: proof! Kinder stellt die Stiefel raus, morgen kommt der Nickolaus! Die Kinder wienerten also ihre Schuhe, ich musste welche von meinen ausleihen, weil manche keine geschlossenen hatten und sogar komm Papa, komm und drück dich nicht! Glaubst wohl der Nickolaus erblickt dich nicht! David stellte seine auch raus.

Als alle zu Bette gingen machte ich mich ans Süßis verteilen. Dazu Kugelschreiber usw. Fleurs Schuhe fand ich aber nicht. Sie meinte vorher zu mir, sie sei dieses Jahr nicht brav gewesen und der Nikolaus komme deswegen nicht zu ihr und sie brauche es gar nicht erst versuchen. Also legte ich ein Zettel vor ihre Tür mit einer kurzen Notiz vom „Nickolaus“ mit den Süßis drauf. In meine Schuhe stellte ich das letzte Ü Ei. Morgens gab es natürlich einige annahmen wird der Nickolaus sein könnte….ich hab nix gesehn…

Ich wollte ursprünglich das Nickolaus Frühstück mit meiner Familie per Skype zusammen verbringen. Irgendwie hat das aber nicht geklappt. Immerhin konnten wir kurz telefonieren und meine Mutter kam danach in Skype on, als ich im Office war. Ein Arbeitskollege fragte mich dann, was ich am Wochenende mache. Mich wunderte das etwas, weil es nach meiner Zeitrechnung erst Mittwoch oder vllt Donnerstag war. Ich war schon confused warum Markttag war auf dem Weg zum Office. Nee es sei Freitag. Wie es ist Freitag? Kann nicht sein! Es ist Mittwoch! Mist. Zu viele Pläne gemacht. Und die Zeit ist verschwunden. Zum Glück kam Leah ins Office…im Dirndl…was zur Hölle? Wo hast du das denn her? Second Hand markt. Egal.

Nach der Arbeit trafen wir uns, um nach Kisumu zu gehen, von wo aus ich nach Nairobi wollte. Vorher holte ich mir aber ein Fläschen Changaa. In Kisumu wanderten wir erstmal von einer Bar zum nächsten Club immer den Ohren nach. Wir landeten schließlich in einer Rumba Bar, wo wir mit ein bisschen Augenklimpern auch ohne Eintritt, der aus zwei Bier kaufen bestand rein. Dort erstmal Leute kennengelernt, viel getanzt und froh gewesen den Ehering zu haben. Der erleichtert manche Körbe schon etwas. Vor allem wenn man erzählt der Ehemann sei nur kurz auf dem Klo. Danach ins Signature wo wir uns bis 4 Uhr morgens die Beine kaputttanzten. Dort trafen wir auch noch mehr Freiwillige.

Gegen 4 waren wir so Kaputt und müde. Leah unterhielt sich mit einem Typen und ich saß einfach nur da. Ging nicht lange so… ein ziemlich besoffener Typ setzte sich zu mir und bot mir ein Drink an…neeeeee duuu… was zu essen? Warum nicht? Dann kam die Bedienung mit Pommes und Hühnchen. Um 4 Uhr morgens esse ich also Pommes und Hühnchen. Immer noch froh um meinen Ehering gingen wir dann. Im Bus der theoretisch nach Ugunja ging pennte Leah gleich ein.

Es ist einfach extrem ulkig, wenn man nur realisiert, dass bald Weihnachten ist, wenn man nachts um 4 plötzlich denkt sein Handy klingelt aber nein, es ist ein Weihnachtsbaum aus Plastik der völlig schief und schräg Marys Boychild quietscht.

Ich hörte im Bus noch ein wenig Musik und sah dann das Wifi Zeichen aufleuchten. Cool vom Duke bis runter zum Parkplatz ging das. Gegen 5 fuhr der Bus dann aber auf Startposition grad aus der Wifizone raus. Mist. Da ich eh nicht nach Ugunja wollte ging ich dann halt zum Duke hoch. Der hatte natürlich zu aber einen Liegestuhl vor dem Eingang zur Rooftopbar. Nur kurz zur Erklärung: der Duke ist ein Hotel, das auf der Dachterrasse eine nette Bar hat mit Wifi. So wartete ich dort oben, checkte Mails und wurde dann um 6 von Gideon angerufen, mit dem und Mattias (FW aus Tansania), ich mich zum Kajaken treffen wollte.

Nach einem kurzen Frühstück gingen wir zum Ufer des Lake Viktorias und liehen dort die Kajaks aus um auf Hippo Suche zu gehen.

Herrlich so kurz nach Sonnenaufgang durch die Magrovenwälder zu paddeln.

Da muss man auch gute Einparkqualitäten besitzen um nicht dauern ein Baum zu rammen. Hippos haben wir keine gefunden aber dafür extrem viele verschiedene Vogelarten, mit Eisvogel und allem Drum und Dran.

Danach war ich aber ziemlich im Eimer. Kurz noch Mittagessen und dann hinlegen. Als ich aufwachte machten sich die anderen grad bereit um zu der Freiwilligen Mama zu gehen. Seit der ersten Freiwilligen Generation in Kenia ist sie so Ansprechpartner. Und mit einem griesgrämigen Polen verheiratet. Zusammen haben sie ein echt schnuckliges Kind und das zweite unterwegs. Der Sohn ist um die 4 und jammerte, dass er in der Schule Muzungu genannt wird. Ich konnte das richtig nachvollziehen, was das bedeutet.

Abends gings dann mit dem Bus nach Nairobi. Erst wars viel zu warm im Bus und dann je näher man Nairobi kam, desto kälter. Mit schlafen wars also nix. Um 6 Uhr morgens angekommen, die anderen Freiwilligen waren schon da. Achja. Ich musste nach Nairobi, weil ich eine Einladung von der deutschen Botschaft hatte. So eine Art kurz Seminar. Deswegen die anderen Freiwilligen. Ich verzog mich aber trotzdem erstmal nach Ngong zu Yusuf und schlief erstmal eine Runde und verbrachte dann den Nachmittag ruhig mit Scary Movie.

Abends traf man sich dann wieder. Auf dem Weg zum Treffpunkt lernte ich zwei Kenianer kennen. Zwei Brüder die beide Jeff hießen. Sie waren auf dem Weg zu einer After Wedding Party. Ich versprach da mal vorbeizuschauen. Mit den anderen FW zusammen gingen wir erstmal etwas trinken. Ich beobachtete ein paar kenianische Damen, von denen ich ihrer Kleidung und Benehmen nach zu Urteilen Prostituierte waren. Die anderen FW wollten mir nicht glauben. Also gut, testen wir das. Ausgestattet mit einer falschen Nummer, die eigentlich einem Kenianer gehört, mit denen die anderen FW Probleme hatten, sollte einer dann mal rübergehen, mit den Augenbrauen wackeln und „Call me. Anytime.“  Schnurren und dann wiederkommen. Natürlich kam nur ein Junge in frage. Aber wie so oft…große Klappe wenig dahinter. Er traute sich nicht. Und die beiden Jeffs kamen dann auch schon um uns abzuholen für die After Wedding Party. Dort war nicht viel los aber hatte ne geniale Aussicht über Nairobi.

Wir zogen dann weiter zu Tribeka wo irgendein Comedy Abend war…natürlich auf Swahili und Dholuo. Irgendwann spielten sie dann aber doch Musik.  Vicky, eine von uns ging zum DJ und fragte nach etwas mehr westlicher Musik, da man auf Rumba schlecht tanzen kann. Zumindest als Muzungu. Daraufhin landete sie auf der Bühne und wurde vor allen am Mirko interviewt. 

Wir freundeten uns mit einer Gruppe Kenianern an und hatten sehr viel Spaß beim tanzen. Unsre Jungs aber weniger. Die waren todmüde. Also tanzten die kenianischen Mädels sie an. Sehr lustig zu beobachten. Kenianer tanzen halt sehr ähm…ungehemmt…und so hat einer der Jungs ein halben Lapdance bekommen ehe er's sich versah.

Um 4 dann im Hotelzimmer gewesen (wo wir Mädels zu zweit uns ein Bett teilen konnten weil ich nicht mal eingecheckt hatte, weil es keine Einzelzimmer gab und wir eine ungerade Zahl waren. Der Rezeptionist schlief schon) und Morgens gings dann zur deutschen Botschaft, wo es so unglaublich deutsch war, dass es mir fast schon wieder zu viel wurde…so schön penibel und korrekt können nur deutsche sein… wir bekamen sehr anschauliche Vorträge, was passiert, wenn FW mit Drogen in kontakt kommen und erwischt werden, was passieren kann, wenn man illegal im Lande ist, wo man besser nicht hingehen sollte in Kenia und andere Dos und Donts. Mit vielen Beispielen von so-macht-mans-nicht-FW. Danach organisierte ich noch ein zusammen-feiern-gehen-Abend…wenn man schon mal alle zusammen ist. 

Abends traf man sich deshalb dann im Hotelzimmer von anderen FW und tauschte sich aus mit ein paar Bier (Fragerunde mit Vorstellen, wie man sein Chapati isst, ob man sein Klopapier knüllt oder faltet, etc.). Ich war echt sehr müde und schloss nur kurz die Augen. Das nächste was ich weiß, ist dass die anderen FW um 3 nachhause kamen und ich das Bett mit 3 anderen teilen musste. 2 pennten auf dem Boden. Mist.

Morgens machte ich mich auf den Weg nach Ngong um dort mein Pass zu holen, da ich dringend zum Immigration musste, da wirklich mein Tourist Visum schon ausgelaufen war und ich den Work Permit noch nicht hatte. Ich war schon mal beim Immigration gewesen, aber da hatte ich den Beleg vom Work Permit nicht dabei. Dank den Schauergeschichten aus der deutschen Botschaft und der Schreckensnachricht, das solche Visums nicht mehr verlängert werden, da Mr President ja Probleme beim ICC hat und auf den Westen nicht gut zu sprechen ist und Kenia alle Somali wegen dem Westgateattak aus dem Land haben möchte, hatte ich ziemlich bammel. Einige FW müssen schon nach Äthiopien oder Tansania ausreisen um dann an der grenze beim wieder einreisen ein neues Touri  Visum zu bekommen (was absolut kein Sinn macht.)

Ich hab übrigens den Weihnachtsmann getroffen.

Ich traf mich mit Riziki, einer kenianischen Freundin im Uhuru Park und wir tigerten zum Immigration. Dort reihte ich mich von einer Schlange in die nächste ein, um erstmal die Info zu bekommen wo ich eig. hin muss. Dann in der Richtigen Schlange angekommen und endlich drangekommen kam ich in einen Raum, wo mir eine Dame mitteilte, dass mein Work Permit (nach 4 Monaten) immer noch nicht durch sei. Die angegebene Zeit zum ausstellen eines solchen ist 2-3 Monate. Ja, scheiße. Sie meinte ich müsse jetzt ausreisen. Nach etwas rumjammern schickte sie mich aber dann einer anderen Dame mit, bei der die Hoffnung bestünde, dass es doch eine Verlängerung gibt. Dort wartete ich wieder eine Ewigkeit in der Schlange um von ihr dann einem Typ hinterhergeschickt zu werden. Dort in der Schlange traf ich einen blonden Typ, den ich letztes Mal im Immigration schon gesehen habe. Ich sprach ihn darauf an und merkte sofort an seinem Akzent, dass er Deutscher ist. Er hatte dasselbe Problem wie ich. Er wurde dann in den Raum gerufen und kam dann raus mit der Verlängerung des Tourist Visums in der Hand überglücklich und gab mir seine Nummer. Die Hoffnung keimte in mir. In der Schlange entdeckte ich auch einen italienischen Typ, den ich mal kurz an Flughafen getroffen habe, als ich mit Typhus mal einen Ausflug gemacht habe um ein Freund Yusufs dort abzuholen. Schließlich wurde ich auch in den Raum geholt. Ein dicker, älterer Beamter saß drin, sah sich mein Pass an und meinte ich sei illegal im Land. Ich erzählte eine rührende Geschichte von einer angeblichen Malaria die ich hatte und deshalb nicht rechtzeitig kommen konnte. Gefressen. Er meinte trotzdem meine Zeit sei abgelaufen und ich müsste wieder nach hause oder wenigstens aus der East African Community raus… also Äthiopien. Shit. Es gäbe keine Möglichkeit der Verlängerung und ich müsste außerhalb des Landes auf meinen Work Permit warten um dann wieder einreisen zu dürfen. Ich schrumpfte immer mehr zu einem Häufchen Elend. Er fragte mich was ich überhaupt in Kenia mache und ich erzählte ihm etwas von dem Plan (ohne Work Permit sollte man lieber nicht erwähnen, das man bereits arbeitet) als FW zu arbeiten und ganz viel Gutes für das Land zu tun. Er fragte was mir so an Kenia gefällt. Ich war nicht wirklich auf die Frage vorbereitet und stammelte etwas rum. Er unterbrach mich: „you got a kenyan boyfriend, right?“ ich sah mein Rettungsanker. „YES!“ „whats his name?“ äääääääääääääääääh….“Obiero!“ (so heißt mein Schneider) „your Boyfriend is very lucky. Say hi from me to him.“ und dann drückte er mir den Verlängerungsstempel drauf. Boah war ich happy. Draußen passte mich der Italiener ab, der kein solches Glück hatte. Er musste nach Äthiopien. Am 17. Januar ist er dann wieder da meinte er und gab mir seine Nummer. Hehe welch ein erfolgreicher  Tag: eine Visaverlängerung und zwei Nummern. Aber diese Willkür der Beamten schockierte mich sehr.

Ich fuhr zurück nach Ngong und da rief dann Mattias an. Er suchte dringend ein Schlafplatz. Ich fragte kurz nach und wir holten ihn dann ab. Der Abend wurde nett vertratscht und etwas Kiswahili gelernt. Mittwoch traf ich mich wieder mit Riziki und danach gleich mit Andreas, der Deutsche aus dem Immigration. Wir liefen so labernd in Nairobi rum und trafen auf ein paar Straßenkünstler, mit Einrädern, die auf Swahili eine Show abzogen. Kaum sahen sie uns „Muzungu, welcome!“ und dann „are you two married?“ Andreas „Nein“, ich hau ihm ihm die Seite und sag lieber „Ja“. Profylaktisch. Der eine Straßenkünstler:  „ok you bring your Wife, I bring mine and then we switch ok?“ Alter? Kopfschüttelnd weitergegangen. Zum Pizza essen! Herrlich! Gegen Abend traf ich mich dann mit Basti, Mattias und Moritz, die auch wegen Visa Problemen ausgereist sind. An dem Tag war abends das allgemeine Reinfeiern in 50 Jahre unabhängiges Kenia. Die Stadt war deshalb so unglaublich überfüllt, das man kaum vorwärts kam. Nach dem Abendessen deckten sie sich im Supermarkt für die Reise ein und Mattias und ich warteten draußen. Da saßen so ein paar Frauen, die auf Decken ihre Waren ausgebreitet hatten. Bei der einen kauften wir Pflaumen.

Plötzlich lief ein Typ an einer Dame vorbei und packte die Gürtel, die sie verkaufte und wollte damit wegrennen! Sie hielt eisern fest und es gab ein richtiges Gerangel, während die anderen Verkäuferinnen flüchteten. Ein paar andere Typen versuchten auch diese zu schnappen. Die Frau mit den Gürteln hatte ein Baby auf dem Rücken, das drohte aus dem Tuch rauszufallen. Alle Gaffer schrien auf und der Typ schaffte es dann die Gürtel an sich zu reißen. Ich war völlig geschockt, wusste aber, dass die Typen Polizei in Zivil waren, die die illegale Ware einsacken wollten. Mich wunderte nur, dass sie die Frau nicht verhafteten. Moritz und Basti hatten alles verpasst. Wir brachten sie noch zum Bus und fuhren dann wieder nach Ngong. Die Stadt war uns einfach zu voll.

Im Fernsehen beobachteten wir dann die 50 Jahr  Reinfeier und das folgende Fußballspiel, das Kenia sogar gewann. Ich ging morgens dann zum normalen Massai Markt um Weihnachtsgeschenke für die Familie zu kaufen. Dort in der großen Mall gab es eine Touristen Attraktion von dem „african King“, der so angezogen war, wie man sich Afrikaner vorstellt. Wie im Zoo. Ich fand es schrecklich. Am Massai Markt stürzte ich mich ins Handeln und schaffte es sogar am Schluss ein Kleid von 700 auf 450 zu handeln. Als ich bezahlen wollte, hatte ich aber nur 200 im Geldbeutel. Mist. Also schaffte ich es sie zu überreden mir das Kleid für die 200, eine Packung Bonbons und ein Kugelschreiber zu geben. Das ist Kenia Leute! Das würde beim C&A niemals gehen!

Ich dachte, da am eigentlichen 50 Jahre Jubiläum auch noch irgendwelche Events sein müssten und ging in den Uhuru Park, wo die 50 Jahr reinfeier Party war. Dort war es aber nur mega schlammig und halt ein weiterer normaler Massai Markt. Es war so schlammig, dass man nicht mal zu den Ständen kommen konnte. Im Uhuru Park lernte ich dann noch einen Ugander kennen, bis ich mich mit Jeff & Jeff traf, die mich nach Kibera, dem Größten Slum Kenias mitnehmen wollten. Jeff 1 hat dort nämlich mal gewohnt, weil dort die Miete verdammt günstig ist. Kibera ist im Grunde eigentlich wie ein normales ärmliches Stadtviertel, nur sehr viel enger zusammengepfercht und komplett schlammig. Darüber hätte ich beinahe meine mündliche Abi Prüfung gehalten.

Ich sah sogar einige Wazungus da drin, was mich wunderte. Aber Kibera ist auch ein Touristen Zentrum. Einer gegrüßte mich mit „Muzungu!“ ich dann „Jambo! Hakuna matata!“ (für die, die den Blog zum ersten Mal lesen: das ist kein Kiswahili. Das ist König der Löwen)der arme Typ war daraufhin völlig verwirrt, weil er die Ironie glaub ich raugehört hat. Naja.  Durch Kibera geht eine alte Eisenbahnstrecke, auf der wir langwanderten.

Das schöne an Kibera ist, dass man nicht angebettelt wird, da dort hauptsächlich Arme wohnen…und ein Bettler kann einen Bettler nicht anbetteln. Deswegen sind die Bettler eher dort wo Reiche sind. 

Abends nach Ngong und am nächsten Tag nach Naivascha, wo ich für den anstehenden Besuch meiner Familie Preise auskundschaften wollte. Der blöde Bus hielt aber gar nicht in Naivascha und ließ mich dann ein Ort weiter raus. In Naivascha lernte ich Peter kennen, ein Kikuju, der mich rumführte und mit dem man sich prima unterhalten konnte.

Wir wanderten auch zum Lake Naivascha runter wo Marabus rumliefen (eine sehr hässliche Storchart) die größer als manche Kinder waren. 

Abends fuhr ich noch nach Nakuru um von dort dann zurück nach Ugunja zu fahren wo ich morgens um 4 ankam. Sonntagmorgen um 7 klingelte mein Telefon. Am Handy war der Typ aus dem Signature, dem ich zwangsweise meine Nummer geben musste weil Leahs Handy kein Saft mehr hatte. Auf die Frage  was er verdammt nochmal wollte meinte er „just wanted to say hi.“ Uuuuuuuuuuuuhhh fataler Fehler…. Sagen wirs mal so… er wird nie wieder wagen anzurufen. Egal wann.

Ansonsten wagte ich einen weiteren Brotbackversuch. Und war erfolgreich! Okeeeeh man hat nach dem Verzehr Muskelkater in der Kaumuskulatur aber ich hab’s genossen! Es war 100 mal besser als dieses kenianische Softballbrot, das nach nix schmeckt… ist halt nur ungetoasteter Toast.

Nix zu tun, also schwimmen gehen. Mit dem Fahrrad zum Nzoia River und mir dann ne feine Stelle ausgesucht, abseits der Arbeiter, wo mich niemand nervt. Reinhüpfen ist kein Problem. Aber sobald ich drin war merkte ich, dass da irgendwie mehr Strömung war als sonst. Und, dass das Rauskommen nicht so einfach werden könnte wie ich mir das gedacht hatte. Das war nämlich ziemlich steil. Als ich es Probehalber mal versuchte merkte ich, dass dieser steile Abhang auch aus poröser Erde besteht, die Wegrutscht, wenn ich drauftrete. Hm. Mist. Ich probierte es nochmals an anderen Stellen aber die waren nicht besser. Selbst die Wurzeln boten keinen Halt. So langsam wurde ich panisch. Ich kämpfte immer weiter um mich aus dem Fluss zu ziehen und lernte dabei eine neue giftige Pflanzenart kennen. Hammer. Also nahm ich alle Kraft zusammen und schwom gegen die Strömung um einen Papyrusstrauch drum rum. Dort schaffte ich es schließlich mit einigen Schrammen und noch viel schmutziger kam ich raus als ich reingehüpft bin. Das ist irgendwie nicht so der Sinn des Badens. Ich ging also zu meiner Stammstelle zurück und badete dort ein wenig weiter.

Und dann –oh nein-die Kiddies. Bitte nicht.  „how are u?“  Mist. „grmmmmmmmmglrrrrwwwrrrrrmmfine“  Kindergegiggel.

Ich mache mich auf einen weiteren Kampf um meine Ruhe gefasst. „Please go away!“  „We want watch u!“ Ok. Ne. Diesmal nicht. Ich steige sofort aus dem Wasser und stapfe drohend auf sie zu. Sie hauen ab. leider nicht lange. Ich versuche es mit ignorieren und setzte mich auf einen Stein und lerne Kiswahili. Funktioniert nicht. *platsch* hat der Scheißzwerg grad etwa ein Stein in meine Richtung geschmissen? Ruhig bleiben. Ignorieren. „How are u?“ Ignorieren. „How are youhuuuuuuuu?“ Ruhig bleiben. ”heeeeeeey how are you?” Mir kommen diese Anime Comics in den Kopf wo beim genervten Manga dann sie Stirnader anfängt zu pochen. „Muzungu! How are u?“ Ok keine Lust mehr. Ich ziehe mich wieder an und gehe einfach. Kiddies hauen ab.  ich glaube ich muss mir ne Steinschleuder besorgen. Oder gleich ne Bazooka.

Montag räumte ich mal spontan die Tree Nursery auf und …Jaaaaa es geht immer noch nicht anders…verbrannte den Müll. Basti, den ich ja in Nairobi schon getroffen hatte kam vorbei und wir gingen abends einen trinken. Nach ein bisschen Bierkeg (selbstgebrautes lokales Bier) suchten wir die Mama, die Changaa braut. Die schlief aber schon. Also fragten wir einfach jemand. Der meinte wir sollen einfach diesem Herrn dort folgen und ihm einen ausgeben. Der führte uns in einen Hauseingang, wo zwei Männer Graß rauchten. Okeeeeh. Wegen dem Bierkeg musste ich auf die Toilette und als ich wieder raus kam unterhielt sich Basti mit ein paar Einheimischen. Die fragten uns, wo man hier Weed kaufen kann. Ja da drüben, wos danach riecht denk ich mal. Sollte man aber net machen, in Kenia kommt man dafür schnell in Knast. Jaja, danke. Wir laberten noch ein bisschen über des Thema und plötzlich holt der Typ Handschellen raus und meint: ihr seid verhaftet. Ups. Ähm. Warum? Ja ihr seid doch hier wegen dem Weed oder? Nee? Doch. Nein. Doch, alle kommen hier her wegen Weed. Wir suchten nur eine Toilette. Na klar… da ist aber der Langerraum für Weed drin. Shit das wusste ich nicht. Ihr seid verhaftet. Wir haben kein Weed! Prüft doch den Atem! Durchsucht uns! Oh man hatte ich Panik. Grad nach dem was die deutsche Botschaft über kenianischen Knast erzählt hat. Wir schafften es aber uns rauszureden ohne ihn bestechen zu müssen. Er meinte noch, des nächste mal sind wir dann aber dran und wir verdrückten uns ganz schnell. Ach du Scheißeeeeeee…. Das hätte auch schiefgehen können! Lieber zurück in die Kneipe wo alles sicher und legal ist. Dort trafen wir einen Typ von vorhin wieder… wir waren zwar die einzigen in der Kneipe mit dem aber das machte es nur umso lustiger. Wir tanzen sogar zu Rumba Musik, was echt komisch ausgesehen haben muss. Der Barkeeper meinte „oh please come more often, u guys are awesome! Please come tomorrow!” tyahaaaaa Wazungus sind halt entertainend.

Am nächsten Tag versuchte ich mit Basti im Schlepptau dann den Schrank, den der Fundi für mich bauen sollte voranzutreiben. Dazu musste ich Matten kaufen. Mein Bettgestell habe ich ihm schon zum verbauen gegeben. Ich kaufte auch gleich Matten für eine Zwischendecke, die immer noch in meiner Wohnung fehlt. Das anbringen dieser Matten wurde jedoch zum Problem. Dazu kletterte ich erstmal in die Zwischendeckenebene hoch um dann mit Dave, dem Nachbarjungen versuchen das Ding da irgendwie anzubringen.

Nach viel Staub, Geschiebe, Gedrücke und Rumbastelei gaben wir mit dem halbfertigen Konstrukt auf. Ohne Nachbars Hilfe am nächsten Tag hätte ich das nicht geschafft…

Ansonsten hatte ich noch ein Interview mit einem Reporter der Stuttgarter Nachrichten. Der Artikel ist inzwischen draußen aber ein paar Dinge stimmen nicht so ganz. Ich bin keine Ludwigsburgerin und auf dem Foto sind Turkanerinner aus Lokichar. Nicht Ugunja, da läuft kein Mensch so rum. Dann finde ich kenianisches Essen eigentlich toll. Nur nicht sonderlich abwechslungsreich.

 Irgendwann beim arbeiten schrieb mich ein ehemaliger Praktikant von Tembea an. Er müsse etwas mit mir besprechen. Etwas sehr wichtiges, was nicht per Mail geht und er könne das auch nur außerhalb des Office. Ich ahnte böses. Wir gingen also zusammen Mittagessen und dann kams. „Do u think u can have me as a kenyan Boyfriend?“ aaaach maaaaaaaaan! Warum kann man nicht einfach nur Kumpels haben und mit dem Mist in Ruhe gelassen werden? Ich vermisse die Schüchternheit der deutschen Jungs.  Ok lieber Herr Praktikant. Ich sehe dich jetzt das dritte Mal. Ich kann nicht sagen, dass ich nie einen kenianischen Freund haben werde aber meine Güte auf die Tour garantiert nicht. Ich musste ihm dann ernsthaft erklären, wie das kennenlernen zwischen Bienchen und Blümchen funktioniert. Die Biene rast nicht einfach so auf die arme Blume zu und nervt sie mit solchen Fragen. Das mögen Blumen im allgemein nicht. Warum denken die hiesigen blöden Bienen sie kommen damit durch? Ich verstehs nicht. Ok er darf sich nun in die jaja-ich-werde-mich-melden-Schlange anstellen.

Freitag fuhr ich also dann nach Kisumu, weil meine Familie am Samstag nach Kenia kommen wollte. Vorher machte ich aber noch in Maseno halt. Da geht die Äquator Line durch. Ich bin da so oft nun schon drübergefahren ohne zu realisieren, dass Kisumu auf der Südhalbkugel und Ugunja auf der Nordhalbkugel liegt! Und da war er dann, das Äquatordenkmal. Ich glaube die umliegenden Einheimischen sind es mittlerweile gewöhnt, dass ab und zu ein paar seltsame Wazungus kommen und sich tierisch freuen. *hüpf* Nordhalbkugel! *hüpf* Südhalbkugel! *hüpf* Nordhalbkugel! Und so weiter… nachdem ich fertig war mit mich freuen fuhr ich dann wie gewohnt weiter nach Kisumu.

Alle  Kisumu FW waren aber entweder an der Küste in Mombasa oder irgendwo anders, nur nicht in Kisumu. Nur eine namens Alina war da, bei der ich auch pennen durfte. Wir trafen uns auch mit ihrem Freund, dessen Vater ein Hotel besitzt, wo wir abends einkehrten.  Alinas Haus ist eigentlich das von Serge, den ich lustigerweise schon auf dem Peace Festival von vor 4 Monaten kennengelernt hatte. Alina hats gut…Toaster, Waschmaschine, Kühlschrank, Sandwitchmaker, Wasserkocher, Ofen, Herd, immer fließend Wasser etc. etc… andererseits frag ich mich ob ich überhaupt so weit über dem kenianischen Standard leben wollen würde. Eigentlich nicht. Ich bin zufrieden mit meiner manchmal funktionierenden, immer tropfenden Dusche.

Samstagmorgen realisierte ich, dass meine Familie erst am Sonntag kommen würde. Ich machte mich also auf den Weg nach Siaya, wo Leah gesagt hatte, da fände eine Fashionweek statt…so im Nachhinein glaube ich, die haben da was falsch verstanden…die sogenannte FashionWEEK ging nur ein Abend lang. Als ich da im Matatu saß kam plötzlich ein Typ angelaufen und meinte „Muzungu, look!“ und hielt mir ein Foto von seinem IPhone unter die Nase wo er und ein dicker Muzungu drauf waren. Aha. Und?  Not impressed.

In Siaya holte mich Leah ab und wir gingen zu einem Haus, wo lauter Jugendliche drin saßen. Nur zu Anmerkung: wie immer hatte ich kein Plan was ich hier mache und was jetzt so passiert. Ich wusste nur, dass da ne Fashionweek sei. Ich hocke mich also dazu und alles ist still. Mir wurde gesagt man warte auf die Designer. Eine Designerin tauchte dann auch auf aber irgendwie fehlten zwei Models. Für Leah war die Sache glassklar: ich muss einspringen. Ohne Wiederrede. Öhm. Ok. Ich wurde also in ein Klein gesteckt, half beim schminken und wir wurden dann auf Pikkis zu einem Platz gefahren, wo afrikanische Bastarbeiten in einem Quadrat angeordnet dastanden. Die meisten Mädels hatten das anscheinend noch nie gemacht und keiner hatte so richtig den Plan was die jetzt von einem erwarten. Irgendwie brachten wir dann ein Fotoshooting zustande mit einem Chinesen, der sich als Mr Zhang vorstellte.

Nach dem Improvisierten Fotoshooting fuhr ein Pickup vor, auf dessen Ladefläche wir uns dazu quetschten und dann machten wir Werbung. In Kenia läuft das so: man steigt wie gesagt auf einen Pickup, dreht die Musik auf Tinnitus lautstarke auf und dreht sie dann leiser wenn man mit dem Mikro das rumbrüllen will, was man zu sagen hat. Der Rest tanzt auf dem Pickup. So fährt man einmal durch die Stadt, dreht um und fährt das ganze noch eimal ab, um sicherzugehen, dass auch alle Tinnitus haben. So wurden wir letztendlich 20m von unserem Ausgangspunkt abgeliefert.

Wir kamen dann zu einem Club, wo kein Schwein da war und warteten auf die restlichen Designers. Ein paar andere Models waren auch schon da. Irgendwann gings dann los. Umgezogen mussten wir dann raus über den Catwalk. Und leider waren inzwischen mehr Schweine..ähm..Leute eingetroffen. Die Hoffnung mit es guckt ja eh keiner, weil keiner da, starb leider also ganz am Anfang. Dann wieder umziehen in das was die Designer uns so gaben plus Highheels und dann gings richtig zur Sache. Stacks, Stacks, Stacks, Pose, Pose, Stacks, Stacks, Stacks Pose! Hehe aber irgendwie machte es auch Spaß.

Kaum war man wieder im Raum wartete schon der nächste Designer. Und dann das ganze nochmals von vorn. Nur kurz:  ich war absolut weit und breit die einzige Weiße. Ein Araber gabs dann aber noch. Der wurde als ein Typ von Katar Airlines vorgestellt, der Models für seine Werbung sucht. So catwalkten wir dann mit noch mehr Ansporn. (Leah erzählte mir, dass sie im Nachhinein erfahren hatte, das der Typ nur Models nach Katar mitnimmt, die sich einverstanden erklären statt Model "Putzhilfe" in inren Pass reinschreiben zu lassen...alles klar...)

Als alles rum war mutierte die Fashion Week zur normalen Party. Ich verkroch mich aber ins Zimmer weil A zu viele Typen auf der Suche nach mir waren und mir B die Füße von den Highheels wehtaten. Dort pennte ich auch direkt ein, soweit das ging bei der lauten Musik. Gegen halb 5 wurde ich dann geweckt um wieder zurück zum Haus zu gehen. Um 8 klingelte dann das Handy mit Mama (also meiner) in der Leitung. Ich machte mich also auf den Weg nach Kisumu, wo sie mit dem Flieger eintreffen werden.

 

23November
2013

Turkana - Sonnenfinsterniss, Ich als Weihnachtsbaum, Wasser schleppen, Blut trinken und Thyphus

Kurze Notiz im Vorraus: ich schreib gerade von einem Laptop eines Freundes, wo es keine Umlaute oder Scharf s gibt. Also nicht wundern

Montag 28.Oktober.

Mir ging es immer noch ziemlich mies, weswegen ich recht wenig gemacht habe. Deinstag habe ich mir dann Rat von einem Online Arzt geholt. Wie ichs mir gedacht habe war ich komplett dehydriert, weil ich Samsatg so gut wie nichts getrunken hatte und sehr viel gewandert bin. Aber in Kenia geht man halt immerglich von Malaria, Billharziose, Typhus etcaus. Nach ein paar Tagen mit viel trinken war dannauch der Blutdruckwieder normal. Meine kleine Schwester hatte am 6. Nobember Gebutstag und ich kaufte am Markttag ein Kanga. Das ist ein kenianisches Tuch und brachte es zum Fundi (Naeher) um daraus eine Schlabberhose zu machen. Ich konnte auch nicht wiederstehen auch eine fuer mich machen zu lassen… Schlabberhosen fetisch halt.

Ansonsten gingen Sascha und ich Mittwoch Abend noch spontan ein Biercake trinken mit Zepf und Victor. Biercake ist so das was bei der Bierprouktion uebrig bleibt und ist deswegen ziemlich guenstig. Ein Galss 20 cent. Die Aktion war ziemlich lustig und Zeph kaufte einen Guertel von einem Verkaeufer, der in der Bar rumlief. Etwas betrunken waren wir noch zum Abendessen eigeladen bei Lucy, meiner inzwischen fast besten Freundin. Dort gabs Reis mit Linsen.

Halloween auf kenianisch geht uebrigens so: man macht nix. Halloween gbts nicht. Vor allem nicht in einem Kaff wie Ugunja. Wird voellig ignoriert. Leider.

Freitag war Saschas Abschiedsparty und letzter Arbeitstag. Dafuer wurde eine Ziege geschlachtet und es gab viel zu essen und Musik, wir haben ihn sogar zum tanzen gebracht was nicht leicht war. Der Plan mit Vegetarier sein habe ich aufegeben. Vorallem der Fisch hier schmeckt schon echt gut. Und man wird extreme komisch angeschaut wenn man meint, das man kein Flesch isst. Ausserdem wenn man mal so vergleicht: die Tiere hier haben ein sehr viel besseres Leben als bei der Massentierhaltung in Deutschland. Hab ich eigentlich erzeahlt, dass man hier mit Haenden isst? Zurueckzur Party: Jeder musste Reden halten, Sascha wurde einem Fotoshooting unterzogen und am Schluss wurden Zertifikate ueberreicht und eine Trophaehe als Abschiedsgeschenk.

Danach waren wir noch bei Joschua eingeladen aber ich verabschiedete mich frueher, da es die letzte Moeglichkeit war fuer mich mit meinen Eltern von Saschas Laptop aus zu skypen. Damit endete fuer mich eine schoene Zeit mit Sascha als Mitbewohner mit einer Sockenhirarchie und nie realisierter Bierwaehrung. Abjetzt muss ich es irgendwie mit kochen selber auf die reihebekommen. Oder jeden Abend fuer 20 cent essen gehen…wahrscheinlicheher das.

Samstag Morgen wollte ich um 6 den Bus nach Kitale nehmen, da ich am Lake Turkana die Sonnenfinsterniss mitbekommen wollte. Um kurz vor 7 wachte ich etwas verpennt auf. So ein Scheiss. Der Bus war natuerlich schon weg und ich musste den Umweg ueber Kisumu nehmen. Und ich wurde zuerst in den falschen Bus gelotst, der mich nach einer Weile rausschmiss und das Matatu ewig brauchte um loszu fahren. In Kisumu fand ich relativ schnell das richtige Matatu nach Kitale. Aber meine Nebensitzerin haette mit ihren 120 Kilo eigentlich 2 Sitze gebraucht, weswegen ich nur einen halben hatte fuer diese 3h.Das hier ist uebrigens ein Schid von einem Medizinmann, welche man heufiger sieht... hier nennt man sie Herbalists. Daneben gibt es noch die Whitchdoctors, vor denen die Leute ziemlich Angst haben. Und sie glauben genausostark an ihre Kreafte wie an die Kirche. Ich hab schon verdammt wilde Geschichten gehoert. So einen will ich unbedingt mal besuchen.

In Kitale waren kaum noch Busse nach Lodwar da, da ziemlich viele Leute diegleiche Idee mit der Sonnenfinsterniss hatten. Einer fuhr noch. Der Konduktor meinte in einer Stunde. Nach dieser Stunde kam ich zurueck und fragte, ob er jetzt losfuhr. Nein. Erst in einer Stunde. Super. Ok nochmal sinnlos durch die Gegend gelaufen und dabei einen schoenen Kanga gekauft und wieder zurueck. Faehrt er nun los? Ja, gleich steig ein. Eine Frau verkaufte Fruchtsaft und als sie wieder raus ging ging voll der Streit los. Mit viel gezetere und vielen Schaulustigen ging der Typ mit dem sie sich wegen irgendwas zoffte fast miteinem Messer auf sie los. Der Ehemann nahm sie zum Schluss mit und es kehrte wieder Ruhe ein. Nach ner weiteren Stunde im Bus gesessen, der immer noch nicht losfuhr fragte ich nochmal. Ja, er feahrt gleich los. Na klar. Ich wartete dann aber draussen im Sonnenschein.Der Konduktor wurde schon ganz panisch, dass ich weglaufen wuede und garnicht mitfahren. Nur irgenwie ist Kaitale schlimmer als andere keniansiche Staedte. Man kann wirklich keine Minute in Ruhe irgendwo sitzten ohne, dass irgendwelche Leute einen belaestigen. Vor allem der Konduktor war nervig. Fragte mich, ob ich ihm Zigaretten kaufen keonnte und warum ich nicht einsteige. Ich unterhielt mich lange mit einem Studenten namens Amiin, der auch wartete, dass der Bus losfuhr.

Achja…allgemein Fahrzeuge in Kenia scheissen auf Sprit und Umwelt. Der Motor lief die kompletten 4 Stunden in denen ich wartete. Als er dann endlich losfuhr sass ich neben einem jungen Mann namens Enene. Er ist Musiker in Lokichar nahe Lodwar und erzeahlte mir viel ueber die Turkanische Kultur. Die Turkanas sind die ethnische Gruppe um den Lake Turkana. Und sie sind im Krieg gegen die Purkot. Es gibt woechentlich Tote und es geht hauptsachlich um Rinder, Schafe, Kamele und Ziegen die in Raubueberfaellen geklaut, bzw zurueckgeholt werden. Sie sprechen Kiturkana, das mit Swahili null aehnlichkeit hat. Und sie sind Normaden, die von ihren Herden leben.

Der Bus fuhr ueber Nacht und mein Nacken tat nach den erstn paar Stunden fuerchterlich weh. Die kenianische Regierung interessiert sich null fuer diesen Teil Kenias, weil die Kikuju an der Machtsind und deshalb sind die Strassen genauso urspruegnlich wie vor 100 Jahren. Nur abgefahrener. Und ich sass hinten im Bus. Da ist man so schoen am wegdoesen und dann kommt der naechste Hubbel und Bumm das war die Decke. dazu hatte der bus dann gegen 3 Uhr morgens eine Reifenpanne, weswegen es noch leanger dauerte.

Statt um 3 Uhr morgens kam ich nun um 6 Uhr an. War aber auch besser so, sonst heatte ich Joseph, den Freund Saschas aus dem Schlaf geklingelt. Am Stage in Lodwar wartete ich nun auf ihn als ich mich mit Amiin unterhielt. In Lodwar ist die ethnische Gruppe der Turkana anseassig und Lodwar liegt auch im gleichnamigen Staat Turkana. Die Turkana und die Maasai sind die letzten beiden ethnischen Gruppen, die traditionell leben. Ich konnte mich kaum satt sehen an all den Frauen und Meannern, die rumliefen wie im Bilderbuch Afrika. Die Frauen tragen sogenannte Schangaas. Das sind die Halsketten, die sie ihr ganzes Leben lang Tag und Nacht trafen und den Hals strecken.

Die Meanner haben alle einen Wanderstock und einen miniatur Stuhl sie tragen den immer mit sich rum und benutzten ihn auch als Kopfkissen. Meine Eltern haben mir mal eine Postkarte mitgebracht aus Kenia, wo ein Mann abgebildet ist, der auf so einem Ding schleaft. Ich habe nie gewusst warum und was das ist.

Zudem haben viele Narben auf den Armen und im Gesicht und sind in Tuechern gekleidet. Die Frauen haben dazu noch eine spezielle irokesen Frisur, die manchmal mit roter Erde bemalt ist. Und Ohrringe. Und Narben auf dem Ruecken. Leider mochten sie nicht fotografiert werden und ich respektierte das. Die Fotos hier habe ich spaeter legitim gemacht. 

Nach einiger Zeit kam dann ein Mann auf mich zu der nicht verneinte als ich fragte ob er Joseph sei und nahm mich an die Hand und spatzierte mit mir und einem anderen Typ der sich als Tour Guide vorstellte zu einem Hotel. Dort versuchten sie sich ein Fruehstueck auf meine Kosten zu bestellen und mir eine solar eclipse Tour anzudrehen. Irgendwie war das absolut nicht der Joseph aus Saschas Beschreibung und als ich ging, gab er es auch zu ueberhaupt nichtmal irgendein Joseph zu sein.  Ich versuchte sie abzuschuetteln und ging zurueck zum Stage, wo der Bus noch da war und Amiin wartete.

Der zweite Versuch klappte dann zum Glueck und Joseph stellte sich als netter Familienvater herraus, der in der NGO Merlin arbeitet und sich fuer Menschen mit Behinderung einsetzt. Wir frueschtueckten erstml, laberten viel und trafen danach einem taubstummen Mann aus seinem Programm. Es ist echt schoen sich ein bisschen unterhalten zu koennen auch wenn ich noch nicht sooo unglaublich viel kann. Auch zeigte er mir seine Klinik, da er auch als Arzt arbeitet. In der Klinik lief im Wartezimmer lustigerweise Ich- einfach unverbesserlich Teil 1. Das haette ich absolut nie erwartet. Und „Muzungu, how are you“ an allen Ecken. Das nervt. Joseph kontaktierte seinen Cousin, der uns dann nach Eliga Springs mitnahm um die Sonnenfinsterniss zu sehen. Das ist 70m weit weg von Lodwar und direkt am Ufer des Lake Turkana. Am Anfang sass ich vorne im Auto und realisierte irgendwann, dass hinten auf der Ladefleache des Jeeps Leute sassen. Ich will auch! Das war geil. Sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, dabei zwischen Bierkaesten hocken, eins in der Hand zu haben und durch die unglublich schoene Turkanische Landschaft zu fahren. Bzw zu huepfen. Die Strassen sind immer noch unter aller Sau.

 

Turkana County ist geografisch glaub ich als Halbwueste oder Steppe zu bezeichnen. Sehr staubig, sehr trocken und hat ein paar hartlaub Gewaechse, die alle Dornen oder sonstiges zur Verteidigung gegen die Kamele haben, die ich auch ab und zu am Strassenrand gesehen hab. Zwischendurch ein paar Huetten aus Stoecken und jede Menge Ziegen. Rinder habe ich keine gesehen. Fuer die ist es um den See rum zu trocken. Den Klimawandel habe ich hier mit eignen Augen sehen koennen. Der See ist auf ein fuenftel seiner ursprueglichen groesse ausgetrocknet. Im geografie Unterricht – ich kanns kaum fassen das Abi ist ein halbes Jahr her- habe ich in einem Referat ueber Kenia, von dem Kampf ums Wasser in Turkana gehalten. Die Fische werden immer schwieriger zu fangen, vor allem mit den primitiven Fangmethoden der Fischer, weil sie in immer tiefere Teile des verbliebenen Sees fluechten und das Wasser immer weniger wird, was den Leuten ihre Lebensgrundlage nimmt und Turkana damit zu den aermsten Regionen Kenias zehlen laesst.

Am See angekommen hatte ich einen herlichen Strandtag mit viel schwimmen, ganz ohne Billharziose Sorgen (wenn ein lokaler Arzt das sagt muss es stimmen), in der Sonne liegen und es hatte...hehe...wollt ihr wirklich wissen? 42 grad! BAEM! Geil! Mit dem kuehlen Wind fuehlte es sich aber eher wie 35 an. Perfekt.

Ach ja..und ich kanns nicht lassen was? Einmal Cheerleader, immer Cheerlaeder. Ich brachte den Jungs den Basket bei und wir schmissen ein paar Leute im Wasser durch die Gegend und ich drehte ein paar Rueckweartssaltos. Es war eine richtige Strandparty mit Musik, Essen, vielen Leuten, eeeehm...Getraenken und einmal kamen ein paar Leute, die sich in ihre traditionelle Krieger Kluft geschmissen hatten und singen, tanzend und ein bisschen entertainten. Dazu laufen sie in einer Gruppe rum, die Stoecke hoch erhoben, und in einem Stampf Rhythmus singen sie dann etwas dazu. Die Frauen kamen her und huepften im Tackt. Ab und zu loeste sich einer der Krieger aus der Gruppe und huepfte die Frauen ohne Witz an.

Es brauchte etwas bis ich die Spielregeln verstand. Wenn einen so ein Krieger anhuepft versucht man auszuweichen. Wenn er einen mit den Knien beruehrt hat man verloren. Tya bloed wenn man das am Anfang nicht weiss. Sie gaben mir den Namen Aribokin, das Sonnenfinsterniss auf Kiturkana heisst.

Die Sonnenfinsterniss startete um 16:56. Irgendwie verlor die Welt an Farben und alles wurde immer grauer und bekam lange Schatten. Aber von der Sonne sehen konnte man nix, da unter 40 Leuten genau 3 Leute eine Solar eclipse Brille hatten. Und ich war keiner davon. Aber ich hab den Hautfarben Vorteil. Und ne gute Kamera. Also durfte ich ziemlich oft mal gucken und durch die Gleaser fotografieren.

Und die Leute wollten dann mit ihren Handys meine Kamera abfotografieren. Und zwar viele Leute. Und genau jetzt. Maaaaaaan meine Kamera exisiert noch nach der Sonnenfinsterniss und lasst mich in Ruhe! Einer war echt besonders penedrant und betunken. Selbst als ich demonstativ aufgestanden bin, seinen Griff abgeschuettelt hab und mich 10m weiter weg hingestzt hab kam er hinterher. Ich ging dann halt eben noch weiter weg. Und traf die Studenten aus dem Bus wieder. Die hatten eine betrunkene Freundin dabei, die mich ganz wild fotografierte. Und dann ihrer Freundin die Kamera gab und mich umarmte um dabei fotografiert zu werden. Und noch ein paar Fotos mit mir und ihr selbst drauf und dann ging sie lachend ihrer Wege. What the Fuck? Sie wollte nichtmal meinen Namen wissen aber auf den Fotos so aussehen als sei sie meine BFF. Alter. Bin ich im Zoo? Oder Paris Hilton? Bei der Bar fand ich einen Schluessel im Sand und gleich kamen ein paar zutieft dankbare Turkaner angerannt und wollten mich aus Dankbarkeit vom Fleck weg heiraten. Sie fragten wie viele Rinder, Kamele und Ziegen mein Vater verlangte....eeeeeehm...ich bin unbezahlbar? Die Sonnenfinsterniss endete derweil in einem normalen Sonnenuntergang und die Leute, die nicht am Stand uebernachten wollten brachen auf um nicht durch die Dunkelheit nachhause fahren zu muessen. Mussten wir trotzdem und das ist auf den Strassen hier und mit den Staub der vorranfahrenden Autos absolut nicht einfach.

Bei Joseph angekommen laberten wir noch ein bisschen und ich verzog mich dann ins Bett, da ich die Nacht davor ja on the road verbracht hab und kaum Schlaf hatte. Alles in allem ein sehr schoener Strandtag mit etwas Sonnenbrand waehrend ihr in Deutschland wieviel grad nochmal habt? Tut mir leid ein wenig Schadenfreude muesst ihr mir lassen. Dafuer hatte ich bei Josef weder Strom noch fliessend Wasser. Bins aber inzwischen gewohnt.

Montag spannte ich aus und machte mir einen ruhigen Tag mit waschen, Klamotten flicken und mit Susan, dem Hausmeadchen kochen. Sie ist gerade mal 13, spricht nur Swahili und darf nicht zur Schule, weil ihr Vater es nicht erlaubt. Zu wenig Geld fuer Schulgeld also bildet man nur die Soehne. Nach Tradition sind Frauen ja sowieso nur Hausfrau und Mutter. Also warum Bildung?

Nachmittags besuchte ich dann Joseph bei Merlin, seiner NGO und lerte ein bisschen ueber sein Projekt und erzeahlte von Tembeas Projekten. Leider durfte ich nicht wirklich Einblick in Merlin haben, wie ich mir das vorstelle. Neamlich einfach mal ein Tag lang mit einem Field Office oder so zu den Communities gehen. Wegen den ganzen Al Shabab Terror Angriffen fuerchten die Chefs etwas Ausleander. Koennten ja Spione sein. Auf dem Rueckweg redeten wir viel und ploetzlich blieb Joseph stehen und meinte wir werden verfolgt. Wir warteten kurz und er zeigte mir den Typ, der daraufhin die Strassenseite wechselte und wegging. Bei Joseph dahein erzeahlte er mir viel ueber die Turkana Kultur und die Probleme, mit denen die Leute keampfen.

Da die Leute Normaden sind sind Schulen sehr schwer zu etablieren gewesen. Er selbst hat in seiner Kindheit seine Eltern nur alle paar Jahre gesehen und durfte auch nur zur Schule gehen, weil er seine Eltern von Bildung ueberzeugen konnte. Die meisten anderen sehen aber wenig Sinn in Bildung, und haben eine Schule oder das Wissen was die Wurzel aus 23, Photosynthese oder wie man den Ph Wert aus Phophorsaere ausrechet nie gebraucht. Ihr ganzes Leben und das ihrer Vorfahren und Ahnen haben sie Rinder gehuetet und sind durch die Lande gezogen auf der Suche nach Weidefleachen. Dazu kommt noch, dass sie im Krieg mit den Purkot sind, die um Kitale beheimatet sind. Die Purkot ueberfallen die Turkana und klauen das Vieh und hinterlassen Leichen und die Turkana reachen sich und klauen das Vieh zurueck...und so geht der Teufelskreislauf der Rache schon seit Generationen. Niemand weiss mehr wer angefangen hat und warum. Als Josef ein Kind war erlebte er einen Raubueberfall mit, bei dem er dank seinem Onkel einer der wenigen Ueberlebenden war. Ein komplettes Dorf wurde umzingelt und alle, die nicht entkommen konnten erschossen. Ich glaube die Purkot haben aehnliche Geschichten zu erzeahlen. Er erzeahlte mir auch, das die Turkana an die Natur glauben als Gott, die in den Heiligen Baeumen beheimatet sind.

Die aeltesten Maenner setzen sich darunter wenn es ein Problem gibt und sprechen zu der Natur, bis sich das Problem geloest hat. Meistens ist das Problem Regen. Und so lange wie sie darunter sitzten, Tage, Wochen, Monate wird teaglich eine Ziege geschlachtet und gegessen. Die Narben, die die Turkana haben dienen zur indentifizierung. Jeder Turkana hat auf der Stirn zwei, viele auch auf den Wangen, ja nach Caln und wie traditionell die Leute leben. Josef hat auch welche am Bauch. Die werden mit einem Dorn und einem Messer zugefuegt.

Ich fragte ihn auch zum Thema Brautpreis, wegen den Angeboten am See. Naja. Der Vater verkauft die Tocher sozusagen. Die hat da absolut kein mitspracherecht. Und wenn eine 14 jaehrige an einen 40 jeahrigen verkauft wird ist das halt so. Und wenn sie fremd geht bluten die Ziegen aus der Nase und jeder weiss es und der fremde Mann muss in Ziegen bezahlen. Und wenn die Ziegen einfach so mal Nasenbluten haben? Das geht nicht. Ja aber wenn mal ne Ziege ne Krankheit hat die sie aus der Nase bluten laesst und die Frau absolut nix getan hat? Gibt es nicht. Und wenn die Frau fremd geht und die Ziegen nicht bluten? Gibts auch nicht. Aha...ok...und das von einem gebildeten Arzt. Dann muss das wohl so sein.

Wir redeten auch viel ueber die sog. Entwicklungshilfe. Ziemlicher Mist. Wir sind zum Schluss gekommen, dass das ganze Konzept Bullshit ist. Jedes Land braucht seine eigene Entwicklung. Afrika vertreagt die Entwicklungshilfe ziemlich schlecht, weil man einem Land nicht die Entwicklung aufzwingen kann von einem anderen Land. Die westlichen Laender versuchen Afrika zu einem westlichen Land zu entwickeln. Und nicht zu Afrika. Klar, dass das nicht funktionieren kann. Afrika ist zu anders. Und ueberhaupt. Von Afrika als solches kann man ueberhaupt nicht reden. Afrika wird immer generalisiert. Das ist wie wenn man andauernd sagen wuerde „ich gehe nach Europa.“ Oder ich komme aus Europa.“ Oder „in Europa gibt es viel Aids“ etc. etc. Afrika ist ein kompletter Kontinent, indem jedes Land so unterchiedlich ist wie zb Deutschland und Spanien. Verschiedene Sprachen, Kulturen, Denkweisen, Lebensarten, Geschichte etc. etc. Ich hoffe ihr macht euch das klar, wenn ihr das neachste mal von Afrika redet. Und nebenbei: die Turkana sind nicht primitiv oder unterentwickel, unzivilisiert oder wie man vllt sonst denken koennte. Sie sind anders. Punkt. Ihr Leben hat vor der sog. Entwicklungshilfe bestens funktioniert. Ohne Geld und ohne Bildung, Autos etc. Bevor Leute aus den wstlichen Leandern anfingen ihnen Geld zu geben waren sie nicht arm. Klar gab es den Krieg mit den Purkot und auch einen mit den Kallegin, den sie aber ueberwunden haben aber es ging ihnen trotzden sehr viel besser ohne uns Muzungus, die hinter dem sehr reichen Land her sind. Turkana hat grosse Oel vorkommen und viele Erze, sogar Gold. Und Turkana koennte niemals zu einem zweiten USA „entwickelt“ werden. Und wenn wuerde verdammt viel verloren gehen.

Dienstag sass ich etwas aus ich-muss-irgendwas-machen-Kohlen. Enene wollte mich heute abholen um 4 aber bis dahin ziemlich viel  Zeit totzuschlangen. Ich fuhr daraufhin zum Office. Da gabs auch nur einen Report schreibenden Josef, den ich nicht stoeren wollte und beschloss mal allein zureuck zu finden. Lasset das Abendteuer beginnen! Ich ging so den Weg, den mein inneres GPS System mir vorschlug und landete an irgendeinem Fluss. Ok. Nicht Josefs Zuhause. Am Fluss waren drei Maenner, die zwar keinen Josef kannten aber einen Strassennamen, den ich noch so in Erinnerung hatte wussten und fuehrten mich irgendwelche Wege entlang, durch ein Stockhuettensiedlung durch, wo ich mir ploetzlich wie in einer anderen Welt vorkam. Dann durch irgendwelche Gassen, wo ich ein bisschen etwas wiedererkannte und dann wieder in eine Strasse, wo ich nichts mehr wiedererkannte. Ich verabschiedete mich dann und ging zurueck in die Richtung wo ich was wiedererkannte. Nase nach bis ich wieder irgendwo landete, wo ich nichts mehr wiedererkannte. Josef zum dritten mal angerufen und ein paar Instruktionen erhalten und ein paar Leute gefragt und in eine neue Richtung. Wie Schnitzeljagd. Aber die Leute sind so unglaublich lieb. Wenn ein Fremder nach dem Weg fragt wird nicht wie in Deutschland in ne Richtung gewedelt und ein  paar „nechste Strasse links, dann rechts, dann links“ etc gemurmelt sondern der Fremde wird an die Hand genommen und man leauft dann zusammn irgendwo hin, bis der Fremde wieder weiss wo er ist, oder dort angekommen wo er hinwollte. Bzw sie. Ok die meissten sind auch arbeitslos und haben viel Zeit aber trotzdem. Als ich einmal die Strasse runterging kam ein Typ auf mich zugerannt und fuchtelte wild mit den Armen und versuchte mir irgendwann mit Gesten zu verstehen zu gebe. Aha einer von Josefs Taustummen, der mir vielleicht den Weg zeigen will. Ich versuchte es also mit Gestensprache aber ich verstand absolut Null von seinen Gesten und er nix von meinen. Er kritzelte irgendwas in den Sand waehrend um uns sich immer mehr Schauelustige sammelten. Ich gab ihn meinen Stift und er kritzlete etrwas auf meinen Arm, was aber so unglaublich unleserlich war, dass ich immer noch nicht wusste, was er wollte. Die Leute um uns versuchten irgendwann zu helfen. Und ich sagte auf Swahili, das ich keine Ahung hab, was er will und er guckte dann erschrocken und fragte mich ob ich Swahili spreche. Eeeeeeeehm Junge willst du mich verarschen? Was er von mir wollte rueckte er immer noch nicht raus und ein Polizei Beamter fragte ob es Probleme gibt. Kopf schuettelnd und what-the-fuck vor mich hin murmelnd ging ich dann wieder meiner Wege. Was zur Hoelle ist mir da grad passiert?

Irgendwann wo Josef am Telefon meinte ich kann mich nichtmehr verlaufen weil ich nur noch die Strasse entlanglaufen muss aber ich es trotzdem geschafft habe absolut nichts mehr wiederzuerkennen und mir ziemlich verloren vorzukommen nahm mich ein Typ auf dem Motorrad mit und telefonierte mit Josef bis der Handy Akku versagte und brachte mich zum Haus. Ich Depp bin ungefeahr 10m vorher umgedreht. Und kein Schwein kannte Josef, weil alle ihn unter seinem Nachnamen Lolepo kennen. Wooooow. Oddysee zum Haus ueberlebt, den Ipod geschnappt und den Weg mit nur einmal verlaufen dann zurueck zum Office. Da hab ich neamlich Wifi gerochen. Leider aber nicht funktionsfeahig. Es war inzwischen nach 5 und von Enene keine Spur. Und dazu noch ein Telefonnetzwerkabstruz. Super. Im Office loeste ich dann Sudokus und wartete auf Enene, der nie auftauchte. Wir gingen zurueck und setzten uns in ein Cafe, indem Josef Enene hinkommniziert hatte ueber Internet. Da kam er aber auch nie. Aber ich genoss den Fruchtsaft und den Sternenhimme. Wir quatschten ueber die vielen Unterschiede zwischen unseren Kindheiten. Zb die Sache mit Jungs und Meadchen. In kenianischen Schulen ist zb jeglicher beziehungsmeassige Kontakt bei Pruegelstrafe untersagt, waerend in Deutschland es fast unnormal ist, wenn man mit 16 noch nie einen Jungen gekuesst hat. Wir orderten schliesslich den Barjungen Enene zum Haus zu schicken und gingen.

Mittwoch Morgen als Josef schon zur Arbeit gegangen ist und ich grad am Sachen flicken war spatzierte dann Enene zur Tuer herrein. Da es immernoch kein Netz gab stiefelten wir zusammen zum Office und gaben Josef bescheid und dann zum Stage (inoffizieller Busbahnhof). Dort hatte ich die Wahl zwischen Jeep und Matatu. Rate mal was ich nenommen habe. Auf der Ladefleache des Jeeps standen wir also und der Fahrer raste wie eine absegtochenen Sau durch das Outback in Richtung Lokichar. Wooooohooooo es ging ab wie Schnitzel! Wenn man mit 180 von einem Schlagloch ins neachste rast macht das einfach Spass! Das fette Grinsen im Gesicht konnte ich aber nicht lange halten, da der Wind mein Zahnfleisch zu schnell austrocknete.

Nach 3h Speedhuepfen kamen wir in Lokichar an und ich hatte already schon Sonnenbrand. Enene ist ein absolut klasse Kerl der nicht ein einziges mal auf das Theme kam ob er mich zur Freundin haben oder gar heiraten kann. Nicht ein einziges mal. Sehr entspannt. Er brachte mir zeahlen auf Kiturkana bei und ich ihm auf deutsch. Alter ist deutsche Aussprache schwer. Bei ihm klang das wie „oooiinss, tschrrrrrwoyyy,drrrrry, fear, fumf, sex, sibn, a*atomexplosionsgeraeusch*t, neuuuuun, tscheeen“ Wir wanderten nachdem ich mein Zeug bei seinen Geschwistern im Zimmer verstaut hatte durch Lokichar und dann zu seiner Tante. Er brachte mir eins seiner Lieder bei, die zurzeit im Radio laufen und in Lokichar Nr1 sind. „Edjaka djaka nikolithothin kin norkin njapolo....“ Absolut jeder kennt ihn und mit einer Muzungu rumzulaufen steigert seinen Ruf nochmal ins unendliche. Wahrscheinlich hat er allen erzeahlt wir waeren verheiratet oder so. Er gab mir Unterkunft und seine Schwester kochte also fand ich das nicht schlimm.

Wir wanderten dann ueber das ausgetrocknete Flussbet und durch die kleinen Huetten Siedlungen, wo ich zur absoluten Sensation wurde. Das „Muzungu, how are you?“ erscholl fast wie ein unaufhoerlicher Singsang an allen Ecken und wurde immer schlimmer. Vorallem ist es so sinnlos! How are you? I’m fine. How are you? I’m still fine? How are you? What the hell I’m still fine, stop asking! How are you? Alterrrrrrrrrrr…lieb das du alle 2 sec fragst aber mein meine Befindlichkeit hat sich in den letzten 2 sec nicht geandert! Enene brachte mir auch die Kiturkana Begruessungsformeln bei und so konnte ich auf das ewige how are you immerhin in deren Muttersprache kontern was ein paar dann immerhin fuer einige Sekunden verwirrte bevor das naechste how are you erklang. Kiturkana that viel „th“ drin und „ng“ und „ny“ was echt manchmal schwer auszusprechen ist.

Bei Enenes Tante angekommen lernte ich erstmal alle kennen und durfte auch Fotos machen. Als die Sonne unterging gingen wir zurueck und ich kochte das erste mal Uji selber. Ist wie Griesbrei nur fluessig. Also Porrige. Und echt lecker. Er hat ein kleines Huettchen ausserhalb der Stadt wo er pennt, waehrend ich bei seiner Mutter und Geschwister im Stadtzentrum schlief. Die Matrazte was aber Steinhart und mit Platik ueberzogen.

Am neachsten Morgen weckte mich ein froehliches „oooooinsss, tschrwoyyyy...“um halb 7 morgens. Enene war mit dem Motorrad, dass er von einem Frend geliehen hatte da. Wir fuhren- ich fuhr- zu einem kleinen Hotel (in Kenia die Beschreibung fuer ein kleines, herruntergekommenes Hinterhof Restaurant) zum Fruestueck und gaben dann das Motorrad ab. Das Fahren in Turkana ist ziemlich schwer, da die Reifen des Motorrads auf dem Sand oft kein halt finden und das Motorrad wegrutscht.  Wir wanderten dann durch dieTurkana Outback und er erzeahlte von der Turkana Kultur und ich ihm von der deutschen.

Ich uebte sein Lied und brachte ihm ein bisschen Augenbling von Seed bei. Unterwegs sah ich viele neue, spannende Dinge, wie Zb eine Beere die sehr suess und gleichzeitig scharf schmeckte. Ich sah, wie die Leute Kohlen machen und wir holten Wasser am Brunnen.

Irgendwann fing es an zu Regnen als wir die Esel bei der Wasserstelle beobachteten. Als es aufhoerte wanderten wir mit „ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm und vor, zurueck, zur Seite, ran, Hacke, Spitze, Hoch das Bein“ zurueck nach Lokichar, wo wir Liz besuchten, die die Schangaas herstellt. Sie kam aus ihrer Huette mit ihren Austellungsstuecken und beheangte mich mit einem nach den anderen, bis ich mir vorkam wie ein Weihnachtsbaum.

Danach bestand Enene darauf so durch Lokichar zu laufen. Als waer ich nicht auffeallig genug oder als werden die Leute mich nicht so schon anstarren wie bloed wenn ich mich zeige. Nadann auf zum Catwalk. Joar. Ich musste quasi noch mehr Leute als sonst die Hand schuetteln aber immerhin fand es niemand scheisse, dass ein Auslaender so rumleauft wie sie an Feiertagen. Alle fanden es es ganz toll aber ich hielt es trotzdem nicht lange aus im Rampenlicht. Wir gingen zurueck zu Liz. Sie wollte umgerechnet ueber 80 Euro allein fuer eine Halskette. Klar. Ich versuche mir solche selber zu machen, wenn ich Perlen in Nairobi auftreiben kann.

Bei Enenes Tante war eins der Meadchen am Ziegen melken. Ich wurde in den Dornen-Baum-Stall-Dings engeladen und konnte meine Melk-Feahigkeiten unter Beweis stellen. War etwas schwerer als Kuehe melken aber machbar. Ziegen Milch schmeckt aber nach fast nix.

Nach diesem Tag war ich voellig fertig.

Freitag wanderten wir wieder sinnlos durch die Gegend und kamen dann zu Enenes Tante, wo ich half Wasser zu holen. Dazu gingen wir an eins der selbstgebuddelten Wasserloecher um Flussbet und ich musste erstmal ein bisschen graben und dann das dreckige Wasser abschoepfen.

Dann fuellt man die Behaelter voll und treagt sie natuerlich auf dem Kopf zurueck. Ich trug 10 Liter. Die anderen 20. Mein Nacken tat dnach ziemlich weh.

Wir kehrten zu Mittag bei Enenes Tante ein, deren Tochter mit mir Nyangaria kochte. Das ist Maismehlbrei mit Kamelfett und Kamelmilch. Schmeckte eigentlich ganz gut. Leider fand ich bei der Gelegenheit herraus, dass Kamelmilch nicht lactosefrei ist, wie zb Ziegenmilch.

Weil der Watchman von Enenes Haus nicht da war und damit auch kein Schluessel wanderten wir auf einen Berg. Ok Huegel. Oben hatte man trotydem eine sehr gute Aussicht, da das Land mit ein par Ausnahmen ziemlich flach ist.

Auf dem Huegel war eine Teeranlage, auf deren Rohren die Kinder rutschten. Ich konnte nicht wiederstehen. Ich hatte vor am Abend zurueck nach Lodwar zu fahren und wir warteten am Stage dann auf den Bus, der nicht auftauchen wollte. Als wir warteten kam ein Typ mit einer Schubkarre voll second hand Klamotten angelaufen und stellte sie direkt vor meiner Nase ab. Ich guckte ihn daraufhin fragend an. Die Leute um uns fingen an zu lachen auf mein fragenden Gesichtsausdruck was ich nun mit der Schubkarre voll Klamotten soll und der Typ nahm die Schubkarre wortlos wieder mit.

Ein riesen Truck hielt in Lokichar, vollgepackt mit Maissaecken. So ein Lastwagentyp, nur das der Fahrer noch etwas dazuverdienen wollte und Leute mitnahm. Dann halt kein Bus. Enene versuchte mich dennoch mit blick auf den ueberladenen Truck und die abgefahrenen Reifen fuer den Bus zu erwearmen. Nix da! Oben in 5m hoehe auf dem Dach eines Lastwagens zu hocken ist 100 mal cooler als ein bloeder Bus! Hochgeklettert kam ein Typ an. Willst du mich heiraten? Eeeeehm nein? Warum nicht? Alter wir kennen uns grad mal fuer 2 sec? Na und? Du weisst nicht mal meinen Namen. Schmink dirs ab. Ich werd dich nicht heiraten! Warum? ....seuftz....

Als der Truck endlich losfuhr wurde mir klar warun Enene mir geraten hat den Bus zu nehmen. Ich kann schneller rennen als der fuhr. Ok zum Glueck fuhr er so langsam. Ansonsten waeren wir nicht weit gekommen. Aber trotzdem. Also ruckelte der Truck gemuetlich durch die Lande mit mir und noch 5 weiteren Leuten auf dem Dach und ich unterhielt mich mit einem jungen Mann aus Ost Kenia als mein Ipod Batteriebedingt den Geist aufgab. Etwas speater ueberholte uns der Bus. Ok ich heatte wirklich den Bus nehmen sollen. Im Bus sassen ein paar Wazungus. Als sie mich auf dem Dach des Trucks entdeckten zwischen den Einheimischen war das stauen gross. Hehe. Ok war doch cool den Truck zu nehmen. Und wahrscheinlich genuetlicher. So auf der Plane sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Und als es dunkel wurde den Sternenhimmel ueber sich zu haben. Als ich muede wurde legte ich mich zwischen die Mais Saecke und doeste ein bisschen. Ich kam um 22 Uhr nach 5h fahrt statt 3 in Lodwar an. Trotzdem bereute ich es nicht.

In Lodwar wartete Josef auf mich und wir gingen erstmal essen. Turkanisches essen ist einfach verdammt gut. Zwar hauptseachlich bestehend aus Ziege aber trotzdem. Danach wollte Josef in einen Club, weil da irgendein beruhmter Keunstler einen live Auftritt hatte. Das heatte ich gar nicht von ihm erwartet. DerClub war rappel voll und vor allem ich als Muzungu konnte mich quasi nicht vorwaerts bewegen drinnen. Zu viele Leute drangten sich dicht an mich. Wahrscheinlich versuchten die meissten mein Handy dabei mitzunhemen. Tyaaaahahahaa in Tansania haben mich die anderen Freiwilligen fuer meinen Bauchgurt unter der Hose ausgelacht...wahrscheinlich haben sie aber dafuer sehr viel mehr verloren als ich. Ich war ziemlich vollgefuttert und muede von der Reise, weswegen ich nur kurz tanzen war und sonst eig ganz untypisch still auf dem Barhocker sass. Es war zu laut um sich zu unterhalten. Irgendwann so gegen 2 beschloss der besagte Kuenstler endlich aufzutauchen. Ich bemerkte ein Taubstummes Meadchen neben mir, mit der ich mich wunderbar trotz des Learmes unterhalten konnte. Sie fand es in dem Club ziemlich scheisse. Klar, wenn man von dem was der Kuenstler so von sich gibt nicht viel hoert. Sie hatte noch eine Freundin mit sich, die auch Taubstumm ar. Die war komplett betrunken und fand mich gaaaanz toll. Ok. Ich wollte eig wieder auf die Tanzfleache aber sie schleifte mich zur Toilette. Und wollte, dass ich mit rein komme. Nein nicht was ihr denkt. Lesben gibt es in Kneia nicht. Homosexualitaet wird mit dem Tod bestraft. Ich versuchte ihr klar zu machen, dass ich draussen warten wollte. Sie war so betrunken, dass sie echt nicht mehr stehen konnte. Draussen traffen wir eine Muzungu Dame aus den USA die in einer Taubstummen Schule arbeitete und sie kannte. So konnte ich sie abschuetteln und mich zurueck zu Josef keampfen. Es war echt ein Kampf weil die Leute im Gang mich echt antanzten und wenn eine betrunkene 120 Kilo Afrikaniern tanzt dann ist sie nicht aufzuhalten. Komplett entnervt kam ich irgendwann bei Josef an und wir gingen Heim.

Samstag wurde ich um 7 Uhr morgens aus den Federn bzw Schaumstoff geschmissen weil es zu der grossen Fundraising Versammlung ging. Eigentlich sollte sie um 10 anfangen.  Um 11 waren wir nach einer wilden Fahrt durch die Pampa da. Um 13 Uhr fing sie dann wirklich an. Mit vielen rituellen Teanzen, Gesang und jede Menge Reden.

Es ging darum fuer eine Maedchen Primary School zu sammeln. Eigentlich heatte sie um 15 Uhr enden sollen. Gegen 16 Uhr hatte ich genug nicht-englische Reden gehoert und lief ein bisschen auf der Suche nach Mittagessen rum. Dort traf ein ein Muzungu. Ich merkte ziemlich schnell an seinm Akzent, dass er deutscher war. Er lebt seit 6 Jahren immer mal wieder in Tutkana und ist mit einer Turkanernin verkeiratet, mit der er 2 Kinder hat. Eins noch unterwegs. Zu dem Zeitpunkt hab ich seit einer Woche kein Deutsch mehr geredet und es fuehlte sich echt komisch an. Nach dem Mittagessen gingen wir zurueck zur Versammlung.

Ich lernte auch seine Tochter aus erster Ehe kennen, die auch gerade Abi gemacht hat. Gegen 18 Uhr war die Versammlung zu Ende und wir fuhren Heim. Nachts fing es an zu regnen. Das wurde deshalb zum Problem, weil das Geastezimmer in dem noch nicht ganz fertigen Teil der Hauses war, das noch keine Fenster hatte, weswegen ich nass wurde und umzihen musste.

Sonntag hab ich eig nur Relaxed und war ein bisschen einkaufen fuer Gastgeschenke fuer Enenes Familie, da ich am Abend wieder nach Lokichar fuhr. Montag hab ich es wieder geschafft mich zu dehydrieren. Ich hab echt Talent und lag deshalb bis Donnerstag flach. Donnerstag wollte ich es dann wagen, nachdem ich wieder vollsteandig hergestellt war. Blut trinken. Dafuer gingen wir ins Hotel, wo wir immer Freuhstueckten. Dort haben wie eine Ziege geschlachtet und etwas Blut aufgehoben. Blut trinken ist normal fuer Turkaner.

Enene mixte das Blut mit Milch und Zucker und es war fuer ihn kein Problem ne ganze Tasse zu exxen.

Dann war ich an der Reihe. Oh Gott soll ich das wirklich machen?

Schnuff schnuff...

dann hab ich mal kurz genippt. Uaaaaaaaah das kann ich nicht trinken.

Ueberwinde dich! Zwei schlucke hab ich runterbekommen. Dann musste ich mich fast uebergeben. Alles lachte und ich keampfte meine Mageninhalt wieder hinunter.

Nach diesem sogenannten Fruehstueck leihten wir wieder das Motorrad von Enenes Kumpel, da er mir zum Schluss die Weidefleachen der Kuhherden zeigen wollte.

Wir fuhren nach Locapel, einem kleinen Staedchen in dem so eine Art Miniaturfestival stadtfand, wo Enene eigentlich Mittwoch auftreten sollte. Nur hat es irgendwie keiner hinbekommen das ihm zu sagen. Wir frischten dort unsere Wasservorreate auf waerend alle mich anstarrten. Irgendwie haben echt die meisten dort noch nie zuvor jemanden mit einer anderen Hautfarbe gesehen. Wir assen auch eine Turkanische Spezialitaet von irgendwelchen unausprechlichen Fruechten die nach einer Mischung aus Kartoffel, ein bisschen bitter und salzig schmeckten.

Wir nahmen dort auch einen Kumpel von Enene mitgenommen, der die Gegend besser kannte und wusste, wo genau die Rinder sind. Locapel ist echt mehr Regenwald as Halbwueste und wir fuhren durch das Dickicht bis wir an einen Fluss kamen. Dort waren tatsaechlich ein paar Rinder und Esel. Und nach Turkana Tradition hatten sie auch Narben.

Nach ein paar Touri maessigen Fotos liefen wir durch den Fluss zurueck.

Man erzeahlte mir, dass auf der anderen Seite des Flusses das Purkot Land begann und in dieser Gegend sehr heaufig ueberfealle stattfanden, weswegen wir uns lieber wieder aus dem Staub machten. Enenes Kumpel wartete bereits auf sein Motorrad, weswegen Enene ordentlich auf die Tube drueckte auf dem Rueckweg. Aber sowas von Ordentlich. Wie vom wilden Affen gebissen rasten wir ueber die sogenannte Strasse, die ab un zu so sandig war, das Enene keampfen musste, damit das Motorrad nicht abrutscht. Kurz vor Lokichar liess er mich dann fahren und mit Schritttempo rollten wir in Lokichar und gaben das Motorrad ab. Hier ein paar Bilder von Enene und seiner Familie, wo ich die Woche wohnte:

An diesem Abend wollte ich nach Nairobi aufbrechen. Diesen Plan hatten aber auch verdammt viel andere, weil die Schulferien begannen und alle Nachhause wollten. Ein ziemlicher Kampf entstand am Buseingang, den ich dann beim zweiten Bus gewann. Ich schaffte es sogar einen Sitzplatz zu bekommen. Zum Glueck, sonst heatte ich 5h stehen muessen. Der Sitzplatz war aber in der letzten Reihe und das bedeutet liebe Gruesse von der Decke. Bei jedem Schlagloch, also alle 3 sec fetzt es einen in die Luft. An Schlaf war nicht zu denken obwohl ich hundemuede war. Wenn man sich nicht das Steisbein ruinieren will sollte man neamlich die Hubels auffangen, indem man beim wieder runterfallen sich durch aufstehen auffeangt. So ging es dann 4h durch die Nacht, bis die Strasse besser wurde. In Kitale erfuhr ich, dass der Bus pracktischerweise nach Nairobi weiterfuhr und setzte mich eben einen Mann namens Jussuf, der aus Somalia ist.

Ich konnte endlich etwas Schlaf bekommen aber wachte auch bald wieder auf weil mich jemand streichelte. Ich realisierte, dass dieses Streicheln bedeutet, dass gerade Jemand mich nach meinen Wertsachen abtastet! Ich schuettelte die Haende ab, aber bald kamen sie wieder. Ich schlug nach ihnen. Sie kamen nach ein par Minuten wieder und ich bekam ein paar Finger zu fassen, die eindeutig von dem Sitz hinter mir kamen. Ich drehte mich um  und sagte boese, das sie den scheiss lassen sollen. 10 min speater ging es wieder los. Diesmal von der Dame im Gang neben mir. Alter? Ich schlug nach ihr und traf aber nur ihr Bein, woraufhin sie sich weg setzte. Immerhin hatte ich dann Ruhe. Muzungus haben wohl zu viel was? Als der Bus halt machte lud mich Jussuf zum Fruehstueck ein und wir teilten viel ueber Somali Kultur und Islam.Das ist die grosse Moschee in Nairobi.

In Nairobi angekommen lud er mich auf auf ein Snack in einem islamischen Restaurant ein, da wir im somali Teil von Nairobi gelandet waren. Ich nahm danach ein Matatu in die Innenstadt und ging zum Immigration, um nach meinem Work permit zu schauen. Dort erzeahlte mir ein voellig etnervter Beamter, dass ich ein Beleg von meiner Organisation brauche, um den zu erhalten. Super. Auf der Suche nach einem Cafe mit Wifi (jah Nairobi ist Hightech!) stolperte ich in ein Supermakt mit mehr oder weniger frischen Schokocroissants .... Schokocroissants! Mampfend setzte ich mich irgendwo auf die Strasse und genoss es, dass mich kein Schwein beachtete. Keine Sau fragte mich how are you und wollte meine Hand schuetteln. Herrlich. Ich fragte mich durch bis ich in einem nobel Hotel Namens Stanley landete,das Wifi versprach. Mit einem Kaffe, der so viel kostete wie 2 Wochen Mittagessen in Ugunja und ner halben Stunde freiem Internet genoss ich es in einer absolut luxerioesen Umgebung zu sein mit europaeischen Standart, nachdem ich zwei Wochen nur mit einem kleinen Rucksack mit dem Noetigsten durch die Gegend reiste. Danach traf ich mich mit Junior, Yusufs Sohn und Freund meiner Familie, mit dem ich gespielt hab als ich 4 war. Er hatte leider wenig Zeit und setzte mich in ein Matatu nach Ngong, wo ich den Markt besucht hab.

Dort holte mich sein Cousin mit dem Auto ab. Mir war ziemlich uebel. Bei Yusufs Haus angekommen ging es dann Abends los. Ich musste mich ein paar mal uebergeben und bekam hohes Fieber mit Halluzinationen. Am naechsten Tag gingen wir ins Kankenhaus und nach ziemlich lang warten und einmal Blutabnehmen wurde Thyphus diagnostiziert. Ich bekam ein Haufen Tabletten verschrieben und wurde zur Infusieon geschickt. Ich wartete waehrend die Krankenschwester verschiedene Fluessigkeiten zusammenmischte und in die gigantischte Spritze ever einfuellte. Diese Spritze war fuer mich. Eine Dame kam hinter einem Vorhang hervorgestuerzt und uebergab sich im Waschbecken. Suuuuper. Der Arzt nahm mich hinter den Vorhang und klemmte mir den Unterarm ab. Dann haute er mehrmals auf meine Hand und injektierte diese unglaubliche 15cm Spritze in meine Vene. Alptraum. Ja es hat weh getan. Kurz danach musste auch ich mich im Waschbecken uebergeben. Da ich aber seit Gestern morgen nichts mehr gegessen hatte bzw alles schon draussen war ging das schlecht und fuehrte nur zu Magenschmerzen. Mit einem Haufen Tabletten wurde ich dann Heim geschickt. Sonntag hab ich fast komplett durchgepennt und ansonsten die Tage mit Supernatural und Blog schreiben verbracht. Inzwischen gehts mit wiedervollsteandig gut.

Deswegen hat mich Junior dann am Mittwoch mit nach Nairobi mitgenommen, wo ich ...achtung, ich hab es selber kaum glauben koennen...PIZZA gegessen habe! und SALAT! ...fuer den Preis haette ich mich zwar in Ugunja 2 Wochen ernahren koennen aber hallo? Pizza? ich habe mich dann Nachmittags noch mit einer kenianischen Freundin getroffen und mit einem deutschen Freiwilligen, den ich ueber das schoene Facebook kennengelernt hatte und wir gingen auf dan Maasai Market. Ich habe selten Kenianer so verzweifelt nach Kundschaft gesehen. wir wurden von absolut jedem Verkeaufer versucht zu ueberreden etwas zu kaufen. Und manchmal wurden sie fast schon handgreiflich. In der Freiwilligen WG hab ich dann auch noch andere deutsche kennengelernt und wir hatten einen netten Abend. Freitag gings dann zu den Maasai mit Junior. Wir besuchten die Huegel rund um Ngong und ich durfte in ein Maasai Haus eintreten. Dadrin war es sehr dunkel und eng. Von den Turkana unterscheiden sie sich vollkommen.

Abends gab es bei den anderen Freiwilligen ...Fleischbeallchen...das hatte ich auch seit Ewigkeiten nicht mehr...Ansonsten war ich noch in Nairobi im Goethe Institut, wo ein Stummfilm lief. Das Goethe Institut ist so die deutsche Zentrale, wo man absolut immer Deutsche findet und immer etwas kulturmeassiges los ist. Danach bin ich ins Kneya National Museum gewesen, was absolut empfehlenswert ist! Alles von den verschiedenen ethnischen Gruppen, ihren Ritualen, urspruenglichen Gewaendern, Festen, Alltsg, Geschichte zur Ostafrikanischen Tierwelt bis zur juengsten Geschichte von Kenias Unabhaenigkeit usw. ...Heute muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich schonwieder Kirche geschwaenzt hab. Um Blog zu schreiben natuerlich! ...und Supernatural..

29Oktober
2013

"Probiers mal mit Gemütlichkeit mit Ruhe und Gemütlichkeit!"

Zum einen hab ich ein paar Dinge vergessen:

Lenexa, die Babykatze, die von Pussy, der Nachbarskatze geboren worden war von nem Monat ist leider gestorben. Als wir von Mageta wiederkamen waren alle Katzenkinder tot. Die ein Katze, die bei uns übernachtet hat haben wir seit dem auch nicht mehr gesehen.

Frank hat sich auch verdünnisiert, was einem Camä  lion aber nicht arg viel heißen muss. Ich hoffe mal er hat es in die Freiheit geschafft anstatt in Pussys Magen.

Von letzten Donnerstag habe ich noch die Fotos vergessen ist mir aufgefallen...

 

Und ich hab garnicht erzählt, dass ich am Abend davor bei Nachbarn Zöpfe geflochten bekommen hab. Leider halten die sich bei mir nur ein oder zwei Tage.

Freitag war nicht arg viel interessantes.

Samstag Morgen gings dafür um 6:30 los nach Kakamega.

Kakamega ist der größte, letzte und einzige Regenwald in Kenia. Er ist ca 23.000 ha groß, hat unglaublich viele verschiedenen Vogelarten, Insektenarten, Affenarten, Schlangenarten und man findet darin auch Shakale, Leoparden, Giftfrösche, Schildkröten, Nasenbären, Komodoverane, Warzenschweine und Kühe! Naja Kühe gibts in Kenia überall wos was zu fressen gibt.

Dort angekommen checkten wir erstmal ins Gesthouse ein wo es sogar fließend Wasser gab und durften nach etwas Überredung sogar ohne Guide in den Wald. Dieser Geruch des Regenwaldes ist unbeschreiblich. Wenn ihr mal in das Regenwaldhaus der Wilhelma geht atmet mal ganz tief ein bitte. Da riecht es genau so. Und die Geräusche sind auch der Wahnsinn! Und die Lichtflecken der Sonne, die durch die Baumkronen scheint. So ein Regenwald ist wirklich wunderschön. Das erste Mal wo ich einen Regenwald gesehen habe war in Puerto Rico, in der Karibik damals. Jedoch war ich da noch ziemlich jung, aber ein bisschen Deja Vu Gefühl hatte ich trotzdem.   

Den Hochsitz haben wir ohne Probleme gefunden. Und ein paar Vogelbeobachteten Wazungus auch. Aber um einen Wazungu zu sehen kötte ich auch in Deutschland bleiben können oder einfach in den Spiegel schauen. Deshalb um denen nicht über den Weg zu laufen, biegten wir einfach auf ein Trampelpfad ab. Im Dickicht suchte ich mir erstmal einen Stock um damit vor meinem Gesicht rumzuwedeln, um die ganzen Spinnennetze nicht darin zu haben. Ohne Plan oder sonst irgendwas stiefelten wir im Wald herum. Irgendwann stießen wir plötzlich auf eine riesige Tee Plantage.

 

Also wieder ab in den Wald. Dort stießen wir dann auf einen Rotewaldameisen Highway. Und eine deutsche Ameisen straße ist damit echt nicht zu vergleichen. Bei euch laufen die einfach nur hintereinander durch die Gegend. Hier ist das ein Runway! Ein richtiger Highway! Aber tausende Ameisen rennen in einer Straße, die von Erde und ihren Kollegen geschütz wird. Die bilden richtige Wände mit ihren Leibern. Und es gibt sie in verschiedenen Größen. Und aggressiv sind die Dinger! Und sie spüren Bodenvibrationen. Als sie uns hörten kamen die Großen nämlich gleich an und wollten sich in uns festbeißen.

 

Um ein bisschen Pause zu machen setzte ich michauf den Waldboden etwas weg von den mistigen Ameisen und beobachtete die Affen in den Bäumen. Den Schwarz-Weißen Collubus (ich habe ihn Opa-Affe getauft) haben wir schon ganz zu beginn gesehen. Dem sein Clan saß nämlich am Waldrand beim Gesthouse.

 

Im Wald da sahen wir den Blue Monkey mit Familie und je länger wir dort still saßen, desto mehr Affen kamen.

 

Später kamen dann auch Red-Tail Monekys dazu.

 

Ich war richtig neidisch darauf, wie die da von Baum zu Baum hüpfen können. Ab und zu ließen sich welche auch in die Baumkronen der unteen Bäume einfach fallen. Plötzlich hörten wir ein sehr tiefes, lautes summendes Geräusch und einGoliath Käfer, so groß wie eine Hand flog vorbei. Schmetterlinge in allen Farben, Formen und Größen sahen wir auch.

 

Irgendwann stapften wir weiter durch den Wald und mussten etwas zugeben, das wir uns verlaufen hatten. Wie es sich in einem Regenwald halt gehört. Also einfach Nase nach und hoffen, das man irgendwann raus kommt. Das Irgendwann kam sogar ziemlich schnell und plötzlich standen wir ohne Vorwarnung wieder vor dem Guest house. Nach einem spartanischen Mittagessen beschlossen wir den Hügel zu finden, wo morgens die Sunrise Wanderung stattfinden solten, da wir zu knausrig für die überteuerten Guides waren. Aber den Hügel fanden wir nicht. Statdessen gingen wir dann zum Yala River. Die Strecke war ziemlich lang, erstmal an der großen Straße entlang, wo wir eine platt gefahrende schwarze Viper sahen

 

und führte dann durch den Wald, durch einen Weg, der gesäumt war mit Guavenbäumen, Wovon wir welche aßen. Am Fluss irgendwann angekommen beschlossen wir dann spontan schwimmen zu gehen...“äääähm gibts hier Krokodiele?“ „Wahrscheinlich! Und Blutegel bestimmt auch!“ „Ach maaaaaaan warum musstest du das sagen? Ich vergess das jetzt einfach wieder!“ (Sascha ist gemein)

Trotzdem reingesprungen war das Wasser herrlich! Und hatte ziemlich Stömung, weswegen es immerhin keine Bilharziose Gefahr gab. Etwas den Fluss raufgeschwommen und sich dann runter treiben lassen, während man „probiers mal miiiiiit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit...“ singt ...achja das Leben ist schön!

 

Den Rückweg bin ich Barfuß über den weichen Waldboden gelaufen. Irgendwann fing es aber an...oh wunder ist ja auch schießlich ein REGENwald...an zu regnen. Die Pfade wurden zu Flüssen und alles extrem rutschig.  Pro Person einmal hingesetzt aber trotzdem lachend durch die Pfützen gehüpt kamen wir wieder an die große Straße. Dort wollten aber gerade eine risige Horde von 20-30 Baboons den Weg passieren. Und die sind nicht ganz ungefährlich. Zum Glück verscheuchte sie ein Motorrad, sodass wir weiterlaufen konnten.

 

Nass bis auf die Knochen kamen wir wieder im Guesthouse an, wo wir dann Abendessen gingen. Ich hockte mich aber zuerst in die Küche der Mama zum Feuer mit einer Tasse Tee um wieder eine normale Körpertemperatur zu bekommen. Dort trafen wir auch ein junges Pärchen aus Kanada, wovon die Frau Agrarentwicklungshilfe studierte. Wir laberten noch stundenlang, obwohl beide den Sunrise Walk genucht hatten und erzählten viel über die Erlebnisse in Kenia, Kanada und Deutschland.

Sonntag morgen dann um halb 5 aufgestanden, weil der Guide um 5 vor der Tür stand.

Der Mond ist übrigens auf dieser Seite der Erde anders herum.

Dann wanderten wir in noch nassen Schuhen vom Vortag durch den nächtlichen Regenwald und hörten den Tieren beim aufwachen zu. Vorallem die Opa Affen sind der Wecker des Waldes. Dann kommen die Vögel. Irgendwie gings meinen Kreislauf nicht wirklich gut. Und der Weg bis zum Hügel war lang und teilweise steil. Und rutschig. Aber den Hügel endlich hochgeschnauft kamen wir an eine kleine Plattform, wo es auch zu einer Höhle reinging. Dort drinnen waren in den Löchern jede Menge verschiedene Fledermäuse. Ich hab zwar keine Angst vor Fledermäusen aber wenn die so im Sturzflug plötzlich as dem Dunkeln einem in richtung Gesicht fliegen erschrecke ich mich zu Belustigung des Guides schon ab und zu. Danach wanderten wir weiter den Hügel hinauf um perfekt dann da zu sein, wenn die ersten Sonnenstrahlen die unendliche Weite des Regenwaldes küssen.

      

Und von dem Hügel hatte man einen perfekten Rundumblick über den gesamten Wald bis zum Mount Elgon. Irgendwie waren unsere Kanadischen Kollegen aber etwas zu langsam gewesen. Die Sonne ging in einem wunderschönen Aufgang auf aber die beiden waren nicht da.

Wir saßen im Graß und die Sonne ging vor der Bergkette auf und beleuchtete den Nebel des Waldes und sendete Lichtstrahlen durch die Baumkronen, die dann lange Schatten warfen. Die Wolken strahlten in einem Farbenspiel und ein kühler Wind wehte durch das Graß des Hügels. Einfach nur still im Graß sitzen und über das Naturschauspiel staunen.

   

Später kamen auch die beiden Kanadier dazu, die von der Plattform aus den Aufgang beobachtet hatten. Der Gudie führte uns wieder runter und erzählte über den Wald, die verschiedenen Pflanzen, Tiere und sich. Einige Pflanzen kannte ich aus meinem Wohnzimmer in Stuttgart. Papas Haustiere, die am liebsten von den Wellensittichen zernagt werden.

Aber hier im Wald wurden sie natürlich sehr viel größer und blühten. Manche hatten sogar kleine orangene Frücht, die ich probierte. Irgendwie hatte fast jede Pflanze essbare Früchte. Auch wilde Bananen sahen wir die einfach gigantisch waren. Also der Baum jedenfalls. Die Früchte sind sehr klein. Wir liefen an Urwaldriesen, Lianen, Würgefeigen, Ameisenbärhöhlen und Feuerblütenbäumen vorbei, begleitet von den Stimmen der Hornbills (ich weiß leider den deutschen Namen nicht..sind so Tukanähnliche Vögel) und der  Affen.

 

Blöderweise verschelchterte sich mein Gesundheitszustand immer mehr und ich konnte vor lauter Schwindel kaum gerade aus laufen. Deshalb habe ich mich ersteinmal ins Bett gelegt im Guesthouse und gepennt. Als ich dann wieder wach war und wir das Schmetterlingshaus anschauen wollten gings dann voll auf den Magen und ich war platt. Die Rückreise habe ich dann aber erstaunlich gut überlebt und konnte auch etwas schlafen. Zurück in Ugunja habe ich vom Tag nichtmehr viel mitbekommen und den restlichen Tag und die komplette Nacht durchgepennt.

Gestern Morgen war mir immernoch recht schwindelig, aber immerhin nichtmehr schlecht. Ich ging nachmittags ins Krankenhaus. Ist der einzige Ort wo es einen Arzt gibt. Ansonsten könnte ich noch zu einem Medizinmann gehen wenn ich lustig bin. Die haben mich dort auf Malaria getestet, indem sie mich in den finger gepiekt und das Blut angeschaut haben. Die Testergebnisse sagen, ich hab kein Malaria. Danach waren sie mit ihrem Latein am ende. Ich liebe Ärzte. Sioe wollte mir noch Schmerztabletten verschreiben. Macht aber nicht so arg viel Sinn, da ich keine Schmerzen habe. Naja. Viel Schlaf, viel trinken...das wird schon wieder. Macht euch keine Sorgen.

25Oktober
2013

Irgendetwas stimmt nicht, wenn ich in Uganda Abends um halb 11 Schwarztee aus dem Wiesen Bierkrug 2013 trinke..

Blog ab Mittwoch 16.10

Große ToDo Liste gehabt, wenig erledigt. Grade mal ein bisschen Lebensmittel Pauschale erstellt bis zum Mittagessen. Das mache ich um von meiner Organisation das Geld für Lebensmittel wiederzubekommen. Und habe es ewig vor mir her geschoben.

Dazu hab ich vor allem Reisplanung gemacht. Dafür habe ich mich mit den Kollegen die schonmal in Uganda waren Zusammengesetzt und mir ein paar Nummern von deren Bekannten aus Busia (Grenzstadt) geholt. Das mit dem Motorrad ist an zwei Dingen gescheitert. Zum einen hat der Schwabe in mir angesichts der Benzinpreise revoltiert und zum anderen hat absolut niemand daran geglaubt, das diese Motorräder diese Strecke ohne nicht wenigstens einmal zusammenzubrechen schaffen. Und Zeit um vorher nochmal zum Reperateur zu gehen gab es nicht. Also habe ich mich nach einem echt perversen Mittagessen aus Maandazi (Berliner ohne Marmelade oder Zucker) und Bohnen in den Bus gesetzt. Nach nur einer Stunde und einmal umsteigen kam ich in Busia an. Dort versuchte ich die Bekannten meiner Kollegen zu erreichen aber schaffte es nur bei einem. Und der war nichtmal in Busia. Mist. Der gab mir dann die Nummer von einem anderen Bekannten namens Ben. Mit dem traf ich mich dann und verstand mich auch echt gut mit ihm. Er begleitete mich dann über die Grenze, die mitten in der Stadt liegt. Irgendwie sind wir aber so durchgelaufen ohne das sich irgendjemand der vielen Beamten darum gekümmert hat und ehe ich es mir versah war ich in Uganda. Na gut dann halt kein Visum. Die ganzen Einheimischen machen das auch so meinte Ben. Ben muss ich natürlich auch mit nach Deutschland nehmen wenn ich zurück gehe irgendwann…Und ich musste ihm auch von meinem Fiktiven Ehemännern berichten, um ihm klar zu machen, dass ich echt nicht an einer Bettgeschichte mit ihm interessiert bin. Dann habe ich einen Bus nach Jinja gefunden und mich verabschiedet.

Dieser Bus war aber einer von der Sorte, die alle 20m anhält um noch mehr Leute reinzuquetschen. Das nervt echt. Und dazu die Bodenwellen alle 50m. Dazu ist es in Uganda so, dass es ziemlich viele Polizeikontrollen gibt. Natürlich kontrollieren die nicht die Insassen oder ob das Matatu überfüllt ist oder überhaupt fahrtüchtig. Diese Kontrollen sind nur Scheinkontrollen um  Schmiergeld abzusahnen. Statt nach 2h bin ich dann nach 6 in Jinja angekommen. Uganda ist von der Landschaft her etwas grüner und fruchtbarer als Kneia aber der größte unterschied ist der Boden. Ugandas Böden sind aus rotem Lehm. Under der staubt gewaltig! Abends in Jinja angekommen habe ich mir ziemlich ausgehungert ein Chapati geholt. Bei der Bestellung wurde ich aber ausgelacht. Zwei Bissen später und etwas Verwunderung über diese Chapati wurde mir auch klar warum. Das war kein Chapati sondern eine sogenannte Rolex. Das ist ein zermanschtes Spiegelei, das ziemlich ähnlich aussieht wie ein Chapati aber nicht wirklich schmeckt. Vor allem weil das Öl reine Chemie ist. Und auf Swahili bestellen konnte ich auch nicht, weil man in Uganda Luganda spricht was ziemlich wenig Ähnlichkeit mit Swahili hat.

Dann habe ich mich mit Christoph, einem deutschen Solivol Freiwilligen getroffen, in dessen WG mit Karl ich die Tage gepennt habe. Gut das ich selber komplett unordentlich und völlig unempfindlich gegenüber Staub, Dreck und sonstigem bin. Ich hab nämlich auf einer Matraze auf dem Boden in mitten von leeren Bierflaschen, alten Socken, Zetteln und sonstigen gepennt. Wir hatten echt viel zu erzählen, da wir uns das letzte mal auf dem ersten Vorbereitungsseminar alle gesehen haben. Das war im April. Bei der Gelegnheit sah ich den Wiesen Bierkrug von 2013 in der Kücher der beiden stehen. Den hatte Christoph bei der Ugandischen deutschen Wahlparty gewonnen, wo sich die Deutschen Ugander getroffen hatten.

Da aber ganz ungewohnt am nächsten Tag kein Wochenende sondern Arbeit war wurde ich ziemlich früh aus der Schaumstoffmartatze geschmissen. Zum Frühstück ein Mittagessen typisch Ugandisch aus Kochbananen (das Ugandische Basis Grundnahrungsmittel und wird Maatoke genannt) Kartoffeln, Nudeln und Tomatensud und dann ging ich mit auf die Farm von Christophs Organisation PEFO. Dort haben sie alles Mögliche aus Feldern mit Früchten, Gemüse und sonstigem. Dazu dann eine Schweinezucht und eine einsame Kuh. Eigentlich noch eine Lehmziegelherstellungsanlage, die aber gerade wegen Reparatur außer Betrieb ist. Das gerade am aktivsten Projekt dort ist die Biogasanlage, die gerade im Bau ist. Dazu wird der ganze Schweinemist reingefüllt, welcher dann vergährt und das Gas dann zum Kochen und auch für Lampen benutzt werden kann. Auf der Farm gab es das riesigste schwein, das ich je gesehen habe. Bestimmt 2,5m lang!

 

Um Irgendwas zu holen, ich hab vergessen was fuhr erstmal Christoph mit mir und Frank hinten drauf. Zizat: „ I am properly the slowest Boda driver of whole Uganda!“ (Boda ist Pikki in Uganda...beides Motorrad) Er hat ungefähr zur selben Zeit mit Motorradfahren lernen angefangen. Auf dem Rückweg dann ich. Frank, einem Ugandischen Kollegen von Christoph meinte ich wär besser!

 

Christoph beim von mir Chauffiert werden...er tut nur so. Ich fahre gut.

Nachdem ich rumgeführt wurde und nicht wirklich was zu tun war fuhren wir mit Frank zu den Itanga Wasserfällen vom Nil. Also zumindest heißen sie so. in Wirklichkeit sind es eher Stromschnellen. Dort hielten wir dann das ultra wichtige Biogasmeeting ab. Wir arbeiten ja schließlich. Das Meeting lief so ab, dass wir den Ganzen Wazungus beim Rafting zuschauten und lachten wenn sie ins Wasser fiehlen…und das Wasser war verlockend an diesem heißen Tag. Also beschlossen wir spontan schwimmen zu gehen.

 

Ich möchte nochmals betonen, dass es sich wirklich um den Nil gehandelt hatte. Ich war im Nil schwimmen! Im Nil! Aus Mangel an Badeklamotten dann halt in den normalen Klamotten. Theoretisch müsste es bei der starken Strömung keine Bilharziose geben (das ist eine seriöse Krankheit die von Würmern im Wasser übertragen wird)

 

Diese seltsamen Ugander…haben vor so viel Angst…Frank zum Beispiel vor tiefen Wasser, weswegen er mit einem unnötigen Führer, der einfach mit uns mitgelaufen ist und eigentlich nur blöd im Weg stand aber am Schluss Geld dafür wollte, am Ufer gewartet. Wir Paddelten fröhlich im Wasser herum und erkundeten ein wenig die kleinen Inseln in der Bucht um dann wieder nach Jinja zu fahren. Gut, dass ich meine Arbeitsklamotten zum schwimmen benutzt hatte und so nicht klatschnass auf dem Motorrad zu sitzen.

 

Praktischerweise musste Christoph eh sein Zeug waschen, wovon ich dann auch von den Arbeitsklamotten den Nilschlamm wegbekam. Am nächsten Tag gingen wir erstmal ins Office von PEFO wo wir auch „arbeiteten“ also Fotos von Christophs Reisen anschauen, Tee trinken und Geschichten erzählen. Dann ging es zu einer Granny (Großmütter) Gruppe. PEFO fördert nämlich auch viel diejenigen, die die Waisenkinder fördern. Wegen der hohen Aids rate ist vor allem die Elterngeneration weggestorben, weswegen viele Grannys die Kinder versuchen durchzubringen. Es sprachen sogar einige Swahili. Das einzige Problem, dass ich noch habe, ist die Geschwindigkeit, in der die meisten sprachen. Deshalb einfach mal so tun, als ob man alles versteht und damit Eindruck bei den Mitfreiwilligen machen..und hoffen, dass man nichts gefragt wird. Bei dieser Grannyversammlung wurde gezeigt, wie man aus Kassawas (Wurzelfrüchte) Mehl macht und dieses dann zu Backwahren (sogar Donuts!) weiterverarbeitet. Ich durfte auch mal an die Mehlmühle.

 

Leider konnten wir nicht so lange bleiben, um uns als professionelle freiwillige Vorkoster zu opfern um die Produkte dann zu testen. Wir mussten wieder zur Farm weil es dort Mittagessen gab das auf uns wartete. Die Grannys hatten aber leider auch schon gekocht. Also von Mittagessen1.0 zu Mittagessen2.0 gefahren. Und die essen ja immer Kohlenhydrate mit Kohlenhydraten. Also Kochbananen mit Reis und dann später Bohnen mit Pocho (die Ugandische Version von Ugali)…im großen und ganzen muss ich sagen, dass die kenianische Küche besser ist. Und das seltsamste: die Frauen knien sich vor einem hin, wenn sie das Essen überreichen. Auch manchmal wenn sie einen Begrüßen.

Da wir auf der Farm außer essen und den Arbeitern zugucken keine Aufgabe hatten latschten wir etwas sinnlos durch die Gegend und erkundeten etwas die Felder. Irgendwann als wir mit einer Horde Kinder im Graß hockten und Geschichten von den Reisen erzählten klingelte sein Handy und wir waren schon viel zu spät dran. Ich kam mir vor wie Franz Kafka bei einer Gerichtsverhandlung. Keine Ahnung von irgendwelchen Abmachungen aber man ist zu spät für wofür auch immer. Was die Kinder wohl dachten, nachdem die Wazungus stundenlang im Graß chillten und dann aufsprangen und wegrannten?

 

Hier sitze ich im Baum, dem wir begegnet sind.

Frank wartete bereits seit einiger Zeit auf uns und wir fuhren zum Office, wo es auch gleich weiter zu einem Hotel ging. Dort waren ein paar Leute aus den Niederlanden (mit sehr seltsamen englischen Akzent) die mit PEFO ein Meeting hatten. Nach der Vorstellungsrunde packten die dann ihre Power Point Präsentation aus mit Familienfotos usw und erzählten über sich selbst. Das fand ich sehr seltsam. Man sieht eine Gruppe von Leuten das erste mal und ist da um die Projekte einer Organisation  kennenzulernen aber packt erstmal die Familienfotos aus. Und Niederländische Kekse hatten die dabei. Lebkuchenähnlich mit Honig dazwischen. Bald ist Weihnachten! Mir kam das Meeting außer den Familienfotos sehr gelegen, da ich dadurch einen tollen Einblick in PEFOs Projekte bekam. Leider mussten wir mitten im Meeting gehen weil Christoph die Arbeiter vergessen hatte zu bezahlen.

 Abends trafen wir dann noch 3 weitere Freiwillige und waren indisch Essen. So etwas leckeres hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Ich war schon ziemlich müde, als der Vorschlag kam Clubben zu gehen. Zum Vorglühen ging es dann ins Ronz. Ja die Bar hieß wirklich so und meine Gastgeber haben den Dreck in ihrem Bad danach benannt. Dort saßen einige Grüppchen um einen Eimer rum und tranken was auf den ersten Blick wie Schlamm aussah aus Gummistrohhalmen. Wir setzten uns zu einer dazu und ich probierte das Zeug mal. Habe selten so etwas unschmackhaftes probiert. Völlig bitter und dickflüssig. Soll glaub ich ein alkoholisches Nationalgetränk darstellen. Ich hab mir dann stattdessen ein Nil Bier geholt.  Dann veranstalteten wir eine spontane Hausparty mit noch ein paar Ugandischen Freunden von Karl und Christoph und machten uns dann auf den Weg zum Club.

 

Zwischendurch noch Station gemacht bei einem Rolex Stand wo ich fasziniert die Kakerlaken beobachtete, die die Tomaten fraßen. Wenns den schmeckt  müssen die nicht ganz schlecht gewesen sein. Im Club hat es ewig gebraucht, bis alle drin waren und der Club war so gut wie leer. Ich habe mich deshalb auf eine Sofaecke gelegt und bin eingepennt. Ich glaube ich werde alt...

Keine Sorge ich habe nicht im Club übernachtet sondern bin jediglich früher gegangen um Morgens dann herrlich ausschlafen zu können. Und ich hab anscheinend einen verdammt tiefen Schlaf. Christoph ist nämlich über mir in der Zwischendecke zumgelaufen um sein verstecktes Notrationsgeld zu suchen, das irgendwie weg war. Nachdem ich wach war habe ich auch mal mein Glück versucht da oben, da ich kleiner bin. Da oben war aber leider nichts und ich bin wirklich durch alle Löcher gekrochen und hatte danach den Jahrhunderte alten Bodenbelag auf mir kleben. Die Mäuse sind die Haupttatverdächtigen weil da kein Mensch ohne Hilfe und sowieso ohne bemerkt zu werden hochkommt und um die Stelle, wo es lag ziemlichviel Mäusemist ist sowie ein paar Papierfetzen. Die hatten wohl ein echt dekadenten Snack aus 300 euro.

Zum Frühstück probierte ich mich nochmals an Rolex. Schmeckt immer noch nicht. Christoph ging arbeiten und ich machte mir einen ruhigen Vormittag mit How I met youre Mother folgen mit Karl. Da habe ich dann zum ersten mal eine Jackfruit probiert, die Christoph mitgebracht hatte. Sehr gummiartige Kosistenz, Kaum Frucktsaft, etwas süßlich und hinterher an den Händen verdammt klebrig. Wir hatten uns am Vortag darauf geeinigt alle verniedlichungsformen in Zukunft zu vermeiden, weswegen wir zu Mittag "Bröt" hatten. Die einizige Ausnahme ist das Bierchen...das bleibt Bierchen.

 

Nachmittags kamen dann die anderen Jinja Freiwilligen vorbei und wir machten uns mit Fahrrädern auf zum Basketballfeld. Ich nahm Christophs Fahrrad. Schlechte Idee, da es wirklich in noch schlechterem Zustand ist als mein Fahrrad in Deutschland und das will wirklich was heißen an diejenigen, die es kennen. Schalten ist hochgefährlich, weswegen ich nur im aller niedrigsten Gang fahren konnte. Ich kam mir vor wie diese Comicfiguren wenn sie rennen und die Beine dann so im Kreis wirbeln weil sie so schnell sind. So ungefähr musste ich auch aussehen, nur ohne schnell zu sein. Bei dem Basketballfeld warteten die Ugander von dem Abend vorher auf uns. Sie sind die Gründer von X-Street Basketball Academy. Klingt ziemlich professionell und beeindruckend. Sie tun da aber eigentlich eher Kinder entertainen als in irgendwelchen Bundesligen zu spielen. Aber das finde ich auch viel besser so. Sie spielen hauptsächlich mit Straßenkindern und lassen sie so für ein paar Stunden die Sorgen vergessen. Wir haben auch ein neues Spiel eigeführt. Kettenfange.

 

Irgendwie ist das meine absolute Lieblingsbeschäftigung barfuß im Kreise vieler Kinder rumzurennen. Snacke haben wir auch gespielt. Dazu müssen sich alle der Größe nach aufstellen im Team, den Vordermann festhalten und dann muss der Kopf der einen Schlage den Schwanz der anderen fangen, ohne, dass die Schlange zerbricht.

 

Gut ausgepowert chillten wir uns danch auf die sogenannte Dachterasse mit Matratze, Gitarre, Sischa und Hibiskuswein und ließen den Abend ausklingen, wo auch später die beiden Ugander dazustießen. Zitat: „Debooooo kann man mit deinem Ipod ein Bier aufmachen??“

Am nächsten Morgen ging es ziemlich früh raus zur Biogasanlage. Diesmal richtig arbeiten. Verdammt hart arbeiten. Wir halfen nämlich den Boden auszuheben um die zweite Kuppel für das spätere Endprodukt des Mists dort zu bauen. Dafür mussten wir den ziemlich kompakten roten Lehmboden versuchen von A nach B zu trasportieren. Mit eigentlich nur ner Schaufel, ner Gembe (Dieses Ding da, was Christoph in der Hand hat) und ner Spitzhacke.

 

Zu viert (Christoph, ich, Frank und ein Arbeiter) werkelten wir stundenlang und es war verdammt anstrengend. Ich bekam relativ bald Blasen an den Händen die sofort offen waren. Und die Myotonie ließ auch herzlich grüßen.

 

Als wir schließlich irgendwann fertig waren, war ich so dreckig wie schon lange nicht mehr.

 

Die anderen Freiwilligen kamen uns auf der Farm besuchen um dann später zusammen zum Nile Resort zu gehen, wo das sagenumwobene Tarzanseil ist, das schon zwei von uns dazu gebracht hat in den Nil trotz Bilharziose Warnungen zu hüpfen.  Auf dem Weg dort hin saß ein Camälion. Als es mich entdecke rannte es auf mich in Camälion Geschwindigkeit zu und fing an an meiner Hose hochzuklettern.

 

Frank nahm quietschend reisaus und brachte erstmal 10m Abstand zwischen mir und sich. Ich hatte zwar keine Ahnung ob es männlich oder weiblich war aber ich nannte das Camälion ihm zu ehren Frank. Frank, das Camälion erkletterte mein komplettes Bein, Tshirt und krallte sich dann zuletzt in meinem Unterarm fest.

 

So wurde ich dann als sein neuer Baum missbraucht. So Calälionkrallen tun nicht sonderlich weh, aber etwas zwicken tun sie schon. Da Frank auch nichtmehr loslassen wollte nahm ich ihn einfach mal mit. Am Nile Resort  musste er dann die anderen als Bäume austauschen weil ich der Macht des Tarzanseils auch nicht wiederstehen konnte. Mit Badezeug bewaffnet ging ich den kleinen Trampelpfad hinunter, wo ich einem der Affen begegnete. Alter..die haben himmelblaue Hoden! Dieser Affe wollte mich anscheinend irgendwie einschüchtern, denn er kam ganz nah zu mir auf einen Ast und fing an Drohgebärden zu machen und auf und ab zu hüpfen. Aus Juks und Dollerei machte ich ihn nach, was ihn dann wiederum einshüchterte.

 

Nach dem gewonnenen Machtspielchen probierte ich die Tarzanschaukel mit Karl aus. Genial das Teil! Mit richtig viel Schwung vom steilen Ufter mit Tarzanschrei ins Wasser fallen lassen. Alter haben meine Blasen gebrannt danach! Aber egal. Das war absolut geil!

 

Ansonsten noch den Nachmittag in der Sofaecke gechillt, Frank mit Fliegen versorgt und gelesen.

 

Abends dann Slumdog Millioniare geschaut und am Montag Morgen mich auf die Rückreise gemacht.

Diesmal statt 5h nur 3einhalb gebraucht. Aber am Stage (inofizielle Bushaltestelle) wo ich mir mein Matatu gesucht habe lief ich so an den Kondukteuren vorbei, auf der Suche nach dem Richtigen Matatu und dann meinte einer so: „Hey Mzungu! Matatu Buisia here! Only 15000 Uganda Shillings!“ . daraufhin bin ich echt in schallendes Gelächter ausgebrochen. Der wirkliche Preis nach Busia ist nämlich 7000 Uganda Shillings. Dazu war das angepriesene Matatu fast leer. Was für ein Idiot.

Frank hatte ich in einer aufgeschnittenen Plastik 2l Flasche dabei, die gut gefüllt mit Ästen war. Das konnte ich dann beim richtigen Matatu als Waffe einsetzten um nicht übers Ohr gehauen zu werden. So unglaublich viele Leute haben Angst vor diesem kleinen Vieh. Unglaublich. Zwei Tage später erfuhr ich auch warum von Leah. Die leute glauben, dass wenn ein Camälion auf seinem Kopf sitzt muss man warten bis der Onkel kommt und einem den Kopf rasiert. Und, dass Camälions beißen und giftig sind. Vorallem das Erste macht für mich unglaublich viel Sinn. Immerhin hatte ich dann schön viel Platz im Matatu. Als ich in Busia ankam und Ben kontaktierte und nach ein paar Handy –leer-Koordinationsproblemen auch traf erzählte er mir, das Nationaler Feiertag wär. Super. Warum war ich nochmal so früh aufgestanden und überhaupt schon Montag zurück? Egal. An der Grenze wurde ich dann aufgehalten und nach meinem Uganda Visum gefragt. Immer freundlich bleiben. An der Stelle kam mir das Vorurteil von der völlig blöden, unerfahrenen Touristin  sehr gelegen und ich erzählte, ich käme grad aus Kenya nicht Uganda und hätte keine Ahnung, dass man über Grenzen nicht wie in Europa einfach drüberstiefeln kann, hab mich lieb entschuldigt und wurde laufen gelassen. Ben wurde aber demonstrativ inhaftiert dafür, dass er eine Ausländerin falsch geführt hatte. Das hatte aber nur den Zweck, das die blöde alte mies gelaunte, Grenzbeamtin schön Schmiergeld von ihm kriegen konnte. Ich wartete deshalb die 5min bis er aus Nichtigkeitsgründen Frei gelassen wurde und gab ihm die 2000 wieder. Umgerechnet 15 euro. Ein Uganda Visum hätte 50 gekostet.

Er zeigte mir noch sein Office, da er auch in einer Umwelt-sozialen Organisation arbeitet mit viel anti Aids programmen usw. Wir lachten echt ziemlich über den Vorfall. Das war das erste mal, das es einen Grenzbeamten interessiert hat wer da so rumläuft. Wahrscheinlich hat die alte Schachtel Geld gerochen, weil ich weiß bin und uns deshalb zurückgepfiffen. Der oberste Beamte hatte bei der Gelegenheit auch unsere Handynummern eingespeichert um uns das nächste mal helfen zu können. Alles klar. Mit Frank und einer riesigen Papaya im Schlepptau fuhr ich zurück nach Ugunja. Kurz nachdem ich ankam rief dieser Grenzbeamte namens Gorge an. Ich dachte es wäre etwas wichtiges. Pustekuchen. Er fragte wie es mir so geht, ob ich gut angekommen bin und –alter? Das ist ein Grenzbeamter der mich beim illegal die Grenze überqueren erwischt hat!- ob ich einen Mann habe und warum er denn nicht mein Lover sein kann. Natürlich habe ich schon einen Mann. Soviele er will! Eine ganze Armee von Ehemännern! Und jetzt lasst mich endlich in Ruhe mit dem Scheiß!

Bei Nachbarn lief so eine Georgianische Sendung namens Teen Wolf. So ein Abklatsch von Twilight nur mit Werwölfen aber um ein tausendfaches spannender. Ich konnte mich echt absolut nichtmehr losreißen, selbst als die meisten schon zu Bett gegangen sind. Während der Mittagspause am Dienstag traf ich mich mit Leah und hatte echt viel zu erzählen. Labertanten halt.

Ansonsten bin ich Mittwoch mit Zepf zu einer Schule gefahren, wo wir ein paar Sukuma Setzlinge verteilten, die wir die letzten Monate hochgezogen haben. Dort haben die Schüler schon das Feld bearbeitet gehabt  und wir mussten sie nurnoch überreichen. Der tolle Teil war, das ich die Fahrten machen durfte. Abends bin ich dann zum Fußballspielen gegangen. Blöderweise waren aber nur mit mir 4 Leute vom Team da, da der Ball kaputt war. Deswegen gab es nur „physikal aktivness“. Halooooooooooooo Cheerleadertraining! Ich führte sogar Tumbling ein. Das war bei mir dann aber auch über ein halbes Jahr her, seit ich das letzte mal Bogengang, Handstandüberschlag usw geübt hatte, weswegen gegen Ende manche Teamkollegen besser waren als ich. Kein Wunder bei der Muskulatur.

Gestern war etwas spannender. Seit dem Abend vorher waren „Visitors“ angekündigt aber keiner hatte eine Ahnung wer, wieviele, aus welchen Ländern und warum. Ich fuhr dann mit den Tembea Oberhäuptern ins Field, wo sich schon um die 40 Leute versammelt hatten. 20 Wittwen und 20 Kinder, davon die hälfte Waisen. Das Projekt heißt SUROGH und es geht dabei darum, erstmal rauszufinden wie man ihnen am besten helfen kann. Es fehlt an Schulgeld, Essen, Unterkünften, medizinischer Versorgung, Klamotten und sowieso an Geld.Nachdem ich mitgeholfen hatte aufzubauen  warteten alle gespannt auf die misteriösen Besucher.

Ein weißes, schickes Auto kam angefahren und raus kamen ein Einheimischer, der es zu was gebracht hatte und ein Muzungu namens Jan aus Amsterdam. Er war so um die 60 aber so energiegeladen das ich echt staunte. Er hatte zwar keine Ahnung von nix aber war Medienfutzi und wollte ein 2min Musikvideo drehen, das dann um die Welt gehen soll und helfen Spenden zu kriegen. Er hatte auch schon ziemlich genaue Vorstellungen wie das aussehen sollte und animierte alle dazu aufzustehen, zu tanzen und „we are the Mothers/Children of SUROGH“ zu singen. Er nahm sogar meinen Chef an den Händen und ließ ihn wie eine Puppe tanzen und fotografierte wie wild rum. Und da ich außer ihm die einzige Wazungu war bekam ich natürlich die Aufgabe, die Gruppe darauf zu trainieren bis er im Januar zurückkommt und das dann filmt. Eeeeeeehmmm..ich hab ja sonst nix zu tun. Aber warum nicht? Videodrehen macht bestimmt Spaß und singen und tanzen machen die meisten Großmütter sowieso gerne.

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